Offener Brief der Grünen an ORF-Generaldirektor Wrabetz

Pausenfilm fürs Neujahrskonzert: Pröll sieht "unbezahlbare" Werbung, Grüne kritisieren Kooperation im Niederösterreich-Wahljahr

Niederösterreich von seinen besten Seiten bekommen am 1. Jänner viele Millionen TV-Konsumenten weltweit zu sehen. Österreichs größtes Bundesland steht heuer im Mittelpunkt des ORF-Pausenfilms im Rahmen des Neujahrskonzerts. Die 24-minütige Produktion "Honeymoon" von Patrick Pleisnitzer begleitet ein junges Hochzeitspaar bei ihren Flitterwochen in die schönsten Ecken des Bundeslandes. Musikalisch untermalt werden die "Szenen einer Ehe" von Mitgliedern der Wiener Philharmoniker.

Diesen Film einen "Pausenfilm" zu nennen sei beinahe despektierlich, sagte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Montag bei der Präsentation. Es handle sich viel mehr um einen aufwendig gestalteten Imagefilm, der einem weltweiten Millionenpublikum ein Fenster nach Österreich öffne und die österreichische Identität und Schönheit in die Welt hinaustrage. Gemeinsam mit Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) sei die Idee geboren worden, diesmal Niederösterreich in den Mittelpunkt zu rücken. Dieses habe sich denn auch bei den Dreharbeiten in bestem Licht präsentiert und seine herrliche Kulisse "gratis zur Verfügung gestellt", scherzte ORF-Finanzdirektor Richard Grasl. "Für uns ist es wichtig, dass wir weltweit Hochglanzqualität liefern können", meinte Grasl.

Niederösterreich zahlt 75.000 Euro

Das Land Niederösterreich hat sich mit 75.000 Euro an der Produktion beteiligt, die Gesamtkosten wollte Grasl allerdings noch nicht nennen. Pröll geht davon aus, dass "sich das Geld, das wir hier investieren, gut verzinsen wird". Er sprach von einer "unbezahlbaren Werbung" und erwartet sich von "Honeymoon" einen enormen Imagegewinn für sein Land. Niederösterreich sei als Kulisse prädestiniert, findet der Landeschef.

Kritik an der Präsenz des Bundeslandes, in dem im März 2013 Landtagswahlen stattfinden, kam unterdessen in einem offenen Brief von den Grünen. "Sollte es in den nächsten Jahren auch zu Kooperationen mit anderen Bundesländern kommen, die sich gerade im Wahlkampf befinden, haben wir dafür mit Sicherheit auch Verständnis", erklärte Mediensprecher Dieter Brosz darin ironisch formuliert. In der Aussendung erkundigte er sich zudem, ob es möglicherweise weitere Pläne für derartige Kooperationen mit anderen Bundesländern gebe.

Rundgang

"Honeymoon" führt die frisch Vermählten und damit auch die Zuschauer an die verschiedensten Orte Niederösterreichs, etwa zu einem Konzert nach Grafenegg (wo auch die Idee zu dieser Produktion geboren wurde), zum Ausbildungszentrum der Spanischen Hofreitschule am Heldenberg und zu einem barocken Kostümfest in Schloss Hof. Daneben sind niederösterreichische Landschaften von der alpinen Rax bis zum Marchfeld zu sehen. (APA/red, derStandard.at, 10.12.2012)

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