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Advent - die Ankunft des Herrn - ist eine gute Zeit dafür, sich anzuschauen, wie Gott bei den Menschen ankommt. Auch in anderen Religionen. Der ehemalige Ottakringer Imam Mouhanad Khorchide liefert dazu einen guten Beitrag. Khorchide ist jener Islamgelehrte, der mit seiner Doktorarbeit ein erschreckend hohes Maß an Demokratieskepsis bei Islamlehrern in Österreich aufzeigte (ein Fünftel hält Islam und Demokratie für unvereinbar) und damit Reformen bei der Lehrerausbildung anstieß. Derzeit lehrt er als Professor für islamische Religionspädagogik in Münster. Nun legte er das auch für Nichtfachleute gut lesbare Büchlein "Islam ist Barmherzigkeit" vor. Churchwatch empfiehlt es gerne als Weihnachtslektüre, aber auch zum Verschenken.
Es ist ja spannend, wie Christen am Stammtisch gerne die Nase über den blutrünstigen Koran rümpfen, ohne zu bedenken, dass die eigenen Heiligen Schriften kein geringeres Ausmaß an Brutalität aufweisen. Erfreulicherweise werden die Bücher des Mose heute humanistisch anders gelesen und gelebt als von unseren Vorfahren. Christen und Juden steinigen bei jenen Delikten nicht mehr, wo es die Thora anordnet.
Mit einer "historischen Kontextualisierung des Koran" arbeitet Khorchide heraus, dass Gott im Heiligen Buch des Islam durchgängig für Barmherzigkeit steht; dass der Islam den Menschen aus sozialen Nöten heraus- und zur Freiheit hinführen will.
In diesem Sinn gilt: "Der Mensch, der die Einladung Gottes zu Liebe und Barmherzigkeit annimmt und bereit ist, ein Medium zur Verwirklichung göttlicher Intention zu sein, ist ein Muslim." Das hat Anklänge an Karl Rahners Begriff vom anonymen Christentum. Vielmehr noch einen Gleichklang mit David Steindl-Rasts Verständnis von Katholizität: "Richtig verstanden ist katholisch nicht das Markenzeichen einer bestimmten Gruppe von Christen (...), sondern bezeichnet die Gemeinschaft aller, die mit dem uns Menschen angeborenen Ur-Glauben dem Leben vertrauen." (Es empfiehlt sich, sein Büchlein "Credo" gleich parallel zu lesen beziehungsweise im Doppelpack dazuzuschenken.) Der eine kann als ein katholischer Muslim, der andere als ein muslimischer Katholik bezeichnet werden.
Die Lektüre macht eines sehr rasch deutlich: Die aufgeklärten Pole verschiedener Religionen sind einander näher als dem fundamentalistischen Gegenüber innerhalb der eigenen Glaubensgemeinschaft. Die Fundamentalisten aller Religionen können ihrerseits als "Geschwister im Geiste" bezeichnet werden.
Khorchide tritt für eine "Theologie der Barmherzigkeit als Alternative zu einer (...) Theologie des Gehorsams und der Angst" ein. Seine Fundamentalismuskritik ist für christliche Ohren nicht unbekannt:
"Die Botschaft Muhammads und der ersten Kalifen war eine Botschaft der geistigen, sozialen und politischen Befreiung. Aber schon nach 40 Jahren verwandelte sich das Kalifat in eine Art Monarchie und verlangte unbedingten Gehorsam." War die Entwicklung im Christentum inhaltlich anders? Und: "Fundamentalisten (...) sind ein Paradebeispiel dafür, wie der Mensch sein Menschsein im Namen der Religion verliert." Kommt uns Christen das bekannt vor?
Weitere Diagnose: "Menschen, die dieses Bild von Gott als Richtergott haben, führen sich interessanterweise selbst wie Richter auf." Oder: "Heute erleben wir eine Umkehrung der Prioritäten: Die Äußerlichkeiten stehen heute an oberster Stelle, die eigentliche Botschaft ist vergessen." Khorchides zentrale Sorge: "Eine Theologie, die Menschen zu unmündigen Wesen erklärt, ist im Sinne diktatorischer Regime."
Diese fundamentalismuskritischen Sätze kann man 1:1 einpacken und nach Rom schicken. Dort herrscht ja der Grundsatz der Unfehlbarkeit der religiösen Führer - wie bei den Schiiten.
PS: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Verantwortung der Päpste und des Vatikans am internationalen Missbrauchsskandal geklärt werden muss. Der derzeitige Papst hat bisher lediglich zur Schuld einzelner Priester und Bischöfe Stellung genommen. Zu den Vorgängen innerhalb der vatikanischen Mauern fand er kein Wort. Benedikts beharrliches Schweigen dazu macht ihn als Papst unglaubwürdig.
