Manchester United gegen City zu cool

9. Dezember 2012, 19:03
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Rekordmeister biegt Titelverteidiger in dessen Revier - Everton dreht Spiel gegen Tottenham in Nachspielzeit

Manchester United setzte sich am Sonntag im Spitzenspiel der Premier League beim Stadtrivalen Manchester City mit 3:2 (2:0) durch. Nach der 16. Runde haben die Red Devils somit bereits sechs Punkte Vorsprung auf ihre Nachbarn. Die sehenswerte Partie im Etihad-Stadion erlebte vor 47.000 Zusehern zahlreiche Wendungen und Höhepunkte.

Im zweiten Top-Spiel des Sonntags trennten sich Everton (nun 4.) und Tottenham (5.) mit 2:1 (0:0). Clint Dempsey (76.) brachte die Spurs zwar in Führung, doch Steven Pienaar (91.) und Nikica Jelavic (92.) sorgten im Goodison Park für einen späten Umschwung zugunsten der Toffees.

Liverpool arbeitet sich in die Top 10

Den Abschluss der Runde gab es im Upton Park, wo West Ham United im Tabellenmittelfeld-Duell Liverpool empfing. Die Reds entschieden das Match mit 3:2 (1:2) für sich und überholten die Hammers damit in der Tabelle. Sie liegen nun an zehnter Stelle, nur vier Punkte von einem Champions League-Platz entfernt.

In Abwesenheit des gelbgesperrten Luis Suarez brachte Glen Johnson Liverpool mit einem Traumschuss in Führung. Die Gastgeber drehten das rasante Spiel vor der Pause durch etwas glückliche aber verdiente Treffer von Mark Noble und einem Eigentor von Steven Gerrard um.

Nach dem Seitenwechsel wirkte die Mannschaft von Sam Allardyce zwar lange souverän. Tore von Joe Cole und ein ebenfalls unglückliches Eigentor von James Collins ließen das Spiel allerdings ein zweites Mal kippen, ehe es das Team von Brendan Rodgers souverän nach hause spielte.

Temporeiches Derby in Manchester

Das Match in Manchester begann ganz nach dem Geschmack der Gastgeber. Die Blues dominierten in der ersten Viertelstunde mit 80 Prozent Ballbesitz den Gegner. Die beste Chance in dieser Phase vergab Mario Balotelli, der einen schwierigen Halbvolley allein vor dem Tor aber nicht in diesem unterbrachte (11.).

United setzte auf Konter. Und ein solcher stellte in der 16. Minute den Spielverlauf komplett auf den Kopf. Aus dem ersten nennenswerten Angriff machte Wayne Rooney das Maximum, schob den Ball von der Strafraumgrenze brillant gegen den Lauf von Joe Hart genau ins Eck. Zur bitteren Pille für ManCity kam auch noch Lebertran hinzu: Kapitän Vincent Kompany musste nach 20 Minuten anscheinend verletzt vom Platz. 

Doch damit nicht genug

In geladener Atmosphäre bliebt das Spiel höchst aufgeweckt. Sergio Agüero scheiterte von der Strafraumgrenze (22.) an David De Gea. Man konnte die Miene von City-Trainer Roberto Mancini beim Einfrieren beobachten, als United den zweiten konzentrierten Spielzug erneut mit einem Tor abschloss. Wieder war es ein schneller Vorstoß, erneut war Rooney (29.) der Knippser. Es war sein 150. Treffer in der Premier League im Alter von 27 Jahren und sein 10. Manchester-Derbytor. Beide Marken hatte noch keiner erreicht.

Dieser Meilenstein zeigte Wirkung. City wirkte ratlos. Gerade erst war man als erstes englisches Team ohne Sieg aus der Champions League gedonnert, und dann lief hier trotz allem Aufwands alles schief. Man zog sich zurück, um sich zu sammeln. United glich im Ballbesitz rasch aus. Alex Fergusons Elf zeigte sonst aber keine Ambitionen, das Kommando zu übernehmen. Das Spiel plätscherte in die Pause.

City kommt zurück

Kurz nach dem Wechsel schien Mancini einmal mehr die Geduld mit Balotelli zu verlieren. Er brachte später Carlos Tevez für den frisch gebackenen Vater. Die Hellblauen waren seit dem Seitenwechsel wieder sichtlich um den Anschlusstreffer bemüht, kamen aber schlicht nicht durch die hochkonzentriert arbeitenden, teuflischen Abwehrreihen.

Zumindest bis zur 58. Minute: Da hinderte erst Rio Ferdinands Fußspitzerl Samir Nasri in höchster Not am Einschießen. Im Gegenzug meldete sich Robin Van Persie zum Dienst, setzte einen wunderbaren Heber an die Stange. Ashley Young staubte ab, doch das bis dahin souveräne Schiedsrichterteam von Martin Atkinson erkannte den Treffer wegen eines Abseits nicht an. Die Entscheidung war falsch.

Sekunden später fand das Spiel auf der anderen Seite seinen nächsten Höhepunkt: Tevez entlockte De Gea eine Glanzparade, David Silva scheiterte beim Nachschuss wieder am spanischen Keeper. Der Ball kam zu Yaya Toure und der Ivorer ließ dem Keeper diesmal keine Chance. City war wieder dran.

Am Ende gewinnt irgendwie Manchester United

Die Intensität nahm wieder zu, und mit ihr die brenzligen Situationen für den Referee. Erst übersah er ein Handspiel von Chris Smalling, dann bekam Patrice Evra keinen Elfmeter für eine federleicht interpretierte Flugeinlage im City-Strafraum (64.). Einmal ließ Atkinson den Vorteil für den aufs Tor stürmenden Yaya Toure nicht gelten (73.).

Zwischendrin stellte Evra den starken Ex-United-Stürmer Tevez kurz vor dem Abschluss (68.). Van Persie köpfelte nach längerer Zeit mal wieder einen United-Angriff über das Tor (78.), Sekunden später prallte ein Silva-Schuss von De Gea und der Stange ins Aus. Edin Dzeko kam bei den Citizens für den angeschlagenen Yaya Toure und musste Momente später vom längst verdienten Ausgleich abgehalten werden (85.). Pablo Zabaletta erledigte das bei der anschließenden Ecke allerdings für die Gastgeber, als er einen Abpraller direkt mit einem Dropkick in die Maschen knallte.

Silva (90.) und Tevez (91.) fanden weitere Möglichkeiten für den Meister vor. Manchester United hing in den Seilen und schien am Ende. Doch die Roten Teufel erhoben sich einmal mehr aus der Asche. Van Persies abgefälschter Freistoß ließ Hart keine Chance zur Abwehr (92.). Beim anschließenden Jubel kam es zu kleineren Tumulten auf der Tribüne. Nachdem Rooney einen provokanten Jubel zeigte, wurde Ferdinand anscheinend von einem Gegenstand getroffen und erlitt ein Cut. Er konnte allerdings die letzten Minuten zu Ende spielen, in denen City kein Comeback mehr gelang. (tsc, derStandard.at, 9.12.2012)

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    Wayne Rooney leitete den ManUnited-Freudentag mit zwei Toren ein.

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