Wer hat die längsten Haare?

10. Dezember 2012, 00:14
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Nicht nur dem Haarwuchs der weiblichen Bevölkerung huldigt das TV in Tadschikistan

Gegen Unzufriedenheit mit dem heimischen Fernsehangebot gibt es ein Mittel: Man schaue, was man so in anderen Ländern ansehen muss. In der Reihe Zapping International zeigte Arte frühmorgens am Sonntag, was das tadschikische Fernsehen zu bieten hat. Das wartet gleich mit mehreren Staatssendern auf und präsentiert dort Formate, die nicht einmal die deutschen Privaten bringen würden: ein Langhaarwettbewerb etwa, der auf allen Sendern übertragen wird.

Nicht nur dem Haarwuchs der weiblichen Bevölkerung huldigt das TV. Um den Bau eines neuen Staudammes zu bewerben (an dem sich alle Tadschiken mittels Aktienkauf beteiligen mussten), wurde ein Propagandasong ausgestrahlt. "Geben wir alles, was wir haben", heißt es in Der Aufruf. Geschrieben hat das eingängige Lied der Direktor des ersten staatlichen Senders. Überhaupt ist man nicht zimperlich in Sachen Freunderlwirtschaft: Die englischen Nachrichten werden angesagt von der sechszehnjährigen Tochter des Staatspräsidenten. Das scheint das Volk weniger zu stören als ein anderes Ärgernis: die zahlreichen Werbepausen.

Der Film nämlich läuft währenddessen weiter. Da kann es schon passieren, dass er nach der Werbung schon zu Ende ist. Immerhin gibt es dafür Formate, die im täglichen Leben zur Seite stehen: In Die Kreuzung behandeln Juristen und Psychologen Themen wie "Klatsch und Tratsch". Heißer Tipp: "Ihr Ehemänner - nehmt euch Zeit, euren Frauen zuzuhören!" Auch eine Kochsendung darf nicht fehlen. Kochend suchen die zwei Moderatorinnen von Gemütlich Privatwohnungen heim. Spätestens an dieser Stelle ist man dankbar für das österreichische Fernsehen. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 7./8./9.12.2012)

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