PPS: Churchwatch wünscht frohe Festtage und einen guten Jahreswechsel. Den nächsten Blog gibt es am 7. Jänner.
Wolfgang Bergmann, Magister der Theologie (kath.), 1988-1996 Pressesprecher der Caritas, 1996-1999 Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom. Seit 2000 Geschäftsführer DER STANDARD. 2010 erschien sein Romanerstling "Die kleinere Sünde" (Czernin Verlag) zum Thema Missbrauch in der Kirche.
Den einst modernen Theologen Joseph Ratzinger hat an der entscheidenden Stelle der Mut verlassen
258.300 Euro sollten eigentlich für den Unterhalt eines Bischofs ausreichen
Der Koran selbst läässt keine Auslegung zu, selbst Übbersetzungen aus dem arabischen werden kritisch gesehen. Das ist auch gut so, denn der unverfälschte Koran zeigt welch Geistes Kind die Gläubigen dadurch werden müssen! Surenweise wird gegen Andersgläubige gehetzt - sowas lässt sich nicht umdeuten! Wie fundamental anders sind da andere Religionen!
... am besten, der Herr Autor dieses Artikels fragt einmal bei jenen Christen nach, die das famose Glück haben, in islamischen Ländern zu leben und ihrer Religion nachgehen wollen....
is ja schon gut....die katholiken sind die wahren menschenfreunde...haben wir ja alle verstanden.... von mir aus können sich diese religionen alle zusammen zum katholischen teufel scheren: bringen nur tod und zwietracht, sonst nix und millionen von religiöser gewalt getöteten beweisen dies tag für tag: ketzer, juden, hexen, wissenschaftler....na rom, wie lebt man mit dem wissen unschuldige menschen dahingemetzelt zu haben???
Mohammed hat den Arabern den Gott Jahwe, den Gott Moses´ und Abrahams und Jesus´gebracht. Es ist also eine jüdische Sekte. Im Koran selbst wird praktisch die Bibel verkürzt und schlecht nacherzählt. Der Koran strotz natürlich von Gewalt, das Evangelium nicht. Der Autor sollte sich mal Bibel und Koran zulegen - um € 20.- kann er die Wahrheit über diese Bücher selbst lesen und braucht nix abzuschreiben.
solche Terroranschläge weltweit durchführen würden, wie das die Islamisten tun und zwar im Namen ihrer Religion. Das ist der diametrale Unterschied zwischen den zwei Religionen. Und das sollte man auf keinen Fall relativieren. Das ist der Grund des Problems.
da muss ich widersprechen - die usa zb haben ein problem mit inländischen terroristen, die im namen ihres fundamentalistischen glaubens kliniken sprengen und ärzte ermorden. darüber wird eher weniger berichtet, vielleicht auch, weil sich deren religion nicht allzusehr von der vieler politiker unterscheidet (man nehme nur den gouverneur von florida als beispiel).
freilich, sowas ghört sich nicht und ist striktest abzulehenen.
Ich fürchte nur, dass zwischen den paar Terrorfundis in den USA und den xfachen Brennpunkten rund um die Welt mit is*amischem Terror allein schon ein quantitativer Unterschied zur xten Potenz besteht.
Die Ursprünge des Islam liegen im Vorderasiatischen Mondkult (bei dem auch die Göttin der Sonne und ihre drei Töchter eine Rolle spielten) und haben mit dem Christentum nicht viel zu tun.
Bei Abrahamitischen Religionen gibt es Überschneidungen was allerdings nicht überraschend ist, da die Ursprünge im gleichen geographischen Gebiet liegen.
Juden und Christen in einen Topf zu werfen finde ich eigenartig, weil Juden immer noch auf ihren Erlöser warten und Christen diesen in Jesus Christus bereits gefunden haben.
Ansonsten sind akademische Betrachtungen wichtig, wirken sich aber meist nicht auf die einfacher gestrickten Anhänger diverser Überzeugungen aus - leider.
andere historische Interpretationen. Die scharfe Abgrenzung zwischen Islam und Christentum in der Frühphase ist eine nachträgliche Interpretation. Christliche Spanier nahmen die ersten arabischen Invasoren ursprünglich eher als komische Ketzer innerhalb des Christentums wahr als als eigenständige Religion. Und die Muslime waren sich auch nicht so ganz sicher, ob sie jetzt einer eigenen Religion angehören oder nicht. Die Grenze kam erst nachher und das spricht für eine große Nähe beider Religionen.
Der Islam hatte im Mittelalter in Europa größten Einfluss, weil er vor allem in Bereichen der Wissenschaft weit voraus war. Über weite Strecken gab es auch Koexistenz der Religionen, deren damalige Institutionalisierungsform, bzw. fehlende oder noch-nicht-institutionalisierung für heutiges Denken kaum nachvollziehbar ist.
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