Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Wenn sie Barrikaden errichteten oder Nato-Soldaten angriffen, haben sie in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit bekommen. Vielleicht auch weil der Nordkosovo der einzig verbliebene Hotspot Europas ist, sieht man von den Unruhen in Griechenland ab. Manchmal fliegen Steine, zuweilen wird geschossen, ziemlich oft werden riesige Sandhäufen und Bäume als Straßensperren eingesetzt. Auch heute, Montag, wenn an zwei von vier Grenzübergängen zwischen dem Kosovo und Serbien das gemeinsame Grenzmanagement beginnen soll, schauen alle wieder auf die Kosovo-Serben. Werden die Grenzhütten wieder brennen? Werden vermummte Hooligans aus Belgrad anreisen? Oder hat der serbische Premierminister Ivica Dačić tatsächlich alles im Griff?
Erstmals sollen nun kosovarische und serbische Beamte gemeinsam die Grenzkontrollen durchführen. Dies ist einerseits dem entschlossenen Vorgehen von Dačić, der anders als die Vorgängerregierung keine nationalistische Opposition im Nacken hat, zu verdanken, andererseits der Europäischen Union, die Serbien mit dem Kandidatenstatus als Lockmittel zum Handeln brachte. Die gemeinsame Grenzkontrolle zwischen Serbien und dem Kosovo ist eine Voraussetzung dafür, dass Serbien einen Termin für den Beginn von Beitrittsverhandlungen mit der EU bekommt. Belgrad und Prishtina haben sich unter dem von der EU geleiteten Dialog vergangene Woche auch auf wechselseitige Verbindungsbüros in den EU-Delegationen im jeweils anderen Staat geeinigt.
Das gemeinsame Grenzmanagement wurde zwar bereits im Frühjahr vereinbart, doch bislang verweigerte Serbien die Umsetzung, weil es Angst hatte, damit indirekt die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen und weil die im Nord-Kosovo lebenden Serben fürchten, in Zukunft von Prishtina verwaltet zu werden. Diese etwa 60.000 Menschen sehen das gemeinsame Grenzmanagement als eine Art Bestätigung dafür, dass sie ab nun nicht mehr zu Serbien gehören sollen. Deshalb haben einige Kosovo-Serben in den vergangenen Tagen und Nächten an den beiden Grenzübergängen im Norden demonstriert und versucht den Aufbau der Grenzhäuschen zu verhindern.
Am Freitagnachmittag lenkten die Vertreter der vier Gemeinden aber nach einem Gespräch mit Dačić und Präsident Tomislav Nikolić ein. Dačićs Worte waren dabei ungewöhnlich klar. „Niemand sollte in dem Irrtum leben, dass Serbien im Kosovo etwas zu verlieren hat, fast alles wurde bereits verloren", sagte der ehemalige Sprecher von Slobodan Milošević. Während Nikolić zusehends in die Defensive gerät und zuletzt ein Treffen mit der kosovarischen Präsidentin Atifete Jahjaga verweigerte, profiliert sich „der kleine Sloba", wie Dačić genannt wird, immer mehr als wegweisender Vertreter Serbiens gegenüber der EU. Auch das Gesprächsklima zwischen ihm und dem kosovarischen Premier Hashim Thaci gilt als sehr gut.
Den Kosovo-Serben wurde von Dačić versprochen, bis auf weiteres ihre serbischen Personaldokumente und Nummerntafeln verwenden zu können. Im Nordkosovo haben allerdings viele Autos ohnehin keine Nummerntafeln und für die Kosovo-Serben ist ohnehin eine Doppelstaatsbürgerschaft vorgesehen. Ein Zugeständnis war auch, dass keine kosovarischen oder serbischen Staatsymbole an den Grenzübergängen angebracht werden. Ein nächstes Treffen zwischen Dačić und Thaci ist für den 17. Jänner geplant.
