Ängste vor der OP sind oft Hinweis auf psychische Störungen

10. Dezember 2012, 13:46
  • Hinter Sorgen und Stress wegen der 
bevorstehenden Operation können sich chronische psychische Beschwerden verbergen.
    foto: apa/dpa/simone neumann

    Hinter Sorgen und Stress wegen der bevorstehenden Operation können sich chronische psychische Beschwerden verbergen.

Oft handelt es sich nicht um vorübergehende Sorgen wegen der Operation sondern um klinisch bedeutsame psychische Störungen

Ein operativer Eingriff bedeutet für viele Menschen eine starke psychische Belastung verbunden mit hohem emotionalen Stress.

Wissenschaftler der Charité - Universitätsmedizin Berlin und des Universitätsklinikums Leipzig konnten nun zeigen, dass diese Beschwerden oftmals keine vorübergehenden Sorgen hinsichtlich der bevorstehenden Operation sind, sondern häufig Hinweise auf klinisch bedeutsame und behandlungsbedürftige psychische Störungen darstellen.

Erhöhte psychische Belastung vor der Operation

Unbehandelte Depression, Ängste und Suchterkrankungen tragen zu operativen Komplikationen sowie zu einer schlechteren Genesung nach der Operation bei. Sie führen insgesamt zu einem ungünstigeren Krankheitsverlauf bis hin zu erhöhter Mortalität. Mehr als 30 Prozent der operativen Patienten leiden unter klinisch bedeutsamer Depressivität. Diese stellt einen wesentlichen Risikofaktor für eine längere Krankenhausverweildauer dar.

Die Forschergruppe um Henning Krampe, Psychologe an der Klinik für Anästhesiologie der Charité, Claudia Spies, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie der Charité, und Elmar Brähler, Leiter der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig, hat in ihrer Untersuchung zunächst erfasst, wie viele Patienten mit einer bevorstehenden Operation an psychotherapeutischen Gesprächen interessiert waren und inwieweit dieses Interesse mit der erhöhten psychischen Belastung vor der Operation in Zusammenhang stand. Schließlich untersuchten die Wissenschaftler, ob es im Verlauf von sechs Monaten nach dem chirurgischen Eingriff zu Veränderungen der psychischen Beschwerden kam.

Depression, Ängste und Suchterkrankungen

"Es ist auffallend, wie beharrlich Depressivität, Ängste, allgemeine psychische Beschwerden und Alkoholprobleme nach einem halben Jahr bei den Patienten mit Psychotherapieinteresse erhöht bleiben" sagt Henning Krampe, Leiter des BRIA-Projektes (Brückenintervention in der Anästhesiologie) der Klinik für Anästhesiologie der Charité.

"Diese Stabilität der Belastung in den verschiedensten Bereichen psychischer Störungen legt die Schlussfolgerung nahe, dass es sich dabei nicht um vorübergehende Sorgen und Stress wegen der Operation, sondern um chronische psychische Beschwerden handelt, die eine psychotherapeutische Behandlung erforderlich machen", so Krampe.

Mit BRIA haben die Forscher des interdisziplinären Projektes ein neues Therapie-Programm entwickelt, das mit einer kurzen computergestützten Fragebogen-Untersuchung vor der Operation und einer sofortigen Rückmeldung über die Ergebnisse der Befragung beginnt.

Ziel ist, psychische Beschwerden von operativen Patienten zu erkennen, diagnostisch zu bestimmen und wirksam zu behandeln. Langfristig soll dieser Ansatz zur Steigerung der gesamten Lebensqualität und zu einer verbesserten Genesung der organmedizinischen Krankheiten der Patienten beitragen. (red, derStandard.at, 10.12.2012)

Quelle:

Die Ergebnisse der Studie, an der 1.157 operative Patienten teilgenommen hatten, sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift PLoS ONE 7(12): e51167. doi:10.1371. veröffentlicht: Kerper LF et al. Persistence of Psychological Distress in Surgical Patients with Interest in Psychotherapy: Results of a 6-Month Follow-Up.

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24 Postings

Manchmal fragt man sich schon, wenn man solche Dinge liegst. Ich hatte vor meiner Gehirntumor-OP auch Angst - ohne eine Depression zu haben. Es wird einem ja nicht jeden Tag in 15 Stunden der Schädel aufgefräst und in diesem herumgeschnipselt. Vor allem kann man sich ja auch vorher schon vorstellen wies einem nach so einem Eingriff auf der Intensivstation geht. Und ich kann sagen, dass ich im Nachhinein gesehen, ein recht realistisches Bild von den Nachwirkungen & Schmerzen hatte da ich entsprechend aufgeklärt und diese eingefordert habe. Bei solchen Dingen ist es wichtig sich banale Ziele zu setzen - ich wollte 3 Wochen nach der OP beim Geburtstag meiner Tochter zuhause auf der Terrasse sitzen. Und das hab ich auf den letzten Tag geschaff.

