Aufregung um Holocaustleugner im Wiener Haus der Heimat

10. Dezember 2012, 18:32
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Zeugen sagen, Vortrag wurde nicht wie behauptet abgebrochen, Verfassungsschutz ermittelt

Wien - Holocaustleugner, Revisionisten und Antisemiten: Bei den Klubabenden des in den 1950er-Jahren in Wien gegründeten "Neuen Klubs" geben sie sich die Klinke in die Hand. Diese Abende finden seit 1997 im Haus der Heimat - dem Sitz des Verbands der Volksdeutschen Landsmannschaften (VLÖ) - statt. Im Oktober machte der STANDARD den Vortrag von Bernhard Schaub, einem prominenten Schweizer Holocaustleugner, der 2006 bei der Konferenz der Teheraner Holocaustleugner auftrat, publik. Schaub will mit seiner "Europäischen Aktion" Rechtsextreme in Deutschland, Österreich und der Schweiz vernetzen.

"Weiße, germanische Rasse"

Wie mehrere Augenzeugen dem STANDARD berichteten, propagierte Schaub im Oktober im Haus der Heimat unter anderem die Vorherrschaft "der weißen, insbesondere der germanischen Rasse". Österreich und Deutschland seien nur "illegale Gebilde", das germanische Reich existiere noch. Wolfgang Mussner, der beim VLÖ für die Raumvergabe zuständig ist, sagte dem STANDARD damals, er habe den Vortrag nach 50 Minuten "empört" abgebrochen. Zeuginnen bestreiten das. Schaub habe ungehindert zu Ende referiert. Damit konfrontiert, sagte Mussner am Montag abermals: "Ich habe abgebrochen, aber vielleicht kam es da zu Missverständnissen. Ich war sehr erregt."

In einer Stellungnahme des VLÖ, der öffentliche Gelder lukriert, an ÖVP-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner ist von dem Abbruch allerdings nicht die Rede. SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim hatte eine Anfrage an die Ministerin eingebracht.

Öllinger: "Handelt sich um Wiederbetätigung"

Der Verfassungsschutz ermittelt mittlerweile intensiv. Wenn sich der "strafrechtliche Verdacht erhärtet, ist von einer Anzeige auszugehen", so ein Sprecher des Ministeriums am Montag.

Für den Grünen-Nationalratsabgeordneten Karl Öllinger ist klar: "Beim Vortrag des Bernhard Schaub handelt es sich um NS-Wiederbetätigung." Öllinger fordert den Rücktritt der verantwortlichen Funktionäre beim VLÖ. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 11.12.2012)

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