"Der Hobbit": Von Zwergen in höchster Auflösung

  • Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman, Mi.) erhält Besuch von 
schön frisierten, trotzdem etwas ungehobelten Zwergen.
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    foto: warner bros.

    Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman, Mi.) erhält Besuch von schön frisierten, trotzdem etwas ungehobelten Zwergen.

Peter Jackson hat nach "Herr der Ringe" die nächste Tolkien-Adaption in Angriff genommen

"Der Hobbit" erreicht die Kinos mit bewährten Helden - gestochen scharf und rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft.

Wien - Auf schnelle Wiedererkennbarkeit hat man bei Der Hobbit, dem lange erwarteten Prequel zur so erfolgreichen Herr der Ringe-Trilogie, am stärksten vertraut. Einige der Figuren tauchen darin wie alte Freunde auf, vorausgesetzt natürlich, man hat sie je zu solchen gezählt: der verschmitzte Zauberer Gandalf (Ian McKellen), die Elfin Galadriel (Cate Blanchett) und natürlich auch Gollum.

Die Charaktere sind aber nicht das einzige Signal dafür, dass die Weichen bei dem 500 Millionen Euro schweren Franchise - das gebrandete Weihnachtsspielzeug liegt bereit - auf Kontinuität gestellt sind. Guillermo del Toro, der bildermächtige Regisseur von Hellboy und Pan's Labyrinth, wurde schließlich doch von Peter Jackson abgelöst; und der Neuseeländer inszeniert Teil eins der neuerlich als Trilogie angelegten Verfilmung so, als müsste er seine J. R. R. Tolkien-Vorherrschaft eigentlich nur noch in Zement gießen. Seine Detailverliebtheit reicht bis zu säuberlich geflochtenen Zöpfen in Bärten. Sie gehören zu Zwergen, die nun mit Gandalf und dem Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) zu einer patriotischen Mission antreten; ihr vom Drachen Smaug in Beschlag genommenes Zuhause, den Berg Erebor, versuchen sie zurückzuerobern.

Jackson gilt nicht umsonst als einer der größten Nerds im Filmgeschäft, und so betritt auch Der Hobbit technologisch wieder Neuland. Es handelt sich um den ersten Film, der mit 48 Bildern pro Sekunde gedreht wurde - also mit doppelt so vielen wie gewohnt. Das Resultat ist gewöhnungsbedürftig, zumal für Zuschauer, die mit Kino zuallererst das körnige Material von Film verbinden. Die Bilder sind noch viel schärfer, das Licht wirkt noch viel härter als schon bei digitalen HD-Filmen. Auch wenn die Bewegungen nun angeblich mehr der natürlichen Wahrnehmung angeglichen sind und jedes Feuerchen ein bisschen echter flackert, darf man sich ruhig fragen, was damit bei einem Fantasyfilm gewonnen ist.

Rülpsende Fabelwesen

Die einzige Antwort darauf gibt Der Hobbit natürlich selbst. Nach einem kurzen Prolog führt er in die Grube des Bilbo Beutlin, ein bieder gepflegtes Heim, in das eines Nachts ein ganze Schar von Zwergen einfällt. Eine geschlagene Stunde des beinahe dreistündigen Films beschreibt Jackson nun ein Gelage, bei dem nicht nur die Nerven des Gastgebers strapaziert werden. Die herzhaft-derbe Zwergen-Männergemeinschaft feiert sich hier mitsamt zweier Gesangsnummern selbst. Der Naturalismus des Films erweist sich dabei als eher bescheidener Gewinn, hat man doch den Eindruck, in einem Big-Brother-Pub mit rülpsenden Fabelwesen eingeschlossen zu sein. Doch zumindest ist da auch Gandalf, der nicht nur optisch alle ein wenig überragt.

Nach der Party beginnt die eigentliche Arbeit. Das Abenteuer, dem sich auch der zögerliche Bilbo Beutlin anschließt, führt den Film auf jene Bahnen zurück, auf denen sich Jackson schon bei der Herr der Ringe-Saga versiert bewegt hat. An jeder Ecke lauert neue Gefahr, Der Hobbit wird damit zum Hindernislauf, der dramaturgisch konventionell wie ein Stationendrama gebaut ist. Jackson hat sich für jede Szene eine Attraktion einfallen lassen, die Tolkiens Wesen zu entsprechender Größe verhilft. Und Größe ist hier wirklich wörtlich gemeint, verharrt der Film doch auf Zwergen- bzw. Hobbitniveau. Es warten so hungrige wie hässliche Trolle, giftige Riesenspinnen, Felsenriesen und ein komisch designter Goblinkönig mit Riesengoderl.

Dass die Kontrahenten in 3-D Anschaulichkeit gewinnen, ist bei dieser Art von Produktion schon fast keine Erwähnung mehr wert. Was allerdings beim Jackson'schen Prinzip von Malen nach Zahlen auf der Strecke bleibt, ja womöglich von Beginn eine geringe Rolle spielt, ist die Magie solcher fantastischer Erzählungen. Denn die steckt weniger im überzeugenden Husarenstück als in der kleinen Geste, die Emotionen freisetzt. Der Hobbit ist diesem Moment in einer Szene am nächsten, die nicht unbedingt auf Schauwerte zielt. Es ist das erste Aufeinandertreffen von Bilbo Beutlin mit Gollum, tief im Inneren des Nebelgebirges.

Statt Waffengewalt entscheidet hier Cleverness über den Gewinner eines Duells, wird es doch in Rätseln ausgetragen. Da stimmt dann plötzlich alles. Im Gesicht von Gollum, der viel dem Darsteller Andy Serkis verdankt, findet der Film zu einem Ausdruck, in dem die Technik zu dem wird, was sie immer sein sollte: eine Hilfestellung, und nicht mehr. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 11.12.2012)

Ab Mittwoch (Previews) im Kino

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