Die Autoren D

OP

Operationsangst = psychische Störung.
Diese Ansicht sollte bei jedem Vernichtungsangst hervorrufen. OP- Angst ist ein absolut natürlich menschlicher Reflex da alle Sinne ausfallen. All das jedoch als widernatürlich hinzustellen, würd ich meinen, dass ist krank. Das hiese letztendlich, Angst, wie begründet Diese auch ist, ist als psychisch krank anzusehen. .... schrecklich.

Der Prämediktion gleich mal ein Antidepressivum hinzufügen und alles wird gut.

Oder einfach mal eine leistbare, für jeden zugängliche Psychtherapie anbieten - da geht´s schon mal los!

warum dieses reflexartige "wer operiert wird, hat allen grund, sich zu fürchten"??? hat irgend jemand von den p.t. postern auch den text dieses artikels gelesen oder kreischen alle allein aufgrund der headline auf? wo steht denn, dass es abnormal wäre, sich vor einer op zu fürchten?

Klingt nach Werbeeinschaltung

Das Problem dabei ist folgendes:
Die sogenannte "Mittelschicht" verarmt zusehends und kann sich z.B. Psychotherapie nicht leisten.
Leute, die solche Studien erstellen sind aus einer anderen Einkommensklasse.
Zurück an den Start!

Da Menschen (und dazu zähle ich auch Ärzte) nicht perfekt sind, ist es durchaus angebracht Angst vor einem medizinischen Eingriff zu haben.

Selbst 'harmlose' Eingriffe haben eine bestimmte Komplikationsrate. Es gibt keine völlig risikolosen und garantiert erfolgreichen Operationen!

Dieser Artikel kann ja nur darauf abzielen Werbung für eine Psychiatrische Behandlung zu machen.
Und wer keine Angst vor einer OP hat der sollte vielleicht eher bei dieser "Studie" mitmachen.

ich würd eher sagen

dass es ein Zeichen für eine psychische Störung ist, wenn man keine Angst vor einer OP hat :-P

ich bin somit psychisch gestört ;-)

Ich hatte sogar eine Operation am Gehirn, hatte aber nie das Bedürfnis mit einem Psychologen darüber reden...
Vielleicht auch deshalb, weil ich mit meinen unzähligen epileptischen Anfällen an einem Tag einfach keine Lebensqualität mehr sah und diese Operation mir die Möglichkeit gab, dass ich wieder ein halbwegs normales Leben führen kann - und so kam es nun auch ;-)
lg die psychisch Gestörte

Alles klar, wenn man eine Operation nicht überlebt, ist man sozusagen selber schuld, nicht die Ärzte. Oder für was ist dieser Artikel sonst in der Aussage gut?

Selbstversuch

Warum unternehmen die Herrschaften nicht einen Selbstversuch - dann werden wir sehen!

Am besten in einem total überfüllten Bezirkskrankenhaus, wo der Primar 3x in der Woche operiert, weil er ja sonst seine Praxis am Laufen halten muss ...

schon klar,

stirbt jemand nach einer misslungenen OP wird der Fall als psychische Angststörund Ad acta gelegt.

Sorry, aber wenn ich weiss, dass mir in einer Stunde der Bauch aufgeschnitten wird und man damit rechnen muss nicht mehr aufzuwachen, darf ich doch etwas Angst haben? Die chronische Überlast der Ärzte und die Kunstfehler der letzten Jahre beruhigen mich auch nicht gerade...

Ok, aber vielleicht bin ja gestört :-)

ja, und dann wachst auf und die gesunde Niere ist weg - die tumorbefallene ist da. Möchte wissen, ob eine/r dieser StudienautorInnen schon einmal kurz vor der OP war.

Darum gehts gar nicht.
Menschen mit einer Angststörung fürchten sich nicht nur übermäßig vor einer massiv-invasiven OP, sondern auch vor Kleinigkeiten.
Also wenn du dich beim Gedanken an eine Herz-Katheder-Untersuchung jetzt fürchten würdest, darfst dir eine therapiewürdige Störung unterstellen ;)

Eine Herz-Katheder Untersuchung und die Setzung eines Stents kann durchaus ernste Komplikationen der großen Beinvene, durch welche der Katheder geschoben wurde, nach sich ziehen.

Ängste sind eher ein Zeichen des gesunden Menschenverstandes. Solange man seine Ängste im Griff hat, besteht meiner Meinung nach kein Behandlungsbedarf.

Gar nicht so einfach, oder?

Gerade wird bekannt, dass in Deutschland Operationen gemacht werden, die überhaupt nicht notwendig wären, nur bringen sie dem Spital und den Chirurgen viel Geld.

Und wer sich darüber nun Sorgen macht, ist gestört braucht intensive Behandlung :-)

Ja. Und wenn man sich übermäßig Sorgen macht, stirbt man eher an der OP. Ganz egal, wie notwendig sie gewesen ist.

Zu tode gefürchtet ist auch gestorben

Langfristig gesehen sind wir ohnehin alle tot...

bitte kein zitat ohne angabe der quelle!

Wäre Keynes nicht schon tot,hätte er sicher überlebt nicht als Urheber genannt zu werden.
Abgesehen davon hat er ja nur eine Tatsache festgestellt,die jeder Mensch zu Recht feststellen kann,daher ist es ohnehin fragwürdig ihm die alleinige Urheberschaft zuzuschreiben.

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