Israel in Palästina: Großes Leid auf beiden Seiten

Gastkommentar | Susi Anderle
10. Dezember 2012, 10:25

Eine Replik auf "Befreit Gaza - von der Hamas!"

Bevor die Welt in "Shoahüberlebende und ihre Nachkommen auf der einen Seite und eine antisemitische, misogyne und schwulenhassende Mörderbande auf der anderen Seite" aufgeteilt war, wie Stephan Grigat zuletzt in einem Kommentar der anderen unter dem Titel "Befreit Gaza - von der Hamas!" schrieb, gab es einen realen Konflikt um ein Land, auch wenn Grigat das nicht für möglich halten sollte. Menschen, die in einer bestimmten Region leben und arbeiten, und Menschen, die in diese Region fliehen, weil ihnen woanders das Leben verwehrt, ihnen nach dem Leben getrachtet wird. Woanders, das ist hier, in Österreich und Deutschland hauptsächlich. Die Palästinenser haben damit nichts zu tun, sie haben keine Schuld daran und tragen sie doch seit nunmehr 70 Jahren und mehr auf ihren Schultern.

Und sie haben alles versucht, um auf ihre missliche Lage aufmerksam zu machen, sich zu wehren gegen die Enteignung ihres Landes, die Verdrängung von ihrem Boden, gegen die völlige Vereinnahmung ihres Lebens. Selbst bei absolut gewaltfreien Demonstrationen, wie sie wöchentlich und monatelang etwa in dem Dorf Beilin stattfanden (die immerhin zu einer gerichtlich befohlenen Änderung des Mauerbaus um ein paar Meter führten, um die Olivenhaine des Dorfes herum), gab es Verletzte durch massiven Einsatz von Tränengas und auch Tote (dazu gab es bei der Viennale den erschütternden Dokumentarfilm "5 Broken Cameras").

Ob Hamas eine gute politische Vertretung für die Palästinenser ist oder nicht, sollten diese unter möglichst demokratischen, also angstfreien Bedingungen selbst entscheiden können. Die Etikettierung als Terrororganisation durch die US-Regierung und dann auch die EU hat diese demokratische Entscheidungsmöglichkeit sicher nicht erleichtert. Was heißt schon "Terrororganisation" - wenn man letztlich zu den Siegern gehört. Den früheren israelischen Regierungsmitgliedern Shamir und Begin wäre es nie in den Sinn gekommen, ihre Zugehörigkeit zu den "Stern-Brigaden" zu bestreiten - es ging ja um die "richtige Sache" und es war erfolgreich, der Staat Israel wurde gegründet.

Für einen Staat Palästina hingegen stehen die Chancen nach wie vor schlecht, aber ein weiterer Krieg gegen Gaza macht die Chancen für einen in der Region akzeptierten Staat Israel auch nicht viel besser. Wen der "Preis großen Leids auf beiden Seiten" (Uri Avneri) nicht unberührt lässt, der kann nur wünschen, dass weder die aktuelle israelische Regierung noch Hamas die Geschicke ihrer Bevölkerung weiterhin bestimmen.

Aber wir können es uns nicht aussuchen. Wir können unsere eigenen Regierungen auffordern, sich für einen gerechten Frieden im Nahen Osten einzusetzen, für eine Zukunft, in der Palästinenser und Israelis die Chance bekommen, gleichberechtigt - also mit gleichen Rechten ausgestattet - leben zu können. (Susi Anderle, derStandard.at, 10.12.2012)

Susi Anderle ist lanjährige Aktivistin im "Committee for Social and Medical Relief for Palestinians".

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Und - ergänzend - ein Nachsatz zur selektiven Wahrnehmung der Autorin...

Ist außer mir noch jemandem die Formulierung von Fr.Anderle aufgefallen: "Und sie haben alles versucht, um auf ihre missliche Lage aufmerksam zu machen..."

Ja, das kann ich nur bestätigen:

Wegen diesen "Versuchen" stehen auf der ganzen Welt vor allen Synagogen, jüdischen Schulen und Kindergärten usw. schwer bewaffnete Polizisten.

Wegen diesen "Versuchen" gibt es die Sicherheitsmaßnahmen auf Flughäfen, Bahnhöfen, usw.

Bei diesen Versuchen sind in Wien vor der Synagoge drei Menschen ermordet worden, am Flughafen Schwechat ebenfalls drei.

Die Liste der anderen Versuche ist zu lange - wenn ich alle Anschläge und ihre Opfer aufzählen wollte, benötigte ich Stunden...

Es sind nicht alle Araber Terroristen, aber viele Terroristen sind Araber.

" Es sind nicht alle Araber Terroristen, aber viele Terroristen sind Araber."

Und Ihre Schlußfolgerung daraus lautet?

Frau Anderle, danke für den link zu Stephan Grigats Beitrag!

Und für die treffende Wiedergabe arabischen Denkens: "Die Anderen sind an meiner Misere schuld - ich niemals nicht."

Diese apodiktische Reinwaschung der Araber von aller Schuld am Holocaust ist peinlich...

Und im E-Standard sollte mMn so ein Artikel nicht unkommentiert veröffentlicht werden.

