"Wie wenn man im Kasino den Einsatz verdoppelt"

Interview9. Dezember 2012, 18:50
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Um Verluste bei Derivategeschäften zu kompensieren, wird mehr Risiko genommen, sagt Anwalt Lukas Aigner

STANDARD: Wie sind Derivate-Verluste wie in Salzburg möglich?

Aigner: Die Produkte sind hochkomplex, vor allem wenn hinter den Optimierungen zahlreiche Einzelelemente wie Fremdwährungs- und Zinsoptionen stehen. Wenn die Positionen ins Minus kommen, arbeiten die Banken oft Restrukturierungen aus, um die Verluste zu kompensieren. In der Regel wird dann immer mehr Risiko genommen, um das Minus aufzuholen. Das ist, wie wenn man den Einsatz im Kasino verdoppelt.

STANDARD: Kann es sein, dass die Bank nur mit einer einzelnen Person Kontakt hat?

Aigner: Die Bank hat erhöhte Sorgfaltspflichten. Sie muss prüfen, ob der Ansprechpartner vertretungsbefugt ist und im Rahmen seiner Vollmacht handelt. Wenn sie wissen hätte müssen, dass das Organ vis-à-vis nicht im Rahmen der Befugnis tätig ist, kann sie wegen Beitragstäterschaft belangt werden. Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft auch im Falle des Linzer Franken-Swaps gegen die Bawag. Die Bank kann sich nicht blindstellen.

STANDARD: Ist es glaubwürdig, dass ein Land bei Verlusten in dieser Größe nicht informiert wird?

Aigner: Ich kann nur abstrakt sprechen. Bei den Gemeinden ist der Gemeinderat zuständig, exekutiert werden die Geschäfte vom Bürgermeister. Die Banken haben oft verlangt, dass für die Abwicklung der Derivate Subvollmachten ausgestellt werden. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 10.12.2012)

Lukas Aigner (38) ist Finanzexperte in der Kanzlei Kraft & Winternitz.

  • Banken müssen Vollmacht prüfen, sagt Lukas Aigner.
    foto: privat

    Banken müssen Vollmacht prüfen, sagt Lukas Aigner.

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