Goldgräber in Pflegeheimen

Martin Schriebl-Rümmele, 10. Dezember 2012, 10:45

Der Pflegebedarf steigt, doch den Kommunen als Betreibern der Heime fehlt zunehmend das Geld. Nun wollen Reinigungsfirmen und Kantinenbetreiber in dieses Marktsegment einsteigen

"Wenn der Betreiber eines Pflegeheimes solche hygienischen Mängel zu verantworten hat wie die Kursana in Villach und diese dann verniedlicht, indem er deren behördliche Beanstandung in Zweifel zieht, ergibt sich eine wesentliche Frage: Besitzt ein solcher Betreiber die vom Gesetz geforderte Verlässlichkeit zur Betreuung von pflegebedürftigen Menschen?" Mit diesen Worten begründete der zuständige Kärntner Sozialreferent Christian Ragger im Sommer die drohende Sperre des Hauses. Der Betreiber wies die Vorwürfe zurück, konnte sie entkräften, und der Landesrat zog nach einem Gespräch und einer erneuten Besichtigung die Sperre zurück. Der Fall hatte davor in Kärnten für öffentliches Aufsehen gesorgt.

Zahl der alten Menschen steigt

Kursana betreibt in Österreich drei Seniorenresidenzen in Wien, Linz und eben Villach sowie eine Privatklinik. Das Unternehmen ist Teil der deutschen Dussmann-Gruppe, ein Dienstleistungskonzern, dessen größtes Standbein das sogenannte Gebäudemanagement ist. Und darunter versteht man vor allem: Gebäudereinigung. Ein Spezialist für Hygiene also.

Kursana ist nicht das einzige Unternehmen in Österreich im Bereich der Altenbetreuung, hinter dem eine Gruppe aus dem Reinigungsbereich steht: Vor einigen Wochen übernahm die Beteiligungsfirma adcura mobile Pflege und Betreuung gemeinnützige GmbH den insolventen steirischen Pflegeheimbetreiber Humanitas mit mehreren Pflegeheimen. Beim neuen Eigentümer handelt sich um eine zur Maumo-Privatstiftung gehörende Firmengruppe, zu der auch die Blitz-Blank Reinigung-Dienstleistungsunternehmen GmbH gehört.

Die Zahl der alten Menschen wird in den kommenden Jahren stark steigen - und damit auch der Betreuungsbedarf. Waren 2010 noch 670.000 Menschen in Österreich älter als 75 Jahre, werden es 2030 bereits mehr als 1,05 Millionen sein. Gleichzeitig nehmen Erkrankungen wie Demenz und Alzheimer stark zu. Und gerade bei den Hochbetagten steigt der Betreuungsbedarf. "Wir werden in den kommenden Jahren in Österreich rund 250 neue Pflegeheime brauchen", sagt Rudolf Öhlinger, Geschäftsführer des privaten Pflegeheimbetreibers Senecura, der in Österreich bereits 51 Heime führt und damit fünf Prozent der Betten abdeckt. Dazu kommt laut seinen Angaben, dass drei Prozent der derzeit rund 850 Heime eigentlich generalsaniert werden müssten. Investitionsbedarf: 2,5 Milliarden Euro.

Sparkonzept Pflege

Doch den Kommunen als Hauptbetreiber und Verantwortliche für den Bereich geht das Geld aus. Zudem wurden in mehreren Bundesländern zuletzt die Pflegetarife nicht erhöht. Ein Ausweg: private Betreiber, denen zwar auch die öffentliche Hand die entsprechenden Pflegesätze zahlen muss, die aber - wie Öhlinger versichert - professioneller und damit günstiger arbeiten - zumindest wenn sie dafür groß genug sind. "Wir kaufen für alle Heime etwa gemeinsam Strom ein, nutzen Synergien in der Verwaltung" , sagt der Heimbetreiber.

Doch auch er hat ein großes Unternehmen im Hintergrund - wenn auch nur als Finanzier, wie er sagt: Die in der Schweiz sitzende SV-Group - ein Cateringkonzern mit einem Umsatz von mehr als 620 Millionen Franken (514 Millionen Euro). Das Unternehmen ist unter anderem spezialisiert auf die Versorgung von Schulen, Unternehmenskantinen - und Senioren- und Pflegeheime. Anfang November lud die Österreich-Tochter des Konzerns Journalisten zu einem "Praxistest und Verkostung des Speisenangebotes in Senioren- und Pflegeeinrichtungen". Das Speisenangebot in Pflegeeinrichtungen und das Fachwissen des Küchenpersonals stünden derzeit im Kreuzfeuer der Kritik, schrieb das Unternehmen. "Neben der richtigen, nährstoffoptimierten Zusammensetzung der Speisen sollte auch die Zubereitung individuellen Bedürfnissen gerecht werden. Mit speziellen Breikost- und Fingerfood-Angeboten haben wir zwei Ernährungskonzepte entwickelt, die speziell für Personen mit Kau- oder Schluckbeschwerden bzw. Menschen mit Demenz oder eingeschränkter Motorik geeignet sind", erklärte SV-Geschäftsführer Stefan Zanini.

