Österreich fällt bei Mathematik zurück, Verbesserung in Naturwissenschaften

11. Dezember 2012, 10:00
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Österreich auf Rang 23 in Mathematik und auf Rang 12 bei Naturwissenschaften - Ostasiatische Länder führend

Wie gut sind die Schülerinnen und Schüler der 4. Schulstufe in Mathematik und Naturwissenschaften? Diese Frage untersuchte die am Dienstag veröffentlichte Studie International Mathematics und Science Study (TIMSS). Neben dem Lesetest PIRLS wurden 2011 auch die Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften im Zuge von TIMSS in 50 Ländern erhoben.

Österreich konnte sich dabei in Naturwissenschaften gegenüber dem letzten Test 2007 leicht verbessern, erreicht aber nicht die guten Werte aus dem Jahr 1995, als Österreich das erste Mal an der internationalen Vergleichsstudie teilnahm. In Mathematik stagniert Österreich bei der aktuelle Untersuchung an Punkten, verlor aber erneut Plätze im Ländervergleich.

Mathematik: Österreich verliert sechs Plätze

In Mathematik konnte sich Österreich nach Punkten minimal verbessern und kommt in der aktuellen Studie auf 508 Punkte, 2007 waren es 505 Punkte. Dennoch verliert Österreich in dem Ranking sechs Plätze im Vergleich zur Vorgängerstudie und kommt nun auf den 23. Rang. Am besten schneidet Singapur mit 606 Punkten ab, gefolgt von Südkorea und Hongkong. Das beste europäische Ergebnis erzielte Nordirland mit 562 Punkten und Platz 6. Die Studie wurde in der 4. Schulstufe und in der 8. Schulstufe durchgeführt. Da Österreich nur Daten zur 4. Schulstufe erhob, werden hier diese Daten angeführt.

Generell sind in Mathematik ostasiatische Staaten besonders stark und belegen die ersten fünf Plätze. Von den 17 Ländern, die 1995 schon bei der Studie dabei waren, konnten seitdem zwölf Länder ihr Ergebnis verbessern, lediglich Tschechien, die Niederlande und Österreich mussten Punkte einbüßen. 1995 war Österreich mit 531 Punkten im Mathematik-Test noch im oberen Mittelfeld, 2007 reichte es mit 505 Punkten nur für Platz 17 von 36 teilnehmenden Ländern.

Leichte Verbesserung bei Naturwissenschaften

In den Naturwissenschaften kommt Österreich auf 532 Punkte und konnte sich leicht verbessern. Hier wirkte sich die Verbesserung nach Punkten auch auf die Platzierung im TIMSS-Ranking aus, Österreich rückte vom 15. auf den 12. Platz vor. Die ersten drei Plätze bei den Naturwissenschaften entfielen auf Südkorea, Singapur und - als bestes europäisches Land - Finnland. Auch hier wurden die Zahlen in der vierten Schulstufe erhoben. Im Bereich Naturwissenschaften kam Österreich 1995 auf 538 Punkte, 2007 lag Österreich bei 526 TIMMS-Punkte.

TIMSS-Ranking in Mathematik und Naturwissenschaften 

Rechenfähigkeit wirkt sich aus

Bei Mathematik zeigt sich, dass sich eine frühe Rechenfähigkeit positiv auf den weiteren Lernerfolg auswirkt. Auch eine vorschulische Ausbildung trägt zu einem international gutem Ergebnis bei. Schülerinnen und Schüler mit mindestens drei Kindergartenjahren - immerhin 43 Prozent aller international getesteten - erzielten im Durchschnitt 507 Punkte, Schülerinnen und Schüler, die keinen Kindergarten besucht hatten, kamen auf 457 Punkte.

Den größten Unterschied gibt es bei jenen Schülerinnen und Schülern, die bereits vor Einschulung einfache Rechenaufgaben lösen können. Jene international 25 Prozent, denen das "sehr gut" gelingt, kommen vier Jahre später auf 524 Punkte, jene, denen es nicht so gut gelingt (4 Prozent), nur auf 451 Punkte.