Hier sind vorsätzlich grundlegende, historisch völlig unumstrittene Tatsachen verschwiegen worden, um ein Lügengebäude aufzubauen.

Warum nicht bei der Wahrheit bleiben? Die Formulierung, "die Palästinenser haben damit nichts zu tun, haben keine Schuld daran" ist simpel und einfach eine bewußte Lüge.

Die haben mit den Nazis kollaboriert, und el Husseini hat persönlich Juden ins Gas schicken lassen. Das ist "keine Schuld haben"?

Die Hamas ist eine Terror-Organisation - pur und simpel. Da gibt es nichts zu deuteln, nichts zu interpretieren. Wer auch nur implizit versucht, das zu relativieren, solidarisiert sich mit genozidalen Mördern.

peinlich ist allerhöchstens Ihr Posting

1. "Warum nicht bei der Wahrheit bleiben? Die Formulierung, "die Palästinenser haben damit nichts zu tun, haben keine Schuld daran" ist simpel und einfach eine bewußte Lüge. "

Ich denke damals gab es noch gar keine Palästinenser?

2. Wie können die dann mit den Nazis kollaboriert haben?

3. Zur Kollaboration.
Da gab es auch andere, aus allen Religionen.

4. Was genau hat die Hamas mit dem Holocaust oder den Nazis zu tun?

Sie ziehen Parallelen wo es keine gibt.

Auch ihr Leseverständnis lässt sich möglicherweise verbessern...

@V(W)
Für Österreich: Ergo Austria - Bundesverband der ErgotherapeutInnen Österreichs
www.ergoaustria.at/

ad 1) Ihre Formulierung "Ich denke..." ist Prahlerei - nein, genau das tun sie nicht.

ad 2) Das müssen sie die fragen, geschichtlich ist es unbestritten.

ad 3) Was hat Kollaboration mit Religion zu tun? In meinem Text steht kein Wort zum Thema Religion. Das scheint ihnen aber ein wichtiges Thema zu sein. Das ist aber auch nur ihres...

ad 4) Unter anderem den totalitären Machtanspruch und das unbedingte Ziel, alle Juden weltweit auszurotten - mir ist das nicht nur mehr als genug, mir ist das viel zu viel. Sie stört das ja offenbar nicht - mich schon.

Im Übrigen habe ich nicht getextet, die Hamas habe etwas mit dem Holocaust zu tun.

also der Reihe nach

1. Gab es damals nun Palästinenser oder nicht?
Falls nicht:

2. wie können die mit den Nazis kollaboriert haben?

3. Sie schrieben "die haben mit den Nazis kollaboriert..."
Nur die? Keine anderen?

4. Einen totalitären Machtanspruch haben auch andere, das ist keine Besonderheit der Hamas oder der Nazis. Mehr fällt Ihnen also dazu nicht ein?

Gut, nehme ich einfach mal zur Kenntnis.

"Menschen, die in einer bestimmten Region leben und arbeiten, und Menschen, die in diese Region fliehen, weil ihnen woanders das Leben verwehrt, ihnen nach dem Leben getrachtet wird."

Die erste Gruppe von Menschen sind Palästinenser, und die zweite Juden? Soll das heißen, dass es in den Jahren und Jahrzehnten vor 1945 keine Juden gab im heutigen Israel/Palästina? Falls ja, es gab sie und nicht wenige.

Welche Juden meinen Sie,

die Ethnischen Juden verschiedener Glaubensrichtungen, oder die Anhänger des Jüdischen Glaubens - welche nicht unbedingt Rassig "Rein" sind?

"Rassig rein" ist sowieso niemand. Entscheidend ist, dass diese Menschen sich selbst als Juden gesehen haben und von anderen als Juden gesehen wurden.

Wenn eine Gruppe von Juden, einer anderen das Judentum abspricht, bricht Ihre Logik in sich ein.

Was wollen sie eigentlich? Nachweisen, dass soundsoviele Juden eigentlich keine Juden sind? Was soll das bringen?

Es gibt keine objektiven Kriterien, festzustellen, wer einem bestimmten Volk angehört und wer nicht.

Lesen Sie mal folgenden Artikel, der erklärt sehr schön, warum der ganze Ansatz Unfug ist: http://www.achgut.com/dadgdx/in... sgerichts/

Vielleicht hab ich ja unrecht, aber:

Die heutigen Palästinenser sind möglicher Weise Nachkommen jener Juden, die sich nicht in die Diaspora haben vertreiben lassen - bis auf die aus Gaza, glaub ich, das waren wohl einmal Samariter...

Wenn allerdings genug Menschen auf beiden Seiten verstehen, dass es nur eine gewaltfreie Lösung geben kann, wenn sie Bestand haben soll, sind vielleicht gemeinsamen Aktionen auf beiden Seiten der Grenze die Türen geöffnet.

Und wenn keine Zweistaatenlösung geht, geht vielleicht eine gemeinsame Lösung? Fordern könnten sie alle im Territorium lebenden, die einfach die Nase voll haben vom Krieg.

Naja, nicht dass ich glaub, dass es so passieren wird...

