Berlusconi kostet Geld

10. Dezember 2012, 18:22
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Silvio Berlusconi bewegt die Märkte: Seine Comebackpläne und der angekündigte Rücktritt von Mario Monti treiben die italienischen Zinsen nach oben

Mailand/Brüssel/Berlin - Eines ist Silvio Berlusconi bereits gelungen. Nicht nur die internationalen Medien widmen sich wieder stärker Italien, sondern auch die Finanzmärkte. Berlusconis Comeback-Pläne, die am Wochenende zur Rücktrittsankündigung von Ministerpräsident Mario Monti führten, lösten am Montag eine deutliche Verunsicherung bei den Anlegern aus. Dem Cavaliere wird offenbar keine Fortführung einer glaubwürdigen Sparpolitik zugetraut.

Die Zinsen auf italienischen Staatsanleihen kletterten am Montag um rund sechs Prozent nach oben. Aktuell muss Italien somit rund 4,8 Prozent Zinsen für zehnjährige Anleihen zahlen. Das ist zwar noch nicht dramatisch - schließlich lag der Zinssatz im Sommer bereits bei über 6,5 Prozent. Aber: "Das Ganze ist definitiv ein Rückschritt für Italien", sagte Eugen Keller, Analyst beim Bankhaus Metzler.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank meinte: "Unter Berlusconi gibt es meiner Meinung nach keine Chance, dass der Reformkurs des Landes fortgeführt wird. Er war oft genug im Amt und nie hat sich etwas bewegt." Andere Experten sprachen hingegen von einer kurzfristigen Überreaktion der Märkte, die nicht von Dauer sein werde.

Am Montag bekam jedenfalls auch die italienische Börse die neue Unsicherheit zu spüren. Vor allem Bankaktien erwischte es kräftig. Die Bank-Austria-Mutter UniCredit sowie die Geldhäuser Intesa Sanpaolo und Banco Popolare büßten zeitweise bis zu sechs Prozent ein.

Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos warnte zudem vor Ansteckungsgefahren für sein Land, das erst vergangene Woche Geld für seinen maroden Finanzsektor vom Rettungsschirm bekam. Die spanischen Zinsen für langfristige Anleihen sanken Anfang Dezember auf 5,2 Prozent - den niedrigsten Wert seit März des Jahres. Am Montag lagen sie wieder bei 5,5 Prozent.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso warnte Italien daher vor einem Abrücken vom Sparkurs. "Europa braucht ein starkes und stabiles Italien." Wahlen dürften kein Vorwand werden, "um Reformen hinauszuschieben". Vor einer neuerlichen Verschärfung der Eurokrise warnte auch der Chef der Euro-Rettungsfonds ESM und EFSF, Klaus Regling. Für Italien wie für die gesamte Währungsunion sei es wichtig, dass der Reformprozess fortgesetzt werde, sagte er in der Süddeutschen Zeitung.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy erklärte am Rande der Nobelpreisverleihung in Oslo, die Politik von Montis Technokraten-Kabinett sei entscheidend für die Stabilität der Eurozone. Er hoffe daher, dass Monti auch nach der Wahl weitermachen werde.

Steuererhöhungen

Monti setzte in seiner knapp einjährigen Amtszeit Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen durch, um die Schuldenlast des Landes zu senken. Zugleich initiierte er eine Reihe von Reformen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu steigern, wobei von Experten auch moniert wurde, dass beispielsweise die Arbeitsmarktflexibilisierung nicht weit genug gehe. Die drittgrößte Volkswirtschaft der EU dürfte nach Einschätzung der Kommission 2013 nur noch um 0,5 Prozent schrumpfen - nach 2,3 Prozent in diesem Jahr. (Reuters, go, DER STANDARD, 11.12.2012)

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    Silvio Berlu-sconi möchte Mario Monti zeigen, wo es langgeht.

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