Amadeus-Projekt vorerst in Trümmern

Analyse |

Dirigent Franz Welser-Möst zieht sich vom Salzburger Mozart-Zyklus zurück

Wien - Dirigent Franz Welser-Möst beendet also seine Opernzusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen. Er wird aus dem Langzeit-Mozart-Projekt (Così fan tutte, Don Giovanni und Figaro) aussteigen, das er in den nächsten drei Saisonen mit Salzburgs Theaterchef Sven-Eric Bechtolf hätte erarbeiten sollen. Überraschte es ihn zunächst, dass er eine Così- Vorstellung (2013) um elf Uhr vormittags dirigieren sollte, so begründet er seinen Totalrückzug nun mit der Sorge um die Sänger: "Wenn man drei Vorstellungen von Così innerhalb von weniger als fünf Tagen ansetzt, ist das für die Sänger nicht machbar."

Damit jedenfalls liegt ein zentrales Projekt von Intendant Alexander Pereira vorerst in Trümmern. Er hat gehofft, das - seiner Meinung nach - in Zürich glänzende Mozart-Duo Bechtolf/Welser-Möst würde eine Weiterentwicklung seiner Ideen zuwege bringen. Nun steht er als Manager da, der nicht imstande ist, für Künstler ideale Bedingungen herzustellen; als Manager auch, der Künstler über Termine nicht informiert. Das ist für den Routinier eine peinliche Angelegenheit.

Von Welser-Mösts kalter Abfuhr könnte er überrascht worden sein. Schließlich bedeutet es einen gehörigen Vertrauensvorschuss, einen - zumal in Salzburg - so wichtigen Teil der Opernprojekte einem einzigen Dirigenten zu überantworten. Zudem war Welser-Möst lange in Zürich bei Pereira Musikchef, nachdem er das London Philharmonic Orchestra verlassen hatte, um im Zürcher Opernhaus wieder karrieremäßig Fuß zu fassen.

Ob sein Rückzug einen künstlerischen Verlust darstellen wird, muss sich weisen. An der Wiener Staatsoper, wo Welser-Möst Generalmusikdirektor ist, hatte er mit Mozart kaum herausragend glückliche Momente. Wobei zur Verkrampfung sicher auch die Zwistigkeit um Regisseur Jean-Louis Martinoty beigetragen hatte. Man wird sehen, welchen Dirigenten Pereira aus dem Hut zaubert (bis dato herrscht auf allen Salzburger Ebenen Schweigen).

Vorerst ist nur sicher: Mit seiner Absage steht Welser-Möst in einer stolzen Salzburger Tradition. Aus anderen Gründen - aber doch - hatten sich auch Riccardo Muti und Nikolaus Harnoncourt einst aus Salzburg zurückgezogen, um doch wiederzukehren. Übrigens hat Welser-Möst am Sonntag den Konzertsaal der Wiener Sängerknaben dirigierend eingeweiht. Um elf Uhr. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 10.12.2012)

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