Personalkosten drücken

"Man bekommt durch solche Entwicklungen den Eindruck, dass eigentlich jeder die Arbeit in Senioren- und Pflegeheimen machen kann, der sich mit Grundanforderungen wie Essen und Reinigung auskennt", sagt Willibald Steinkellner, stellvertretender Vorsitzender der zuständigen Dienstleistungsgewerkschaft vida. Er ortet hinter den Entwicklungen auch Versuche beim Personal zu sparen: "Die Personalkosten sind natürlich der größte Posten, und wir haben gerade bei solchen Auslagerungen immer Debatten, welcher Kollektivvertrag jetzt wirklich gilt." Der Spardruck sei ganz generell im Pflegebereich enorm, weiß er.

Er sieht im Engagement von Reinigungs- und Cateringunternehmen aber auch eine Marketingstrategie für das Kerngeschäft. Wer im Gesundheits- und Sozialbereich bestehe, könne auch in anderen Bereichen gut sein. Wie das aussieht, stellen Kursana und adcura klar: "Ob Industrie und Verwaltungsmarkt oder Sozial- und Gesundheitsmarkt - wir kennen die branchenspezifischen Anforderungen und verstehen die im Kundenunternehmen ablaufenden Prozesse", schreibt etwa Kur-sana-Eigentümer Dussmann auf seiner Website, und adcura bietet Privatpersonen deshalb neben der Heimhilfe auch Reinigungsdienste an.

Wachsender Markt

Senecura-Geschäftsführer Rudolf Öhlinger weist die Zusammenhänge dennoch zurück: "Alter und alles, was damit zu tun hat, wird künftig ein noch größerer Markt. Alle, die hier was bieten können, gehen da rein. Manche mit durchaus erfolgreichen Konzepten, andere nicht." Sein Unternehmen hat etwa in den vergangenen Jahren gleich mehrere Auszeichnungen im Pflegebereich eingeheimst. (Martin Schriebl-Rümmele, DER STANDARD, 10.12.2012)

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17 Postings
Ein Land dass Altenheime braucht,

hat familäre Strukturen, und Solidarität in der Gesellschaft erfolgreich zerstört.

Die Kinder sperren wir in den Hort bevors laufen können,
die Alten ins Sterbehaus, damits nicht zu lange Pension bekommen,
die die Arbeiten nehmen wir auch ordentlich aus, und die Arbeitslosen kommen ins Arbeitslager pardon Arbeitstraining heißt dass ja. Geht ja nicht dass Leute frei herumlaufen und Zeit haben darüber nachzudenken.

Ist doch alles gut wenns Kohle bringt - ist das Motto.

Die Personaleinsparungsthematik ist eh schon über ein Jahrzehnt alt. Erster Punkt bei der Einsparung war damals schon Hygiene, dann die Medikamenten-Ruhigetellung der Bewohner die Zuwendungsbedarf noch äussern konnten, und und und

Der Wert einer Gesellschaft drückt sich immer darin aus, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht.

Aber ich verstehe schon, wer einen Boden aufwischen kann, kann auch einen alten Menschenkörper reinigen.
Was ist der nächste Schritt? Die vorzeitige - natürlich fachgerechte - Entsorgung wegen zu geringem Profits?

Die, die diese Pläne in ihren kranken Hirnen entwickeln, sollen nicht vergessen, dass sie selbst alt und dement werden. Und das geht schneller als man es sich mit so einem dummen, verrohten Hirn vorstellen kann.

wer mit dem - menschenwürdigen - leben bis zum tod möglichst viel geld machen will...

...ist nicht besonders glaubwürdig, das dasein alter menschen in den mittelpukt zu stellen.

solch geldgierigen verwaltern der wehrlosigkeit möchte ich nicht in die hände fallen.

die würde des menschen ist unantastbar. und keine frage von quartalsergebnissen.

Könnte funktionieren, denn die Anbieter wissen, was die Leute wollen.

