Fataler Scherzanruf in Kates Klinik: Moderatoren äußern sich

10. Dezember 2012, 06:41
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Australischer Sender geht in Offensive

London/Canberra - In der Kontroverse um den Scherzanruf einer australischen Radiostation bei jenem Londoner Krankenhaus, in dem die schwangere Herzogin Kate behandelt wurde, wollen sich die scharf kritisierten Moderatoren ausführlich äußern.

Mel Greig und Michael Christian hätten ein emotionales Interview gegeben, das am Montagabend ausgestrahlt wird, teilte der australische Fernsehsender Channel 9 mit. Die beiden bekämen dafür kein Honorar, twitterte Interviewerin Tracy Grimshaw. 

"War sie Mutter?"

Die Krankenschwester, die den Anruf der beiden annahm, hatte gedacht, die Queen sei am Telefon, und den Anruf zu der Station durchgestellt, wo Prinz Williams schwangere Frau behandelt wurde. Die 46-jährige Krankenschwester, Mutter zweier Kinder, wurde am Freitag tot in ihrer Wohnung gefunden. Die Presse geht davon aus, dass sie sich wegen des Fehlers das Leben nahm.

Im Gespräch mit dem australischen Sender äußert sich die in Tränen aufgelöste Moderatorin Greig: "Ich kann nicht aufhören, daran zu denken. Meine erste Frage war: 'War sie Mutter?'". An anderer Stelle sagt Greig, sie denke laufend an die Familie der Verstorbenen. "Ich hoffe, ihnen geht es gut", sagte Greig in ihren ersten öffentlichen Äußerungen seit dem Vorfall in der vergangenen Woche.

"Wahrhaft entsetzlich"

In einem Brief an die Eigentümer des Senders verurteilte das Krankenhaus die Aktion am Samstag als "wahrhaft entsetzlich". Die Führung des Medienkonzerns Southern Cross Austereo (SCA) diskutierte den Vorfall auf einer Dringlichkeitssitzung.

"Ich schreibe Ihnen, um auf das Schärfste gegen den Telefonstreich Ihres Senders 2DayFM zu protestieren", schrieb Spitalschef Simon Glenarthur an den Medienkonzern. Die unmittelbare Folge des "vorsätzlichen und unüberlegten" Streichs sei die "Demütigung zweier aufopfernder Krankenschwestern" gewesen, die nur ihre Arbeit gemacht hätten, nämlich sich um die Patienten zu kümmern. Der spätere Tod einer der beiden Schwestern sei "unbeschreiblich tragisch".

Glenarthur kritisierte, dass der Anruf nicht nur aufgezeichnet, sondern mit Genehmigung durch höhere Stellen des Senders auch ausgestrahlt wurde. Zwar könnten die dadurch angerichteten Schäden nicht wiedergutgemacht werden. Es müsse jedoch dafür gesorgt werden, dass so etwas nie wieder geschehe.

Anwälte gaben Aufnahmen frei

Der Radiosender verteidigte sich am Montag. Mitarbeiter hätten versucht, die Krankenhausverwaltung vor Veröffentlichung der Aufnahme zu kontaktieren, sagte 2DayFM-Chef Rhys Holleran. "Wir haben nicht weniger als fünfmal versucht, sie zu erreichen", sagte er. "Wir wollten mit ihnen darüber reden, was wir aufgenommen hatten." Der Sender legte das Band Anwälten vor, die sie zur Veröffentlichung freigaben.

Ein Sprecher des betroffenen Krankenhauses sagte am Montag aber, mit der Klinik habe vonseiten des Senders vor der Ausstrahlung niemand gesprochen. "Das Radio hat weder mit einem Mitglied der Klinikleitung noch mit unseren Medienverantwortlichen gesprochen", sagte er.

Rundfunkrichtlinien verletzt

Die langjährige Radiojournalistin Wendy Harmer meinte dagegen, der Sender habe Rundfunkrichtlinien verletzt. Er hätte sie Aufzeichnung nur nach Zustimmung aller Beteiligten ausstrahlen dürfen, sagte sie dem Sender ABC.

Die beiden Moderatoren Greig und Christian seien in intensiver Therapie, sagte eine Sprecherin von Day2FM. Ihr Zustand sei "labil". (APA/red, derStandard.at, 10.12.2012)

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    Man habe versucht, die Krankenhausleitung vor der Veröffentlichung zu informieren, rechtfertigt sich der Radiosender 2DayFM.

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    Michael Christian und Mel Greig in der Sendung "A Current Affair" des australischen TV-Senders Channel 9.

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