"Der Hobbit": Von Zwergen in höchster Auflösung

Dominik Kamalzadeh
10. Dezember 2012, 18:19
  • Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman, Mi.) erhält Besuch von 
schön frisierten, trotzdem etwas ungehobelten Zwergen.
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    foto: warner bros.

    Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman, Mi.) erhält Besuch von schön frisierten, trotzdem etwas ungehobelten Zwergen.

Peter Jackson hat nach "Herr der Ringe" die nächste Tolkien-Adaption in Angriff genommen

"Der Hobbit" erreicht die Kinos mit bewährten Helden - gestochen scharf und rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft.

Wien - Auf schnelle Wiedererkennbarkeit hat man bei Der Hobbit, dem lange erwarteten Prequel zur so erfolgreichen Herr der Ringe-Trilogie, am stärksten vertraut. Einige der Figuren tauchen darin wie alte Freunde auf, vorausgesetzt natürlich, man hat sie je zu solchen gezählt: der verschmitzte Zauberer Gandalf (Ian McKellen), die Elfin Galadriel (Cate Blanchett) und natürlich auch Gollum.

Die Charaktere sind aber nicht das einzige Signal dafür, dass die Weichen bei dem 500 Millionen Euro schweren Franchise - das gebrandete Weihnachtsspielzeug liegt bereit - auf Kontinuität gestellt sind. Guillermo del Toro, der bildermächtige Regisseur von Hellboy und Pan's Labyrinth, wurde schließlich doch von Peter Jackson abgelöst; und der Neuseeländer inszeniert Teil eins der neuerlich als Trilogie angelegten Verfilmung so, als müsste er seine J. R. R. Tolkien-Vorherrschaft eigentlich nur noch in Zement gießen. Seine Detailverliebtheit reicht bis zu säuberlich geflochtenen Zöpfen in Bärten. Sie gehören zu Zwergen, die nun mit Gandalf und dem Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) zu einer patriotischen Mission antreten; ihr vom Drachen Smaug in Beschlag genommenes Zuhause, den Berg Erebor, versuchen sie zurückzuerobern.

Jackson gilt nicht umsonst als einer der größten Nerds im Filmgeschäft, und so betritt auch Der Hobbit technologisch wieder Neuland. Es handelt sich um den ersten Film, der mit 48 Bildern pro Sekunde gedreht wurde - also mit doppelt so vielen wie gewohnt. Das Resultat ist gewöhnungsbedürftig, zumal für Zuschauer, die mit Kino zuallererst das körnige Material von Film verbinden. Die Bilder sind noch viel schärfer, das Licht wirkt noch viel härter als schon bei digitalen HD-Filmen. Auch wenn die Bewegungen nun angeblich mehr der natürlichen Wahrnehmung angeglichen sind und jedes Feuerchen ein bisschen echter flackert, darf man sich ruhig fragen, was damit bei einem Fantasyfilm gewonnen ist.

Rülpsende Fabelwesen

Die einzige Antwort darauf gibt Der Hobbit natürlich selbst. Nach einem kurzen Prolog führt er in die Grube des Bilbo Beutlin, ein bieder gepflegtes Heim, in das eines Nachts ein ganze Schar von Zwergen einfällt. Eine geschlagene Stunde des beinahe dreistündigen Films beschreibt Jackson nun ein Gelage, bei dem nicht nur die Nerven des Gastgebers strapaziert werden. Die herzhaft-derbe Zwergen-Männergemeinschaft feiert sich hier mitsamt zweier Gesangsnummern selbst. Der Naturalismus des Films erweist sich dabei als eher bescheidener Gewinn, hat man doch den Eindruck, in einem Big-Brother-Pub mit rülpsenden Fabelwesen eingeschlossen zu sein. Doch zumindest ist da auch Gandalf, der nicht nur optisch alle ein wenig überragt.

