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vergrößern 800x296Doris Burtscher in ihrem Schlafzimmer. Von einer Architektin ließ sie eigens ein Regal für ihre afrikanischen Hocker und Kopfstützen bauen.
Die Medizin-Anthropologin Doris Burtscher wohnt unweit des Wiener Donaukanals in einer Wohnung voller afrikanischer Objekte. Michael Hausenblas war zu Besuch.
"Durch meinen Job bei Ärzte ohne Grenzen bin ich ein Drittel des Jahres unterwegs. Meine Reisen führen mich in viele Teile Afrikas, aber auch in andere Länder. Zuletzt war ich im Irak. Mein Job ist es, eine kulturelle Brücke zwischen unseren Mitarbeitern und den Menschen vor Ort zu schaffen. Das hilft beiden Seiten. Außerdem halte ich europaweit sehr viele Vorträge.
Ich denke, dass Heimkommen in meinem Falle ein noch intensiveres Erlebnis ist als bei einem Nine-to-five-Job. Dabei ist so eine Rückkehr alles andere als ein großes Durchatmen, wie man sich das vielleicht vorstellt. Ich brauch immer ein paar Tage, um wirklich wieder daheim zu sein. Zu groß sind die Unterschiede der Welten, zwischen denen ich pendle. Der Körper reist schnell, die Seele braucht ein bisschen länger.
Ich wohne seit 1995 im 2. Bezirk unweit des Donaukanals. Die Wohnung, die ich von Grund auf renovierte, ist gemietet. Vor mir hat hier ein Hundeabrichter gewohnt. Sein 'Achtung Hund'-Schild hängt noch immer an der Türe draußen. Ich hoffe sehr, dass es Einbrecher fernhält. Die Lage ist sehr angenehm, man ist gleich im 1. Bezirk, und die Entwicklung rund um den Karmelitermarkt war mir natürlich auch sehr willkommen. Außerdem kann ich zu Fuß zum Flughafenbus gehen. Die Wohnung liegt hofseitig im zweiten Stock eines Jahrhundertwendehauses mit wunderschönen Keramikfliesen im Bereich des Hauseingangs. Sie misst 104 Quadratmeter und teilt sich auf ein Schlaf-, ein Wohn- und ein Esszimmer auf. Und dann gibt's noch eine Küche, ein Bad, ein WC, einen großzügigen Vorraum und einen Beserlbalkon.
Eigentlich wollte ich immer eine Wohnung kaufen, aber den Zeitpunkt, als das noch leistbar war, habe ich wohl versäumt. Darum investiere ich jetzt hier mehr in die Einrichtung.
Ich wohne gern einfach und klar. Ich vermeide Chaos und Durcheinander. Ich glaube, ich brauche das, um meine Gedanken besser ordnen zu können.
Sehr wichtig ist mir meine Sammlung von Hockern und Kopfstützen, die ich von meinen Reisen aus Afrika mitgebracht habe. Ich nehm aber auch gern andere Dinge mit. Neueste Erwerbung ist ein hölzerner Trittroller, bei dem die Räder aus Schuhcremedosen gemacht sind.
Jedes meiner Stücke hat seine eigene Geschichte. Wenn ich im Bett liege und sie betrachte, habe ich sofort die Situation vor Augen, in welcher ich dem jeweiligen Objekt begegnet bin. Ich hab mir sogar extra ein Regal von der Architektin Feria Gharakhanzadeh entwerfen lassen. Es ist eigenartig: Für viele Menschen in Afrika sind diese Hocker Arme-Leute-Objekte. Wenn man bei jemandem auf einen Besuch vorbeikommt, kann es passieren, dass der Gastgeber einen dieser billigen, weltweit präsenten Plastikstühle beim Nachbarn ausleiht, wenn er selbst keinen besitzt.
Wohnen spielt natürlich auch bei meiner Arbeit eine große Rolle. Ich schau mir sehr genau an, wie Menschen leben. Einfach gesagt, reicht das von völlig nach außen hin abgeschotteten Wohnsituationen wie im Irak bis hin zu sehr offenen Strukturen, wie man sie in Mauretanien findet. Dort kann es passieren, dass einem nachts die Kühe über die Teppiche trampeln. Es ist interessant, auch die ärmsten Menschen versuchen, ihr Daheim zu verschönern. Die Nomaden im Tschad schleppen sogar ihre Teppiche aus Leder und Kaurimuscheln auf großen Wanderungen mit.
Apropos Wanderungen: Mein Freund Günther Holler-Schuster lebt in Graz. Er ist dort Kurator. Wir sehen uns meist nur an den Wochenenden. Was ich an seiner Wohnung besonders mag, ist die viele Kunst, die dort hängt. Aber Afrika ist auch schon ganz gut vertreten." (DER STANDARD, 7./8./9.12.2012)
Doris Burtscher wurde 1965 in Bludenz geboren und lebt seit 26 Jahren in Wien. Sie hat an der Universität Wien Kultur- und Sozialanthropologie studiert, ihr Spezialgebiet ist die Medizin-Anthropologie. Für Feldforschungszwecke lebte sie für zweieinhalb Jahre im Senegal. 2001 begann sie für Ärzte ohne Grenzen zu arbeiten. Seit Oktober 2011 ist Burtscher als Medizin-Anthropologin Teil der Evaluation Unit im Wiener Büro und unterstützt die Organisation mit verschiedenen Studien zur traditionellen Wahrnehmung von Gesundheit und Krankheit sowie den Umgang damit.
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