A1 sucht Informanten

10. Dezember 2012, 17:39
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Portal für "Whistleblower" - Kartellwächter tagen

Wien - Telekom Austria (TA), jahrelang von Managern, Beratern und Politikern über Scheingeschäfte als "Bankomat der Republik" missbraucht, ruft "Whistleblower" zum Verpfeifen von Missständen und Korruption auf. Über die Online-Plattform "Tell me" sollen Mitarbeiter, Lieferanten und Marktbeobachter anonym Missstände im Konzern melden.

Die Meldungen gehen über eine eigene Software zu Compliance-Beauftragten und interne Kontrolle. Die beiden Stellen entscheiden dann, ob Vorwürfe weiter verfolgt werden. Informanten können das konzerninterne Portal unter www.telekomaustria.at erreichen.

Meldungen, die über das System gegeben werden, werden nach dem Vier-Augen-Prinzip bearbeitet, der Tippgeber kann entscheiden, ob er anonym bleiben will oder nicht. Er kann auch Unterlagen mitschicken und den Fortgang verfolgen. Laut Kai Leisering vom Softwarehaus Business Keeper melden sich zwei von 1000 Mitarbeitern über Whistleblower-Systeme. "Internationale Studien zeigen, dass Whistleblowing die wichtigste Quelle für Information über Unregelmäßigkeiten ist", sagt TA-Compliance-Officer Martin Walter.

Noch nicht entschieden ist, ob Österreichs Wettbewerbshüter den vom Kartellgericht gebilligten Kauf des Orange-Billiganbieters Yesss! durch die TA beeinspruchen. Laut Standard-Recherchen entscheiden Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) und Kartellanwalt heute, Dienstag, ob Rekurs eingebracht wird. Gründe gibt es: Die Fusion sei schlecht für den Konsumenten, das vom Kartellgericht beauftragte Sachverständigengutachten sei mangelhaft, das ökonometrische Modell nicht nachvollziehbar, der Preiseffekt nach der Fusion überhaupt nicht beleuchtet. Gibt die EU-Kommission diese Woche grünes Licht für die Übernahme von Orange durch Hutchison 3G ("Drei") wäre der Deal zu retten, indem H3G auf den Yesss!-Deal und 390 Mio. Euro Erlös verzichtet. (ung, DER STANDARD, 11.12.2012)

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