Nach der Party beginnt die eigentliche Arbeit. Das Abenteuer, dem sich auch der zögerliche Bilbo Beutlin anschließt, führt den Film auf jene Bahnen zurück, auf denen sich Jackson schon bei der Herr der Ringe-Saga versiert bewegt hat. An jeder Ecke lauert neue Gefahr, Der Hobbit wird damit zum Hindernislauf, der dramaturgisch konventionell wie ein Stationendrama gebaut ist. Jackson hat sich für jede Szene eine Attraktion einfallen lassen, die Tolkiens Wesen zu entsprechender Größe verhilft. Und Größe ist hier wirklich wörtlich gemeint, verharrt der Film doch auf Zwergen- bzw. Hobbitniveau. Es warten so hungrige wie hässliche Trolle, giftige Riesenspinnen, Felsenriesen und ein komisch designter Goblinkönig mit Riesengoderl.

Dass die Kontrahenten in 3-D Anschaulichkeit gewinnen, ist bei dieser Art von Produktion schon fast keine Erwähnung mehr wert. Was allerdings beim Jackson'schen Prinzip von Malen nach Zahlen auf der Strecke bleibt, ja womöglich von Beginn eine geringe Rolle spielt, ist die Magie solcher fantastischer Erzählungen. Denn die steckt weniger im überzeugenden Husarenstück als in der kleinen Geste, die Emotionen freisetzt. Der Hobbit ist diesem Moment in einer Szene am nächsten, die nicht unbedingt auf Schauwerte zielt. Es ist das erste Aufeinandertreffen von Bilbo Beutlin mit Gollum, tief im Inneren des Nebelgebirges.

Statt Waffengewalt entscheidet hier Cleverness über den Gewinner eines Duells, wird es doch in Rätseln ausgetragen. Da stimmt dann plötzlich alles. Im Gesicht von Gollum, der viel dem Darsteller Andy Serkis verdankt, findet der Film zu einem Ausdruck, in dem die Technik zu dem wird, was sie immer sein sollte: eine Hilfestellung, und nicht mehr. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 11.12.2012)

Ab Mittwoch (Previews) im Kino

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Habe vorher den Standard-Artikel und etliche Kommentare hier sowie externe Kritiken gelesen.
Bin äusserst froh NICHT auf diese Meinungen gehört zu haben, die Standard-Rezension erscheint mir ehrlich gesagt eines Standards auch nicht würdig, ist mir einfach zu pubertär hochtrabend.

Habe den Film bewußt im IMAX Donau Plex angesehen und würde ihn auch nur dort ansehen (keine Ahnung ob und welche anderen Säle in Wien/Länder die gleiche Bildqualität bieten können; schon klar das 48HFR ja eh öfter angeboten wird ..;-)

war tatsächlich ein überwältigendes Ereignis, kann mich nicht wirklich erinnern was mich an Filmen in den letzten 30 Jahren ähnlich beeindruckt haben könnte .. (meiner Meinung nach auch Avatar voll locker vom Thron gestossen ..)

Langweilig ist er. Schad um Zeit und Geld.

die HFR-sache hat mich nicht überzeugt. erschien wie die making-of aufnahmen, die man in DVD-extras oder neueren BBC-serien sieht. es wirkt einfach hart, und trotz gatsch und erde steril.

HFR: mir ist kein grosser unterschied aufgefallen.

lord of the rings episode 1

viel mehr bleibt da nicht übrig.

Erste Hälfte pfui, zweite Hälfte hui

Ich weiß nicht, ob es ein Gewöhnungseffekt war, aber nach der Pause war ich von dem Film begeistert.

Sowohl 48f/s, als auch 3D und Slapstick haben mich in der zweiten Hälfte des Films nicht gestört, sondern begeistert. Außerdem war die Eröffnungsszene einfach unterirdisch grottig: Die flüchtenden Menschen sahen aus, wie aus einer billigen Fernsehproduktion. Generell war es so, dass ich Nahaufnahmen und Super-Totalen genossen habe, das Problem der 48f/s liegt in der Halbtotalen, wo jeder Schauspieler aussieht wie ein Zappelphilip.

Störend war auch die hohe Menge an Jar-Jar-Binks Charakteren!!!

Go watch it!

Zwei Welten

die eine Welt: J. R. R. Tolkien LESEND S E H E N !!!
die andere: kinolümmelnd Jackson G L O T Z E N !