In Österreich konnten 14 Prozent Rechenaufgaben vor Schuleintritt "sehr gut" lösen, sie kamen bei der Studie auf 537 Punkte. Wie wichtig frühe Mathematikkenntnisse sind, zeigt sich auch, wenn man die Zahlen der Spitzenländer betrachtet, in denen mehr als fünfzig Prozent der Schülerinnen und Schüler einfache Rechenaufgaben mit Schulbeginn lösen konnten. In Taiwan waren das 64 Prozent, in Hongkong 63 Prozent und in Singapur 54 Prozent.

Geringe Geschlechterdifferenz

Im internationalen Durchschnitt aus allen Teilnehmerländern schneiden in Mathematik Mädchen (490 Punkte) und Buben (491 Punkte) beinahe gleich ab, in Österreich schnitten Buben mit durchschnittlich 513 Punkten besser als Mädchen ab (504). Die größten Unterschiede nach dem Geschlecht gibt es im Jemen, in Quatar, Thailand, Saudi-Arabien, Oman und Kuwait. Dort sind die Mädchen in Mathematik bedeutend besser als die Buben. Gegenüber 2007 konnten die Mädchen in Österreich ihr Ergebnis leicht verbessern (von 498 auf 504), die Buben kamen 2007 auf 512 Punkte.

In den Naturwissenschaften verhält es sich ähnlich. Hier kommen Buben in Österreich auf 538 Punkte, Mädchen auf 525 Punkte. International gesehen schneiden die Mädchen bei Naturwissenschaften mit 487 Punkten leicht besser ab als die Buben (485 Punkte).

Große Unterschiede bei Leistungsstärke

Besonders deutlich wird der Unterschied der besten Länder, wenn man sich den Prozentsatz der Schülerinnen und Schüler ansieht, die als leistungsstark eingestuft werden. In Singapur werden in Mathematik 43 Prozent der Schülerinnen und Schüler so eingestuft, in Südkorea 39 Prozent, in Hongkong 37 Prozent und in Japan 34 Prozent. Österreich schneidet hier besonders schlecht ab. Lediglich 2 Prozent der getesteten österreichischen Schülerinnen und Schüler werden als leistungsstark eingestuft. Um als leistungsstark eingestuft zu werden, muss man im Test mehr als 625 Punkte erzielen.

Bestes europäisches Ergebnis erzielte hier Nordirland mit 24 Prozent leistungsstarker Schülerinnen und Schüler in der 4. Klasse Volksschule. 2007 gehörten 3 Prozent der getesteten Schülerinnen und Schüler der leistungsstarken Gruppe an. 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler können bei der aktuellen Untersuchung lediglich der untersten Leistungsgruppe zugeordnet werden. Im internationalen Schnitt werden 4 Prozent zu den leistungsstarken gezählt, 31 Prozent erreichten die unterste Kategorie mit 400 Punkten oder schnitten darunter ab.

Bei den Naturwissenschaften ist ebenfalls Singapur das Land mit dem höchsten Prozentsatz jener Schülerinnen und Schüler, die als Leistungsstark eingestuft werden (33 Prozent). In Österreich werden immerhin 8 Prozent der getesteten Schülerinnen und Schüler in Naturwissenschaften als leistungsstark eingestuft. Im internationalen Schnitt sind es 5 Prozent. Besser liegt Österreich auch bei den schwächeren Schülerinnen und Schülern, 21 Prozent erreichen lediglich die unterste Leistungskategorie, im internationalen Schnitt sind es 28 Prozent.

Dritte Teilnahme

Die Trends in International Mathematics und Science Study (TIMSS) wird alle vier Jahre von der International Evaluation of Educational aus Boston durchgeführt, 63 Staaten nehmen daran Teil. Für die Studie werden Schülerinnen und Schüler der vierten und achten Schulstufe getestet, in Österreich nahmen rund 5.200 Volksschülerinnen und -schüler in 160 Schulen von März bis Mitte Mai 2011 teil.

Neben zwei Fragebögen zu Mathematik und Naturwissenschaften, mussten die Schülerinnen auch Angaben zu ihrer Einstellung zum Mathematik- und Sachunterricht machen (siehe auch die Beispielfragen). Insgesamt wurden für die Studie mehr als 600.000 Schülerinnen und Schüler befragt. Auch Eltern und Lehrer wurden befragt. In Österreich wurde TIMSS nach 1995 und 2007 zum dritten Mal durchgeführt. (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 10.12.2012)

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