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Paris - In Florange haben die Arbeiter endlich wieder etwas zu tun. "Ab heute nehmen wir die Fabrik in Besitz", meinte der Gewerkschafter Edouard Martin, die Augen voller Tränen. "Allzu lange hatten wir das Gefühl, dass wir belogen wurden. Jetzt nehmen wir die Dinge selbst in die Hand." Mit Kumpels kletterte er auf einen Hochofen und sorgte dafür, dass die Gaszufuhr über das Wochenende nicht unterbrochen wird.
Das Stahlwerk steht seit Monaten still, wurde aber nicht ganz abgeschaltet. Nach hartem Tauziehen schlossen der indische Stahlmagnat Lakshmi Mittal und der sozialistische Premierminister Jean-Marc Ayrault Ende November ein Abkommen: ArcelorMittal steckt 180 Millionen Euro in das ruhende Werk, um neue Aktivitäten zu entwickeln und die 700 Arbeitsplätze zu sichern; dafür verzichtet die Regierung auf die Verstaatlichung des Werks.
Doch die Gewerkschaften trauen der Sache nicht: "Bleiben die Öfen still, wird Florange sterben", meinte Martin. Ayrault erwiderte, Florange könnte beim europäischen Projekt Ulcos für die Lagerung von CO2 mitmachen, was alle Jobs sichern würde. Wie zum Spott kündigte ArcelorMittal tags darauf an, man werde sich wegen "technischer" Gründe aus dem Ulcos-Vorhaben zurückziehen. Präsident François Hollande musste selbst reagieren: "Ich habe ihre Not und Wut gesehen, ich ermesse die Gründe", meinte er an die Adresse der Arbeiter, um ihnen zu versprechen: "Die Verpflichtungen werden eingehalten." Die Florange-Arbeiter schenken der Beteuerung keinen Glauben mehr. Sie beginnen, das Werk zu besetzen. In Fos-sur-Mer bei Marseille sowie in Nantes wollen Mittal-Arbeiter aus Solidarität streiken. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 11.12.2012)
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