Französischer Familienzwist als konstruiertes Brettspiel

9. Dezember 2012, 17:29
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Maria Happel nervt mit dem Konzept für "Acht Frauen"

St. Pölten - Auch wenn die Krimikomödie Acht Frauen des französischen Autors Robert Thomas frei von subversivem Humor ist, den Bettina Hering in den Mittelpunkt ihrer ersten Saison als Intendantin des Landestheaters St. Pölten stellte: Es braucht eine Portion Mut, sich der Verfilmung von François Ozon, 2002 unter dem Titel 8 femmes in den Kinos, zu stellen. Denn diese hat sich ins Gedächtnis gebrannt - aufgrund des grandiosen Ensembles (u. a. mit Catherine Deneuve, Emmanuelle Béart und Fanny Ardant).

Maria Happel, als Regisseurin verpflichtet, ist daher von der ersten Sekunde an um Abgrenzung bemüht. Und zwar krampfhaft. Sie lässt Cluedo spielen. In diesem Brettspiel hat man die Aufgabe, den Mörder des Grafen Eutin ausfindig zu machen: Man zieht mit seiner Spielfigur in einen Raum der Villa, legt ein mögliches Mordwerkzeug hinein und spricht eine Mutmaßung aus, die dann entkräftet wird - oder eben nicht.

Das Bühnenbild von Thomas Lorenz-Herting trägt das Konzept brav mit: Als Spielfeld dient ein buntes Spielbrett, das von riesigen Spielkarten umrahmt wird. Nicht nur die Würfel, die auf die Bühne fliegen, sondern alle Requisiten sind riesig, also die Spritze etwa oder der Schlüssel zur Türe, hinter der Marcel, der einzige Mann im Haus, mit einem Messer im Rücken liegt. Dass die Tür kein Schlüsselloch hat, ist noch das geringste Problem: Happel lässt ihre acht Damen, verkümmert zu Stereotypen, permanent auf verschiedene Positionen hüpfen. Und weil sie ja nichts als Spielfiguren sind, wenden sie sich im Dialog auch nicht einander zu. Eher mühsam.

Dagmar Bald hingegen nimmt bei den Kostümen schon Anleihen am Film: Jede Frau hat ihre eigene Grundfarbe. Und sie verlegt die Handlung - Huit femmes wurde 1958 uraufgeführt - in die Roaring Sixties: Lisa Weidenmüller ist als Tochter Catherine ein quirliges Twiggy-Lookalike. Doch Bald übertreibt maßlos: Cornelia Köndgen darf als Köchin ein Chanel-Kostüm tragen - weil sie "Chanel" gerufen wird. Jessica Schwarz kommt als frivoles Zimmermädchen aus dem Beate-Uhse-Shop. Und Ulrike Folkerts ermittelt am Tatort sexy im knallroten Nichts.

Nach der Pause bricht das Ensemble (u. a. mit Birgit Doll und Babett Arens) das starre Konzept zum Glück auf. Der Frauenzwist wird dann etwas menschlicher und humoriger. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 10.12.2012)

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