ORF-Chefs verteidigen Strukturmaßnahmen in kleinen Schritten

10. Dezember 2012, 15:03
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Reform ohne "Big Bang" - Kulturschaffende machen für Gebührenrefundierung mobil - Sehbehinderte pochen auf Ausbau der Barrierefreiheit

Der ORF weist Kritik an mangelnden Strukturreformen zurück. Der ORF habe heute fast 600 Mitarbeiter weniger als vor vier Jahren, es sei wohl nicht davon auszugehen, dass dies ohne Strukturmaßnahmen möglich gewesen sei, sagte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Montag zur APA. Zuvor hatten einzelne Stiftungsräte moniert, die aktuelle Finanzvorschau des Senders sehe wieder keine weitreichenden Strukturmaßnahmen vor. Finanzdirektor Richard Grasl meinte, man mache lieber kleine Schritte, als immer einen "Big Bang" anzukündigen.

Man könne nicht erwarten, dass die Ausgliederung mehrerer hundert Mitarbeiter der Weisheit letzter Schluss sei, so Grasl. Im Sinn der kleinen Schritte bringt die ORF-Führung am Montag im Finanzausschuss und am Donnerstag in der Stiftungsratssitzung die Neuordnung des sogenannten Kreationsbereichs, also die Auslagerung von Promotion, Design und Grafik ein.

Senkung der Fixkosten durch Auslagerung

Der SPÖ-nahe Stiftungsrat Thomas Drozda hatte zuvor im "Kurier" gemeint, man müsse am Donnerstag über eine Strukturreform reden und die Frage klären, wie der ORF durch Auslagerungen Fixkosten senken kann, um mittelfristig mehr Geld für Programm zur Verfügung zu haben. Es müssten maximale Ressourcen zugunsten von Programm und Information eingesetzt werden. Diesbezüglich müsse das Unternehmen dem Stiftungsrat Vorschläge machen, so Drozda.

Auf der Tagesordnung des Stiftungsrats steht am Donnerstag auch die mittelfristige Finanzvorschau des ORF bis 2017. Für den Fall, dass wie geplant Ende 2013 die Gebührenrefundierung ausläuft, müsste der ORF im Jahr 2014 voraussichtlich bis zu 70 Millionen Euro einsparen. In dem Fall müssten auch die mit der Refundierung verbundenen Verpflichtungen "überprüft" werden, schreibt der ORF in der Finanzvorschau. Dies beträfe etwa das Radio-Symphonieorchester genauso wie die Kinofilmförderung, Landesstudios, Österreich-Produktionen, Barrierefreiheit, die Kooperation mit 3sat oder die Spartenkanäle.

Die Zukunft von ORF 3

Etliche Kulturschaffende aus dem Kulturbeirat von ORF III gehen denn auch bereits auf die Barrikaden und fordern in einem offenen Brief an die Parlamentsparteien und Landeshauptleute, "dem ORF auch in Zukunft die notwendigen Mittel zur Erfüllung des Kulturauftrags zur Verfügung zu stellen". Es sei notwendig, "die 2013 auslaufende Abgeltung der Gebührenbefreiungen, welche die finanzielle Basis für das hochwertige ORF-III-Programm bildet, dauerhaft und in voller Höhe für die nächsten Jahre abzusichern", außerdem fordert der Kulturbeirat die Aufhebung des ?Cross Promotion Verbots? für die ORF-Spartenkanäle.

Sorge herrscht auch beim Blinden- und Sehbehindertenverband, der allerdings den ORF in der Pflicht sieht und auf dessen gesetzlichen Auftrag verweist. "Wir fordern den ORF auf, seine Drohungen einzustellen und die Barrierefreiheit weiter auszubauen. Man kann doch nicht bei jeder Finanzverhandlung diesen gesetzlich vorgeschriebenen Service in Frage stellen", erklärte Verbandspräsident Markus Wolf am Montag in einer Aussendung. (APA, 10.12.2012)

 

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