Freundliche Grüße!

schön das es beide gibt.
und beim lesen lümmel ich auch.

die perücken werden immer besser. doch der film ist verfälscht und aufgeblasen, leider,

im gegensatz zur LotR-trilogie, die letztlich an die erzählstränge herangeführt und überzeugt hat, durch weglassen und komprimieren.

hier im gegenteil hinzufügen und ausdehnen. den einbruch der zwergenpartie ins hobbit-heim sehe ich in etwa wie der rezensent, finde freilich 'we must away' ganz schön intoniert. (warum aber sprrrechen die duarrrfffsss mit schottischem akzent?) die troll-episode, in der ein wichtiges motiv - bilbo überlistet durch sprache - erstmals vorkommt, verfälscht watson durch kampfgetöse. radegast der braune als schielender pilz-freak-schamane mit tierkitsch, o weh; die ekel-orks, zu viel, zu schnell, zu laut; mehrere neu erfundene klippenhänger, wozu ... die großen adler allerdings sind im alpenglühen geil.

gebe Ihnen vollkommen recht und ein grünes Sticherl,

ich kenne, egal warum, das Buch in und auswendig. Habe den Film am Samstag gesehen und war zutiefst enttäuscht. Wenn man einen Film schon so lange macht, warum bleibt man nicht einfach bei der Geschichte, die gibt doch genug her.
48 f/s ist gewöhnungsbedürftig, ob die Geschichte dem Buch entspricht wird auch den Meisten egal sein aber ich finde auch, daß der Zauber von LOTR nicht mehr da ist. Dieser "in your face" humo, diese zwanghaften Weisheiten von Gandalf, dieser neue Handlungsstrang mit dem Nekromanten und und und - ich bin sehr enttäuscht.

der handlungsstrang mit dem nekromanten ist nicht neu. er kommt nur im hobbit nicht vor. aber in den anhängen zum LOTR kann man nachlesen, daß eben sich Sauron in Dol Guldur erhob. Nur war erst retrospektiv klar, dass es sich um S. handelte. Im Film selbst musste der "unbekannten Macht" halt ein Name gegeben werden, da der Weisse Rat sich über die Natur der Bedrohung eben nicht im klaren war. Nekromant ist jetzt nicht besonders toll, aber es widerspricht nicht der literarischen Vorlage

...aber hat im Hobbit nix verloren.

Ansonsten richtig, wenn auch der Nekromant und Sauron nicht die Gleichen sind, aber das sind alles sematische Details.
Was ich meinte und was mich massiv stört ist, daß sich diese Geschichte als Haupthandlungsstrang zu entpuppen scheint und DAS ist NICHT, worum es im Hobbit eigentlich geht.

ich geh schon davon aus, daß die dasselbe sind.

ich finde es auch nicht falsch das in den film reinzunehmen, da ja tolkien selbst schreibt, daß es kein zufall sei, daß der ring gollum verlassen hat, gerade zu der zeit, als sich S. wieder erhob.

und ganz eigennützig: mir sind drei teile lieber, die auch die hintergründe mitnehmen, als nur ein teil, der strikt am kleinen hobbit bleibt ;)

wenn ich was kritisieren würd, dann am ehesten die schauspielerische leistung, bzw. die umsetzung des rätselspiels. da war tolkien nämlich sehr konkret, und das wurde im film m.e. nicht getroffen, aber das nur nebenbei

da könnten wir sicher stundenlang diskutieren :-) Es ist immer alles subjektiv, das mit dem Rätselraten sehe ich allerdings genau so. Auch, daß Bilbo im Film sieht, wie Gollum den Ring verliert und ihn dann einsteckt wirft meines Erachtens ein falsches Licht auf Bilbo, so war das nicht.
Wie auch immer, je mehr Hintergrund, desto besser, das ist richtig - trotzdem ist mir der Film bisher ein bißchen zu frei interpretiert. Ich habe fast 10 Jahre an einem Projekt mit diesem Buch gearbeitet, weswegen meine Meinung auch sehr subjektiv ist und jeder soll sich seine Eigene machen, das ist ja auch gut so.

stimmt, der ringfund ist auch ein problem, da so wie im film umgestzt das letzte "rätsel" eigentlich keinen sinn macht. zumindest nicht so viel wie im buch...

