Kopf beim Denken höher als das Gesäß

Blog9. Dezember 2012, 22:46
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Boulevard-Journalismus als demokratiegefährdendes Element

"Gesäß beim Beten höher als der Kopf" zitiert der STANDARD den fremdenfeindlichen Artikel zweier sensationsgeiler Autoren jenes österreichischen Gratisblattes, das sich "Heute" nennt und mit diesem Titel vermittelt, am Puls der Zeit zu sein. Ich setze dagegen: "Kopf beim Denken höher als das Gesäß." Meine Frage: Was spielt sich im Denken solcher Journalisten ab, wo ist deren Kopf, wo ihr Gesäß und wo der Quell ihrer rassistischen Ergüsse zu orten. Ethisch ist deren journalistisches Machwerk fraglos unterhalb der Gürtellinie.

Aus heiterem Himmel hatten die zwei "Heute"-Redakteure im Zusammenhang mit einem Mordfall in Kärnten in Bausch und Bogen Ressentiments gegen die zweitstärkste Religionsgemeinschaft in Österreich geschürt. In Sachen Meinungsbildung ist diese Art des Boulevard-Journalismus ein demokratiegefährdendes Element.

Kärntner Machismo-Drama

Was war geschehen: ein österreichischer Familienvater hatte seine Frau, die sich von ihm trennen wollte, vor dem Kindergarten des gemeinsamen jüngeren Kindes niedergestochen. Ein Kärntner Machismo-Drama. Die "Heute"-Autoren nahmen dies zum Anlass zu betonen, der mutmaßliche Täter gehöre zu jener Sorte Mann, "die zum Glück eher hinterm Halbmond lebt". Also nicht in solchen "Ländern, wo das Gesäß beim Beten höher ist als der Kopf. Partnerinnen betrachten sie als Besitz. Macht sich der selbstständig, sind sie im Stolz verletzt und drehen durch."

Exakt so hatte sich der österreichische, mutmaßliche Täter verhalten. Mutmaßlich dürfte dieser christlichen Glaubens sein. An den Pranger gestellt wird jedoch nicht er, sondern pauschal Angehörige einer andersgläubigen Religionsgemeinschaft. Warum?

Weil es der Auflage dienen könnte? Weil einer "mutmaßlichen" Bevölkerungsschicht nach dem Mund gesprochen werden sollte? Weil diese angesichts der kommenden Wahlen entsprechend eingestimmt werden sollte?

Offene Frage

Der Chefredakteur hat sich bereits entschuldigt, die verantwortlichen Journalisten sind zunächst beurlaubt. Die Meinungsmache, sprich rassistische Zündelei, ist damit nicht ungeschehen gemacht. Auch bleibt die Frage offen, warum die zwei es für notwendig hielten, die Gewalttat des tatsächlichen Mörders, des österreichischen Mannes, solcherart "wegzuschreiben", warum das Schicksal der Frau offenbar nur Anlass für "heutige" fremdenfeindliche Schmierereien war und warum die Zukunft der Kinder nebensächlich zu sein scheint. (Rubina Möhring, derStandard.at, 9.12.2012)

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