Multikulti

Eher ein Mix aus Juden, Griechen, Arabern,...

Multikulti halt :)

Völlig absurde Diskussion

Sind die heutigen Österreicher die Nachkommen der Kelten, Germanen, Slawen, Römer, Vaskonen?

Weder lassen sich solche Zusammenhänge beweisen, noch lassen sich aus ihnen irgendwelche sinnvollen Schlüsse für heutige politische Diskussionen ziehen.

Naja, ich meine, man könnte auf "völkische Reinheit" verzichten,

angesichts der Tatsache, dass wir alle ziemliche Gemische sind...

... damit wären wir ziemlich gleich, genetisch, emotional und von den Voraussetzungen her...

...in dieser Ähnlichkeit könnte die Voraussetzung für gemeinsame Interessen und damit friedliches Zusammenleben liegen...

Wir müssten nur anerkennen, dass wir diesseits und jenseits von Grenzen alle gleiche Interessen haben.

aha, die araber sind eigentlich die wahren juden?

gehns da jetzt nicht ein bisschen mit dem schmäh der "blauen" hobby-genealogen hausieren?

und ich dachte immer, seit arafat bestehen die araber dieser region darauf, nachkommen der helenistischen seefahrer - der philister - zu sein :-)
die philister waren es im übrigen, die den gaza und den küstenstreifen israels besiedelten (zb askalon, aschdod)

samaria und judäa bilden das heutige west-jordan-land...

Vor den Philistern gab's die Kanaaniter....

und Ägypter und Perser haben in den 1200 Jahren vor Christus auch noch mitgemischt

Unde die Samariter

sind ja dann wohl auch keine Juden?

Das Jüdische Volk hat eine sehr lange Tradition, bei der Rückkehr aus der Diaspora, diejenigen, welche nicht Hals über Kopf geflüchtet sind, als nicht-Juden Ausgrenzen.

Nur weil die meisten Einwohner des Levantes nach der Rückkehr der (oftmals Blonden und Blauäugigen !!!!) Juden aus der Diaspora, sich nicht mehr zum Judentum bekannten, wurden sie als nicht-Juden ausgegrenzt.

Das heißt aber noch lange nicht dass es sich um Ethnische Araber (Beduinen) handelt.

ich glaube sie missverstehen mein posting - lesen sie bitte noch einmal genau...

die samariter sind keine juden. sie haben aber mit den juden gemein, dass sie israeliten sind (aus den 12 stämmen)

ja, die araber sind keine israeliten, sondern nachkommen ismaels - und wie sich richtig andeuten - eben keine juden, philister, samariter o.ä.

alles klar?

Cool!

Sie glauben, dass es vor Ismael keine Besiedelung der arabischen Halbinsel gegeben hat?

Und die Araber, mögen, Biblischer Legenden nach, die nachkommen Ismaels sein. Die Palästinenser, aber, sind keineswegs alle Ethnische Araber.

Dass dieses Bild von Ihnen so vermittelt wird, kann man der Definition der Arabischen Liga verdanken, welche Arabisch sprechende, und Islamisierte Völker als Araber bezeichnet.

Dazu gehören ebenfalls die Ägypter und die Libyer, welche keineswegs Araber sind - auch nicht in Ihrem eigenem Selbstvertändniss.

Mag sein dass ich mich da irre, aber im Selbstverständnis der Samariter, ist deren glaube das Pure Judentum, unverwässert von Babylonischen Einflüssen.

Das die Samariter - welche nicht ins Exil flohen - von anderen Juden, nicht als solche anerkannt werden ist eine ziemliche Ironie!

Das wäre wie wenn die Katholische Kirche behaupten würde ihre Anhänger wären die einzig wahren Christen ... Moment mal ... Ach vergessen sie es ;)

Ich weiß nicht, ich weiß nicht, ob das den Arabern gefällt: als Nachkommen der Hellenen und Juden bezeichnet zu werden...

ICH rede von Leuten, die auf dem Gebiet des heutigen Palästina siedeln, und deren Familien wahrscheinlich schon lange vor dem osmanischen Reich da waren

Und ja, ich habe mich geirrt, die Samariter lebten - und leben - nicht in Gaza, sondern im nördlichen Teil des Westjordanlandes: http://de.wikipedia.org/wiki/Samarien . Aber das wissen Sie wahrscheinlich

Nur: so einfach ist das nicht mit Gaza: Philister, Kanaaniter, Griechen Perser, Ägypter, Israeliten, Römer, Araber, Europäer, alles, was Interesse an der Gegend hatte, ist dagewesen und hat dort gesiedelt und sich wohl auch vermehrt - von daher ist es wohl schwer, eine so einfache Genealogie zu erstellen: Palästinenser = Nachkommen der Philiste

Mein christlich-palästinensischer Hausbesitzer in Amman erklärte mir, dass die meisten christlichen Einwohner in Palästina "reformierte Juden" wären, also Juden, die zum Christentum konvertierten. Ob das stimmt, kann ich natürlich nicht sagen. Jedenfalls hatte er offenbar kein Problem mit einer jüdischen Abstammung.

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