Bildungskosten wachsen US-Bürgern über den Kopf

11. Dezember 2012, 08:49
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Studieren auf Pump ist in den USA nicht außergewöhnlich. In Zeiten der Krise haben immer mehr ein Problem, den Kredit rückzuzahlen

Richard Freeman schlug im Frühjahr Alarm: "Mit einem College-Abschluss kann man im Durchschnitt mehr Geld verdienen, aber das gilt nicht für jeden", erklärte der Harvard-Ökonom. Anlass zur Sorge gaben Zahlen, wonach sich im vergangenen Jahr 100.000 Bachelor-Absolventen als Kellner, Barkeeper oder andere Gastronomie-Hilfskräfte verdingten. Mehr als jene 90.000, die als Ingenieure, Chemiker oder Mathematiker am Arbeitsmarkt unterkamen. Auch Informatikabsolventen verdienten ihren Lebensunterhalt in höherem Ausmaß als einfache Büroangestellte denn in ihrem erlernten Beruf.

Bildung auf Pump

Freeman warnte vor einer Schuldenblase der besonderen Art, denn Leben auf Pump ist nicht nur in Sachen Konsum angesagt. Die Höhe der Bildungskredite beträgt in den USA insgesamt mehr als eine Billion Dollar. Im vergangenen Jahr waren im Land der unbegrenzten Möglichkeiten allerdings rund 1,5 Millionen und damit 53,6 Prozent der Bachelor-Absolventen unter 25 Jahren arbeitslos oder unterbeschäftigt. Schlecht auch für die Rückzahlung der ausstehenden Darlehen, denn in den USA sind Studentenkredite Standard.

Insbesondere Finanzdienstleister und Geschäftsbanken sind hier - neben den staatlichen Studienfinanzierungen - im Geschäft. Das Gute daran: Häuser kann man verlieren, seine Bildung nicht. So gesehen, wäre Bildung gar keine schlechte Alternative, sein Geld zu investieren. Aber eben nur solange die Aussicht besteht, seine Schulden zu begleichen. Und damit dürfte es in Zeiten des schwachen Jobmarktes derzeit weniger gut aussehen.

Mehr als Kreditkartenschulden

Aktuelle Zahlen lassen die Alarmglocken neuerlich schrillen. Es haben mehr Amerikaner Probleme, ihre Studentenkredite zurückzuzahlen, als ihre Kreditkartenschulden zu begleichen. Rund 956 Milliarden Dollar (736 Milliarden Euro) an Student-Loans standen Ende September aus. Elf Prozent der Kreditnehmer sind ihren Zahlungsverpflichtungen seit mindestens 90 Tagen nicht nachgekommen, gab die Zentralbank von New York bekannt.

Werden die Kredite dazugerechnet, die aus Kulanz oder anderen Gründen auf Eis liegen und vorübergehend nicht bedient werden, liegt die Verzugsrate bei 20 Prozent. Die ausstehenden Kreditkartenzahlungen fallen dagegen mit knapp 700 Milliarden Dollar geradezu bescheiden aus. Mit rund zehn Prozent Rückstand schaut es auch mit der Zahlungsmoral besser aus.

Schwerer Rucksack

Die US-Amerikaner kommt die Finanzierung ihres Studiums teuer zu stehen. Einerseits kostet eine akademische Ausbildung grundsätzlich viel Geld. Nicht selten bringt eine Familie einen Schuldenrucksack von 200.000 bis 300.000 Dollar ins Berufsleben mit. Kreditzinsen erhöhen naturgemäß die Rückzahlungssumme. In den USA fallen diese besonders hoch aus. Teilweise betragen die Zinszahlungen über sechs Prozent.

Wer sich zum Start seiner Erwerbskarriere solchen Schuldenbergen gegenüber sieht, darf sich zumindest über Trost freuen. Bildungsminister Arne Duncan tat in der "Bloomberg Businessweek" kund, was er von der Sache hält: "Keine Schulden sind vermutlich die beste Option. Aber das sind keine schlechten Schulden. Ganz im Gegenteil. Das sind sehr gute Schulden." (Regina Bruckner, derStandard.at, 11.12.2012)

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    Große Karriere nach dem Studium: Auch in den Vereinigten Staaten sieht es damit derzeit nicht allzu rosig aus.

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