Thyssen stellt deutsche Stahlwerke auf Prüfstand

9. Dezember 2012, 19:15
  • Ob es allen Thyssen-Stahlwerken so gehen wird? Am 28.04.2001 begutachtet ein Mitarbeiter des Dortmunder Stahlwerks "Phoenix" zum letzten Mal die Qualität des flüssigen Rohstahls. Das Ende einer 141-jährigen Geschichte.
    foto: apa/roessler

    Ob es allen Thyssen-Stahlwerken so gehen wird? Am 28.04.2001 begutachtet ein Mitarbeiter des Dortmunder Stahlwerks "Phoenix" zum letzten Mal die Qualität des flüssigen Rohstahls. Das Ende einer 141-jährigen Geschichte.

Vorstand erwägt alles von Ausgliederung bis zu Börsengang

Essen - ThyssenKrupp stellt einem Magazinbericht zufolge sein deutsches Stahlgeschäft auf den Prüfstand. Vorstandschef Heinrich Hiesinger erwäge alle Optionen von einer organisatorischen Ausgliederung bis hin zu einem Börsengang der deutschen Stahlwerke, berichtete die "WirtschaftWoche" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Der neue Chef würde damit Hand an die Wurzeln des Konzerns legen, der zuletzt mit Korruptions- und Kartellaffären sowie Milliardenverlusten im amerikanischen Stahlgeschäft von sich reden machte.

Teure Abfindungen

Ein Unternehmenssprecher wollte sich nicht dazu äußern und verwies auf die Bilanzpressekonferenz am kommenden Dienstag. Bereits am Montag befasst sich der Aufsichtsrat mit den Zahlen und den Problemen des Konzerns. Das Kontrollgremium soll auch den Rauswurf von drei der sechs Vorstandsmitglieder absegnen, den ThyssenKrupp am Mittwoch überraschend angekündigt hatte. Der hoch verschuldete Stahlkonzern muss für Abfindungen an die vor dem Rausschmiss stehenden Vorstände einem Medienbericht zufolge tief in die Tasche greifen. Technik-Vorstand Olaf Berlien, Compliance-Vorstand Jürgen Claassen und Stahlchef Edwin Eichler sollen nach Informationen des "Handelsblatt" zusammen zwischen 11 und 12 Mio. Euro Abfindung kassieren. Im Aufsichtsrat ist auch Kritik an dessen Vorsitzenden Gerhard Cromme laut geworden.

Für die Zukunft des deutschen Stahlgeschäfts wolle Hiesinger bis Mitte nächsten Jahres ein Konzept erarbeiten lassen, berichtete das Magazin. Spätestens im Sommer wolle der Vorstand darüber entscheiden. Dem "Focus" zufolge gibt es an der Konzernspitze aber keine Überlegungen für ein Aus des Stahl-Stammwerks in Duisburg.

Laut "WirtschaftsWoche" prüft der Vorstand Unternehmenskreisen zufolge zudem den Verkauf der Autozulieferer-Töchter Bilstein (Stoßdämpfer) und Presta (Lenksäulen). Auch darüber solle 2013 entschieden werden. Verkaufsgespräche über den Baggerzulieferer Berco liefen den Kreisen zufolge bereits. (APA, 9.12.2012)

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2 Postings
Bei Rausschmiss Geldregen

Es wäre mal höchst an der Zeit für eine wirtschaftswissenschaftliche Begründung für die hohen Abfertigungen von Vorstandsmitgliedern, die rausgeschmissen werden, nachdem sie das Unternehmen fast in den Abgrund gefahren haben.

die tragen so viel verantwortung

deshalb bekommen sie so viel gehalt. und wenn sie die verantwortung nicht mehr tragen müssen, tragen sie eben kohle heim.

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