Venezuela: Hugo Chávez designiert Nicolas Maduro als Nachfolger

Kopf des Tages9. Dezember 2012, 18:27
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Loyal und locker im Kielwasser der Revolution könnte der Vizepräsident Chávez nachfolgen

Caracas - Venezuelas Präsident Hugo Chávez (58) hat einen Rückfall in seiner Krebserkrankung bekanntgegeben. Die Ärzte hätten "einige frische bösartige Zellen" entdeckt, sagte der Staatschef am Samstag in Radio und TV, bevor er zu einer neuen Operation nach Kuba zurückkehrte. Zu seinem Nachfolger bestimmte er seinen Stellvertreter Nicolás Maduro. Im Fall seiner Arbeitsunfähigkeit werde Maduro laut Verfassung bis zu Neuwahlen amtieren. "Sie wählen Maduro zum neuen Präsidenten, wenn Sie nach meinem Gefühl gehen möchten", fügte er hinzu.

Vom Busfahrer zum Kronprinzen von Hugo Chávez - die Karriere von Nicolás Maduro ist beachtlich. Immer lästerte die bürgerliche Opposition über den fehlenden Universitätsabschluss des großgewachsenen Mannes, über seine rüde Sprache und die legeren Klamotten. Doch Maduro bewies, dass er andere Qualitäten besitzt: eine ungezwungene Art, politische Durchsetzungsfähigkeit und vor allem Loyalität.

In den letzten eineinhalb Jahren war Maduro, der am 23. November 50 wurde, in den wichtigen Momenten stets an der Seite des Präsidenten. Die Freundschaft der beiden ist aber schon viel älter. Kennengelernt haben sie einander nach Chávez' gescheitertem Putsch 1992. Maduro war damals Busfahrer, sozialistisch-maoistischer Gewerkschaftsführer, Hobby-Baseballspieler und wegen seiner kräftigen Statur auch ab und zu Bodyguard politischer Gesinnungsgenossen.

Zusammen mit seiner neun Jahre älteren Frau, der späteren Parlamentspräsidentin Cilia Flores, besuchte Maduro Chávez im Gefängnis. Gemeinsam schmiedeten sie Pläne für ein sozialistisches Venezuela. Die Sympathie war gegenseitig, doch im Gegensatz zu vielen anderen Weggefährten, die sich später mit Chávez überwarfen, ergab sich Maduro widerspruchslos der Führerschaft des acht Jahre älteren Offiziers.

Im Kielwasser der chávistischen Revolution wurde Maduro ins Parlament gewählt und avancierte 2005 zum Parlamentspräsidenten. War der Sprössling einer Arbeiterfamilie in seinen Jugendjahren für ausschweifende Rockpartys und stetes Zuspätkommen bekannt, zeigte er als Parlamentspräsident plötzlich Strenge: Die Abgeordneten verdonnerte er zur Stechuhr, wer zu spät kam, musste Strafe zahlen. Das trug ihm den Spitznamen "der Oberlehrer" ein. Zugleich tolerierte er den Nepotismus seiner Frau, die dutzende Verwandte auf die Gehaltsliste des Parlaments setzte. Ein Prozess gegen das Paar wegen ungerechtfertigter Bereicherung wurde eingestellt.

2006 machte Chávez Maduro zum Außenminister. Nach seiner Wiederwahl im vergangenen Oktober, offenbar schon die neuerliche Krebsdiagnose ahnend, ernannte er ihn zum Vizepräsidenten, dem verfassungsgemäß die Nachfolge zusteht. Maduro, der an Asthma leidet, liebt riesige Sandwiches und ist Anhänger des indischen Gurus Sai Baba. Seine Position im System wird auch durch seine Frau gestärkt, die seit kurzem Generalstaatsanwältin ist. (Sandra Weiss, DER STANDARD, 10.12.2012)

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    Hugo Chavéz (l.) und sein designierter Nachfolger Nicolas Maduro auf einem Archivbild.

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