Causa Birnbacher: Urteil belastet Politik schwer

Renate Graber, 9. Dezember 2012, 18:30
  • Finanzlandesrat Harald Dobernig hat Erklärungsbedarf.
    foto: apa/eggenberger

    Finanzlandesrat Harald Dobernig hat Erklärungsbedarf.

Jörg Haider war Anstifter, alle waren gefügig: Die Rolle der Politik in der Causa Birnbacher

Wien - In der Causa Birnbacher liegt das Urteil nun auch schriftlich vor. 80 Seiten widmet der Klagenfurter Strafrichter Manfred Herrnhofer der Sache, in der Ex-ÖVP-Landesrat und Ex-ÖVP-Kärnten-Chef Josef Martinz, die zwei Ex-Chefs der Kärntner Landesholding, Hans-Jörg Megymorez und Gert Xander, und Steuerberater Dietrich Birnbacher wegen Untreue (Beihilfe) verurteilt wurden. Es ging um das Sechs-Millionen-Euro-Honorar, das Birnbacher beim Verkauf der Hypo Alpe Adria an die BayernLB von der Holding kassiert hat.

Im - nicht rechtskräftigen - Urteil zeichnet der Richter penibel die Ereignisse nach, widmet auch den von der Holding beauftragten Gutachtern viel Raum (die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt). Hart geht er zudem mit der Kärntner Politik ins Gericht - und zeichnet ein Sittenbild von Kärntens Realverfassung.

"Völlige Verschleierung"

Der "nicht mehr verfolgbare" Jörg Haider und Martinz (sie hatten Birnbacher heimlich beauftragt, bezahlt hat sein Honorar aber eben die Holding) "gingen bereits bei dessen Beauftragung von einer völligen Unangemessenheit (...) des Honoraranspruchs aus", weil sie "andernfalls keinesfalls damit rechnen hätten können, dass Birnbacher bereit gewesen wäre, Teile seiner Ansprüche an sie abzutreten".

Schon die "völlige Verschleierung" von Birnbachers Engagement durch Martinz und Haider "beweist den konkreten Tatplan zur Umsetzung einer versteckten Parteienfinanzierung". Aufsichtsratsmitglieder der Holding hätten unreflektiert "ohne Prüfung und in vollstem Vertrauen auf den Vorstand, Martinz und Haider" für das Honorar gestimmt - was der Richter mit einer Zeugenaussage von Finanzlandesrat Harald Dobernig (Ex-Bürochef Haiders) belegt: "Als Aufsichtsrat interessiert mich nur, was mir die Vorstände berichten."

Jobangst und Gefälligkeiten

Die Schlussfolgerung des Richters: Die Politik habe "alle Entscheidungen des Aufsichtsrats dominiert", was auch den auf Zeit bestellten Holdingchefs "definitiv bewusst war". Und: "Auch das Schicksal von Verantwortlichen in ausgegliederten Rechtsträgern, die sich politischen Vorgaben widersetzten, war ihnen bewusst." Als "eindrückliche Beispiele" nennt Herrnhofer "Suspendierungen von politisch in Ungnade gefallenen Managern", die "rücksichtslos (...) entfernt wurden, wenn sie sich politischen Wünschen widersetzten. (...) Das dabei praktizierte System der (...) Verunglimpfungen und persönlichen Angriffe (...) war öffentlich bekannt". Herrnhofer nennt den Fall von Spitalsmanagern ebenso wie den des (verstorbenen) Stadttheater-Chefs Dietmar Pflegerl.

Die Reaktion der Holdingchefs "war mit lauteren Geschäftspraktiken aber nicht vereinbar: Es wurde alles unternommen, das nicht gerechtfertigte Honorar durch die entsprechende Abfassung von Gutachten zu untermauern." Auch dabei sei die Politik im Spiel gewesen, habe den "Prüfvorgang eng begleitet". Die Kommunikation zwischen Holding und Gutachter Deloitte etwa "wurde sofort an Dobernig weitergeleitet". Er war es auch, der das von der Holding beauftragte Deloitte-Gutachten als Erster zugestellt bekam.

