Erhebliche bis große Lawinengefahr in Tirol und Vorarlberg

10. Dezember 2012, 09:36
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48 Zentimeter Neuschnee in Bregenz - Zahlreiche Unfälle auf den Straßen - Noch mehr Schnee zu erwarten

Innsbruck - Nach bis zu 30 Zentimetern Neuschnee und Wind ist in Tirol und Vorarlberg die Lawinengefahr am Montag deutlich angestiegen. Auf der fünfteiligen Gefahrenskala wurde in Vorarlberg der Wert "4", in Tirol der Wert "3" erreicht.

Gefahrenstellen lagen in Tirol an Triebschneehängen aller Hangrichtungen, bevorzugt oberhalb etwa 2.000 Metern, warnten die Experten des Landes, die "verbreitet erhebliche Lawinengefahr" orteten. Vor allem frische Triebschneepakete könnten schon durch geringe Zusatzbelastung, also schon durch einen einzelnen Wintersportler, ausgelöst werden. Skitouren und Variantenfahrten erforderten Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr. Das Erkennen der Gefahrenstellen wurde durch die schlechten Sichtverhältnisse zusätzlich erschwert.

48 Zentimeter Neuschnee in Bregenz

In Vorarlberg große Lawinengefahr lagen in der Früh 48 Zentimeter Neuschnee in Bregenz, so viel wie noch nie an einem 11. Dezember, hieß es beim ZAMG Wetterdienst Bregenz. Allein in der Nacht kamen in Warth (Bregenzerwald) 40 Zentimeter Neuschnee dazu, in Bregenz waren es zehn Zentimeter. Die Skigebiete etwa am Arlberg vermeldeten Schneehöhen von über einem Meter.

Auf den Straßen kam man nur in sehr langsamem Tempo voran, immer wieder blieben Schwerfahrzeuge hängen. In der Früh ereigneten sich mehrere Unfälle, die laut Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL) aber ohne Schwerverletzte ausgingen.

In Lustenau drohte nach einem Unfall ein Lkw in einen Graben zu stürzen, was die Feuerwehr aber verhindern konnte. Auf höher gelegenen Straßen bestand Kettenpflicht für Schwerfahrzeuge, der Arlbergpass war auch für Pkw nur mit Schneeketten zu passieren. in Chaos blieb aber aus, hieß es bei der  (RFL).

Dementsprechend stieg aber auch die Lawinengefahr von "erheblich" auf "groß" an. Gefahrenstellen lagen nach Angaben der Landeswarnzentrale insbesondere oberhalb von 1.800 Meter. Schneebretter konnten bereits von einzelnen Wintersportlern ausgelöst werden, fallweise waren auch Spontanabgänge von mittleren bis großen Lawinen möglich.

Unfälle auf Oberösterreichs Straßen

Im Jeging im Bezirk Braunau am Inn geriet ein 39-jähriger Lkw-Fahrer Montagnachmittag auf der Mattseer Landesstraße mit seinem Sattelzug auf der Schneefahrbahn ins Rutschen und stieß gegen ein Brückengeländer und die Leitplanke. Der Anhänger kam zum Stehen, die Fahrerkabine hing aber über eine Böschung. Der Tank des Schwerfahrzeuges wurde abgerissen und bis zu 100 Liter Dieseltreibstoff gelangten in den Boden. Die Feuerwehr musste rund 13 Kubikmeter kontaminiertes Erdreich abtragen und mit einem Kran den Sattelschlepper bergen. Der Lenker blieb bei dem Unfall unverletzt.

Umstürzende Bäume haben Montagabend in Oberösterreich ein Auto mit zwei Frauen auf der Fahrt zwischen Vöcklabruck und Ungenach nur knapp verfehlt. Die drei Bäume fielen unter der Last des Neuschnees um und landeten auf der Motorhaube des Wagens, in dem die 18-jährige Lenkerin und ihre 20-jährige Beifahrerin saßen. Die beiden jungen Frauen wurden leicht verletzt, ihr Pkw war danach ein Totalschaden, berichtete die Polizeipressestelle Oberösterreich. Die Freiwillige Feuerwehr der Bezirksstadt entfernte die Bäume mittels Kettensäge und einem Lkw-Kran. Die Straße wurde danach für den Verkehr gesperrt, weil die Gefahr bestand, dass weitere umstürzen könnten.

Neuschnee in Niederösterreich

Im Waldviertel und im Alpenvorland muss teils mit Schneefahrbahnen gerechnet werden. Die erforderlichen Räum- und Streueinsätze sind jeweils im Gang.

Aus dem Waldviertel wurden bis zu 15 Zentimeter Neuschnee gemeldet, aus dem Industrieviertel bis zu sechs, aus dem Weinviertel bis zu fünf Zentimeter. Die Temperaturen bewegten sich Dienstagmorgen zwischen minus fünf Grad etwa in Gloggnitz und plus zwei Grad in Laa an der Thaya, Baden oder Persenbeug.

In einigen Regionen - insbesondere im Raum Blindenmarkt, Gaming, Haag, St. Peter in der Au, Groß Gerungs, Ottenschlag, Pöggstall oder auch Weitra - kann es abschnittsweise zu leichten Schneeverwehungen kommen. Den meisten Neuschnee gibt es aktuell wieder im Mostviertel. In Lilienfeld und Gaming etwa wurden zuletzt bis zu 25 Zentimeter gemessen.

Kettenpflicht besteht in Niederösterreich für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen auf der B 18 über den Gerichtsberg, der B 20 über Annaberg und Josefsberg, der B 21 über Rohrerberg, Ochsattel und das Gscheid, der B 23 über den Lahnsattel, der B 71 über den Zellerain und auf der L 5217 von Kirchberg bis Lilienfeld. Für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen besteht Kettenpflicht auch auf der L 175 von Trattenbach bis zur Landesgrenze.

Noch mehr Schnee zu erwarten

Den meisten Neuschnee gab es im Raum Arlberg/Außerfern, der Silvretta, entlang der Nordalpen sowie im Nordtiroler Unterland mit bis zu 30 Zentimetern. Entlang des Alpenhauptkammes und des Tauernkammes sowie inneralpin waren es zehn bis 20 Zentimeter, im Süden Osttirols gab es nur Spuren von Neuschnee.

Die Meteorologen der ZAMG-Wetterdienststelle Innsbruck kündigten weiteren Neuschnee an. Erst für Mittwoch war eine Wetterberuhigung zu erwarten. (APA, 10.12.2012)

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