subjektivität unterschreib ich, letzlich gibt es kein richtig und kein falsch ;)

unverständlich

da das damals ja eine sehr gewalttätige zeit war, verstehe ich nicht, warum das alles so künstlich kindlich daher kommt. die realität war doch, das mittelerde ein extremst brutaler zeitabschnitt war, wo sich die menschen- und orcbarbaren überall aufgeschlitzt haben, die riesenspinnen die menschen massakriert haben, brennende pfeile in den gsichtern steckten und keulen schädel zersplitterten. schwache verfilmung.... auch das buch völlig jenseitig mit dieser unwirklichen darstellung der tatsachen...

tolkien und die millionen anhänger von mittelerde kann man mit sicherheit auf die stufe von rechten geschichtsfälschern stellen.

Ich kann dir nur den Rat geben...

löse deine echten Probleme :-)

Die Kritiken im vorhinein haben nichts Gutes erahnen lassen,

es hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Habe ihn gestern in 3D Originalversion gesehen. Die gefürchtete Länge gabs nur zu Beginn (ein wenig) - ohne die Kritik im vorhinein, wärs mir aber wahrscheinlich gar nicht aufgefallen.

Die Verbindungen zu HdR waren gut gezogen und der Film wirkt nicht als Kopie von "Die Gefährten". Die Komik fand ich in guter Balance, bisschen Augenzwinkern aber keine billigen Lacher.

Die Atmosphäre hat mir sehr gut gefallen, Fehlbesetzungen oder unnötige Charaktere würde ich nicht sehen. Bei Radagast hat ich da noch am ehesten etwas Bauchweh.

Ab dem Gigantenkampf der Berge wurds aber zu hektisch. Die Verfolgungsszenen waren doch etwas unglaubwürdig. Das ist wohl meine einzig echte Kritik am Film.

Kann nur beipflichten, ich hab vor 10 Jahren ca. all die Bücher von Tolkien zu Mittelerde gelesen (vielleicht auch nicht alle), und dachte damals schon, dass der Hobbit für einen Film mehr hergibt, als HdR - und so ist es meiner Meinung auch. HdR ist ein Epos, der Hobbit ist ein Jugendroman, das merkt man dem Film an, es schadet aber nicht, es macht die Angelegenheit witziger und die Charaktere lebendiger. Die Begegnung von Bilbo und Gollum ist super und Bilbo ist sowieso ein sympathischerer Held als Frodo.

Visuell ist der Film sowieso der Hammer, die erste Schlacht zwischen Orks und Zwergen - hab a Ganslhaut kriegt. Also, ab ins Kino!

Dann geb ich hier auch mal meinen sicher nicht

sehr beliebten Kommentar ab unter all den Freaks hier. Schon Herr der Ringe gehörte zu den schlechtesten Filmen, die ich je gesehen habe (vor allem und insbesondere der dritte Teil, der megakitschige Schluss kann doch nur Gehirnerweichten gefallen haben). Der Hobbit ist da sicher nix besser, wahrscheinlich brauchen viele Menschen diese Flucht in eine kindisch-dümmliche Welt mit vorhersehbarer, laaaaaangweiliger Handlun

Flucht in eine kindisch-dümmliche Welt

OK.
Für Sie sollte man das amtliche Telefonbuch in 2D verfilmen.

Gut, das ist Geschmackssache, aber was genau fanden Sie denn an der HdR-Trilogie so schlecht, abgesehen vom Schluss?

wenn man peter jackson durch filme wie "bad taste" oder "meet the feebles" als anarchischen regisseur weit abseits von hollywood kennen und lieben lernen durfte, muß man von seinen späteren aufgeblasenen mit dröhnendem ethnokitsch untermalten jedes risiko vermeidenden filmen enttäuscht sein, wobei die ersten zwei "herr der ringe" im vergleich zum "king kong" remake immer noch meisterwerke eines eskapistischen kinos ohne handschrift waren, aber was zur hölle ist an cgi-massenschlachten bei denen man nicht mitspielen kann unterhaltsam?
sorry.

Jetzt hast mich aber doch...

ein wenig neugierig gemacht. Welche Filme gefallen dir denn so? Hast du ein paar Tipps für uns?

Genau..

... Tolkien hat von Rosamunde Pilcher abgeschrieben!

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