Als das Birnbacher-Honorar öffentlich ruchbar wurde, seien es Dobernig, Anwalt Andreas Oman und die Holding-Chefs gewesen, die am 6. März 2008 die Linie für die Informationen an die Öffentlichkeit festgelegt haben. Sie hätten "festgehalten", was in Haiders Pressekonferenz "verkündet werden sollte". Nämlich dass der Honoraranspruch "auf Basis der Gutachten von Christian Nowotny und Wolfgang Brandstetter besteht und von der Holding zu übernehmen sei". Laut dem Richter sei damals aber "allen Beteiligten klar gewesen, dass die Angemessenheit des Honorars gutachterlich nicht festgestellt war".

Ende Mai 2008 stand dann im Holding-Aufsichtsrat die Entscheidung über die Zahlung des (auf sechs Mio. Euro halbierten) Honorars an. Die roten Aufsichtsräte legten sich quer, nach einer Sitzungsunterbrechung meldete sich Dobernig zu Wort. Er hielt laut Urteil fest, "die Gutachten belegten, dass die Übernahme durch die Holding rechtens sei, (...) der Honoraranspruch läge sogar auf der unteren Bandbreite". Was Dobernig, gegen den auch ermittelt wird, nicht erwähnte, war "seine Einbindung in den Prüfungsprozess (durch die Gutachter, Anm.)".

Wieder ein Jahr später trafen Dobernig und Uwe Scheuch Birnbacher im Restaurant Werzer am Wörthersee. Birnbachers - sinngemäße - Aussage, man habe 500.000 Euro von ihm verlangt, weil das einst sein Deal mit Haider gewesen sei, bestreiten beide.

Birnbachers Leistung war laut Urteil nur 300.000 Euro wert; der Steuerberater kam wegen seines Geständnisses als einziger mit einer teilbedingten Strafe davon: drei Jahre, zwei davon bedingt. Die höchste Strafe (5,5 Jahre) fasste wegen Anstiftung Martinz aus. Der STANDARD betont, dass bis zu einer etwaigen rechtskräftigen Verurteilung für alle Genannten die Unschuldsvermutung gilt. (Renate Graber, DER STANDARD, 10.12.2012)

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Jörg Haider war Anstifter, alle waren gefügig

Oh weh! Jetzt ist nicht nur die Sonne, sondern auch noch die Wahrheit vom Himmel gefallen.
Blöde Frage: Wer hat sie zuvor dort aufgehängt?

In der Erbschaft Haiders finden sich noch so klapprige Ideen, wie:

Freistaat Kärnten
Die dritte Republik

1985 gab es eine Spruchentscheiung des OGH, da wurde er als "Ziehvater des rechtsextremen Terrorismus" bezeichnet.

Er war immer ein billiger Demagoge und Machtmensch!

....1995 .... (nicht 1985)!

billig

war er eigentlich nicht.

Wenn man an die Kärntern Landeshaftung von

40 000 000 000 Euros denkt.

Das sind 40 Tausend Millionen Euro.

Billig ist das nicht, auch wenns aktuell angeblich nur mehr

20 Tausend Millionen Euro sind..

Der neue Youtube-Nachrichtenkanal der FPK wird wohl bald von einem Rücktritt zu berichten wissen.

Es geht um eine Person die gemeinsam mit einem bereits zurückgetretenen Landesrat schamlos DienstnehmerInnen aus den Büros von Regierungsmitgliedern definitiv in den Landesdienst aufnahm.
Es geht um eine Person, die quasi im Alleingang Anteile der KELAG veräußerte.
Es geht um eine Person, die dazu beitrug eine orange Broschüre auf Landeskosten im ganzen Land zu verteilen.
Es geht um eine Person, die Sonderbedarfszuweisungen für entlegene Regionen verantwortet, um die Schießkunst zu fördern.
Es geht um eine Person, die wesentlich dazu beitrug, dass das Honorar des Dr. Birnbacher von der Landesholding übernommen wurde und die angeblich von Birnbacher für die Partei eine hohe Summe forderte.

