Schwerer Zwischenfall bei Ryanair in Deutschland: Sturm soll schuld sein

  • Die geringste Flughöhe der Ryanair-Maschine (Symbolbild) soll 140 Meter betragen haben, bevor der Pilot reagierte.
    foto: apa/dpa/fredrik von erichsen

    Die geringste Flughöhe der Ryanair-Maschine (Symbolbild) soll 140 Meter betragen haben, bevor der Pilot reagierte.

Pilotenvereinigung widerspricht Fluggesellschaft und kritisiert Zeitdruck

München/Dublin - Nach offiziellen Angaben des Billigflug-Unternehmens Ryanair hat heftiger Wind den Beinaheunfall einer Maschine über dem Allgäu in Süddeutschland verursacht. Die Maschine war demnach im Landeanflug auf den Flughafen Memmingen, als die Piloten "plötzlich unerwartet hohen Rückenwind" verzeichneten.

"Die Besatzung entschied sich für ein Durchstarten des Jets, was völlig den Richtlinien von Ryanair entspricht", sagte Unternehmenssprecher Stephen McNamara am Montag in Dublin. Erst nachdem das Durchstarten der Maschine eingeleitet war, hätten sich die automatisch gesteuerten Warnsysteme aktiviert. "Die Crew beendete den Vorgang und landete kurze Zeit später völlig normal."

Vorfall als "schwere Störung" eingestuft

Das deutsche Magazin "Spiegel" hatte am Wochenende berichtet, dass die Maschine mit 141 Menschen an Bord auf dem Weg von Manchester nach Memmingen nur knapp einer Katastrophe entgangen sei, weil sie zu schnell an Höhe verloren habe. Die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) schreibt in ihrem vorläufigen Bericht, die geringste Flughöhe habe knapp 140 Meter betragen, bevor der 30-jährige Pilot den Flieger wieder hochzog.

Die BFU stuft den Zwischenfall vom 23. September als "schwere Störung" ein. Eine "schwere Störung" bezeichnet laut Flugunfall-Untersuchungsgesetz "ein Ereignis beim Betrieb eines Luftfahrzeugs, dessen Umstände darauf hindeuten, dass sich beinahe ein Unfall ereignet hätte".

Piste gewechselt, um Verspätung aufzuholen

Laut BFU-Bericht hatte sich die Crew während des Flugs entschieden, auf einer anderen Piste als der ursprünglich vorgesehenen zu landen und daher Sichtflug zu beantragen. Als Grund seien kürzere Rollwege genannt worden. Das Flugzeug war mit einer Verspätung von knapp einer halben Stunden in Manchester gestartet. Zeitdruck spiele bei Ryanair eine große Rolle, sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. "Die extrem kurzen Bodenzeiten machen es unmöglich, Verspätungen aufzuholen. Das setzt Piloten unter immensen Druck, und dann passieren Fehler."

Im Sichtflug einen kleineren Flugplatz anzusteuern sei zwar nicht ungewöhnlich, sagte Handwerg. Aber die Konzentration der Piloten scheine nicht sonderlich hoch gewesen zu sein. Schließlich habe die Crew erst sehr spät gemerkt, wie nahe der Flieger schon am Boden war. "Hinterher haben sie aber alles richtig gemacht." Die irische Fluggesellschaft war zuletzt mehrfach wegen angeblicher Sicherheitsmängel in die Schlagzeilen geraten. (APA, 10.12.2012)

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