Nämlich zu Hause bleiben und im Kreise der Familie sterben. Und keinesfalls in einem Heim dahinvegitieren. Wer das verspricht, darf alles verlangen...

ja, die allermeisten wollen das ... und in Erkenntnis der Unmöglichkeit fügen sich nicht Wenige in das Unvermeidliche....

aber wenn die beabsichtigte qualität der reinigungsfirmen, die jetzt den einstieg in pflegeheime planen,

in eben diesen pflegeheimen der meistens und momentan reinigungsqualität entspricht, dann gute nacht, denn was da abgeht, hat mit reinigung nichts zu tun.

weiters stellt sich die frage, warum allles und jedes, im speziellen soziale einrichtungen in private hände ausgelagert werden muss. es ist klar ersichtlich, wie diese firmen denken, wenn sie von gewinnträchtigem markt sprechen.

das sind menschen und kein stück fleisch, das wie ware am markt gehandelt wird. soziale einrichtungen haben neoliberalen denkmustern nicht untergeordnet zu werden.

es ist wirklich unglaublich, dass dieser privatisierungswahnsinn, bei dem alle parteien mitmachen, immer noch kein ende findet. hauptsache der rubel rollt.

Caritas

Ich habe für einen Angehörigen eine private Personenbetreuerin engagiert, die früher bei der Caritas war. Sie hatte Zeitvorgaben pro Mensch, um den sie sich zu kümmern hatte. Wenn die Zeit um war, musste sie zum Nächsten, auch wenn der andere noch Hilfe brauchte. Da sie dauernd Ärger mit ihrem Chef deswegen hatte, machte sie sich selbständig. Auch arg, oder?

Die Zeitvorgabe pro Patient kenne ich auch. Dadurch soll natürlich wieder Personal eingespart werden. Wenn man zu langsam ist, wird man halt ersetzt durch jemanden der schneller arbeitet. An die Patienten wird dabei eher weniger gedacht :(

Wieso nur Privatanbieter Synergieeffekte nutzen können und professionelle Pflege anbieten können, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

Die öffentliche Hand ist doch wesentlich größer als jeder Privatanbieter und die Professionalität der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist ja wohl vom Ausbildungsstand abhängig.

Wenn eine Dienstleistung angeboten und damit Geld verdient wird, ist es unlogisch zu glauben diese Dienstleistung ist günstiger wenn die Gewinne abgeschöpft und weltweit verteilt werden.

Das ganze Alten"Pflege System"

ist nur mehr reine ABZOCKE von kranke und alte Menschen, und eine brutalo Lohndömping/Ausbeutung von verzweifelte Arbeitsuchenden aus Osten, welchen ohne Bildung plöztlich "PflegerInnen" werden!!!

Die riesen Gewinne einstreifen die diverse Privatiers "Betreiber", AG-s und dergleichen ...Das gesamte System ist eine RIESEN SAUEREI das Maffia dergleichen!

Ich werde mich bestimmt NIE von solche "Pflegeinstitut" pflegen lassen...habe schon mit meine Kinder/engsten Angehörigen vereint, was zu tun ist, und wie wird es finanziert..wenn ich einmal nicht mehr kann....

ich hab ja noch ein bissi zeit

mit 60 kann ich mich noch in ruhe umschauen, ich werd wohl einen kantinenbetreiber mit einer ordentlichen getränkekarte aussuchen, andernfalls wirds in diesem marktsegment nur sehr schwer auszuhalten sein...

Jetzt müssen die ganz schamlosen Kapitalisten ran...

die Menschenwürde und der Schaden am Gemeinwohl lassen sich ja leider nicht in Geld ausdrücken - bzw. werden von der Bevölkerung nicht lautstark eingefordert.

Für jeden Schas braucht man in Österreich einen Meisterbrif und eine Gewerbeberechtigung - aber Altenpflege darf der Putztrupp übernehmen! Ein Skandal!

Das ganze "Pflegereform"

mit Schüssel und Co begonnen...Hundsdorfer und Co gaben noch eine Schaufel drauf...das diese Abzock/Ausbeutungsmaschienerie gut geschmiert läuft....

der mitn mascherl hat ja für seine mutter selbst ne ausländische pflegerin schwarz arbeiten lassen

Die Konsequenzen...

... sehen dann wie in Deutschland folgendermaßen aus:

15% Rendite auf Kosten der Patienten – ein Irrweg der Privatisierung
http://www.nachdenkseiten.de/?p=8797

Die Privatisierungswelle im Krankenhaussektor nimmt erneut Fahrt auf
http://www.nachdenkseiten.de/?p=13090

tja, wer die versorgung der gesellschaft, und damit das gemeinwohl, profitorientierten heuschrecken überläßt braucht sich über kostensteigerung mit gleichzeitigen qualitätsverlust nicht zu wundern - viel erstaunlicher ist, daß das manche offenbar noch immer nicht kapieren, und noch immer glauben, bzw. sich von politdarstellern und medien einreden lassen, privatisierungen, speziell in diesen bereichen, wären was positives

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