Es ist schon soweit, dass ich das hier verlinken muss...

http://de.wikipedia.org/wiki/Perestroika
http://de.wikipedia.org/wiki/Glasnost

Nicht nur für Kärnten, FÜR ÖSTERREICH!

ein system aus

nötigung, erpressung und amtsmissbrauch! wenn das keine organisierte kriminalität ist, was dann?

Ein Fall für den Mafia Paragraphen, aber Untereinander werden sie den nicht anwenden. ;-)

nein...

...den verwendens lieber für Tierschützter, GROTESK!

Den Mafia-Paragraphen könnte man in Erwägung ziehen.

Allein der Strafrahmen ist wesentlich geringer als bei Untreue.

Wenn sie noch gleichzeitig für den Tierschutz eintreten, dann ist es aber wirklich organisierte Kriminalität.

Aber vorher, tja, vorher ist es leider nur Kärntner Alltagspolitik!

Neulich bei einem FPÖ-Wähler

Papa?
Ja?
Ich strebe eine Karriere in der organisierten Kriminalität an!
Öffentlicher oder privater Sektor?

Wie so oft lasen Sie eine Werbeeinschaltung
der Partei mit der Kompetenz für Korruption
und Steuergelddiebstahl.

Kuscher- und Bücker-Mentalität

ich orte ein Mentalitätsproblem der Generation der heute 50+-jährigen. Schön brav der Obrigkeit dienen und immer kuschen. "...Grüß Gott Herr Abgeordneter, darf ich was tun für Sie, Herr Präsident....."?

Richter mit Zivilcourage

Der Richter hat der Öffentlichkeit und der Staatsanwaltschaft den Auftrag erteilt, auch die anderen Verantwortlichen und die gutachterlichen bzw. beamteten Vertuscher zur Rechenschaft zu ziehen.

Er leistet damit auch seinem Richterkollegen Liebhauser Karl Schptzenhilfe und beschreibt das mafiose System bis ins Detail.

Damit das OLG Graz nicht wieder mit dem Überraschungen oder milderen Bagatelldelikten die korrupte Kärntner Politik verharmlost und perpetuiert.

Uwe, Martinz, Strasser und Birni wurden von vielen "Experten" gedeckt: damals und heute.

In Deutschland kann die Öffentlichkeit alle Strafgerichtsurteile im Internet lesen. In unserer Korruptionsoase ist das viel komplizierter.

die chancen stehen nicht schlecht, daß sich ein guter teil der kärntner regierungsbagage noch vor der wahl auf der anklagebank wiederfindet....

und?

die veränderung wird kaum zu sehen sein, wenn sie denn rechtskräftig verurteilt werden.
ausserdem sind diese leute nur die spitze des eisberges. in kärnten haben sich unter wagner und dann von haider perfektioniert mafia strukturen etabliert.
die wurden für fast 40 jahre aufgebaut und gepflegt.
wer also nachkommt, ist um keinen deut besser.

natürlich wird sich nix ändern - darum gibts ja wahlen - und die puppen auf der bühne können wechseln so oft sie wollen, das drehbuch ändert sich deswegen noch lange nicht.....

dann bitte haftstrafen. nur so wird man die sesselkleber los.

in frankreich hatte man für solche leute wirkungsvollere instrumente.

für das sollten wir die Franzosen nicht zu rate ziehen

das konnte man bei uns früher auch sehr gut: http://de.wikipedia.org/wiki/Theo... von_Latour

wobei die das im prinzip auch nur von den römern abgschaut haben (via appia...)

Laternisieren?

Das Ergebnis ist aber auch bekannt, nicht wahr?

die wirkung ist endgültig :-)

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