Thaci ist indes unter Druck geraten, weil einige Tonbandaufnahmen von abgehörten Telefongesprächen zwischen kosovarischen Politikern - unter anderem von Thaci - auf Youtube auftauchten. Das Material stammt peinlicherweise von der EU-Rechtsstaatsmission Eulex, wie diese auch einräumte. Besonders unangenehm sind für Thaci die Bemerkungen über den kürzlich festgenommenen ehemaligen Verkehrsminister Fatmir Limaj, einem „Parteifreund" Thacis, der wegen Kriegsverbrechen in Untersuchungshaft sitzt. Limaj ist innerhalb der PDK, die aus der Kosovo-Befreiungsarmee UCK hervorging, eine zentrale Figur, wurde aber auch häufig mit Korruptionsfällen in Verbindung gebracht. Thaci bezeichnete Limaj in dem abgehörten Telefonat als „Banditen". Parlamentspräsident Jakup Krasniqi nannte er „Jakupovski" und spielte damit auf abfällige Art auf eine slawische Abstammung an. Die Regierung behauptet nun, die Telefonate seien gefälscht, auch wenn das selbstverständlich nicht stimmt. (Adelheid Wölfl, derStandard.at, 10.12.2012)
Florim Limaj ist Bruder des früheren Verkehrsministers Fatmir Limaj
Bei dem Treffen der Premierminister Ivica Dacic und Hashim Thaçi am Dienstag geht es um die Umsetzung des Nordkosovo-Abkommens. Läuft alles gut, könnte Serbien ab Jänner den EU-Beitritt verhandeln.
Belgrad hatte in der Vorwoche einen Lösungsplan für Nordkosovo abgelehnt
Das Kosovo-Abkommen versetzt die Serben im Norden in Wut und Angst
Kosovos Vizepremierministerin Edita Tahiri: Serbien ist weit davon entfernt, seine Denkweise zu ändern
Nein zu Vereinbarung - Kosovarische Präsidentin kündigt rasche Umsetzung an - Dacic erwartet Einigung auf Terminplan noch diese Woche
Vorschlag der EU sei nicht annehmbar - Vereinbarung mit dem Kosovo ist Bedingung für EU-Beitrittsverhandlungen
Serben strikt gegen Abkommen Belgrads mit Prishtina
Vorschlag Ashtons gegenüber Serbien und Kosovo - UNO-Verwaltung Ostkroatiens in den 90er Jahren als Vorbild
Ashton: "Kluft nur noch schmal, aber tief" - Für Serbien stehen EU-Beitrittsverhandlungen auf dem Spiel
Gesprächsrunde in Brüssel gescheitert - Keine Lösung über Frage des Nordkosovo
Bei acht Treffen konnten die Ministerpräsidenten keine Lösung finden
Thaci will Dialog fortsetzen - Serbien hat von EU vorgeschlagene Lösung für Nordkosovo abgelehnt
Nikolic äußert Skepsis gegenüber Ashtons Vorschlag zu Nordkosovo
Angebotene Lösungen würden Sicherheit und Menschenrechte der Serben nicht sichern
Berichterstatterin des EU-Parlaments: Alle EU-Staaten sollen Kosovo anerkennen - Uneinigkeit schwächt positiven Einfluss der EU
Drei Serben wurden wegen gewaltsamer Ausschreitungen im März 2008 zu Haftstrafen verurteilt
Befugnisse im Bildungs-, Gesundheits- und Justizwesen, auch eigene Medien
Treffen mit Ashton in Brüssel - Präsident Nikolic wies Vorschlag der EU zurück
Das mit EU-Hilfe vor Monaten ausgehandelte Abkommen wird seit Montag umgesetzt
Bewegung "Bashkohu" bei staatlicher Wahlkommission registriert
Das Haager Tribunal für Kriegsverbrechen hat den Ex-Kommandanten der UÇK und Ex-Premier des Kosovo, Ramush Haradinaj, für unschuldig befunden. In Prishtina rechnet man mit seiner Rückkehr in die Politik
Der ganze Balkan ist ein Fleckerlteppich kleiner Staaten, die in irgendeinem Abhängigkeitsverhältnis stehen. Die Zeiten der Unabhängigkeit und des politischen Gewichtes sind für alle (vorerst) endgültig vorbei.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen Bosnien. Nur verstehe ich nicht ganz, wieso Jugoslawien im Großen nicht existenzfähig ist und zerfallen musste, es aber im kleinen Maßstab (Bosnien) toll funktionieren soll?!??
Es gibt eigentlich nur zwei gangbare Lösungen für den Balkan: Entweder eine große Union wo alle "Opfer" bringen müssen oder ethnisch einheitliche Staaten und keiner geht keinem mehr auf den Sack. Aber ethnisch rein hier, multikulti dort und 500-Einwohner-"Staat" da, ist eine Lösung, die auf Dauer nicht gut gehen kann.
Bist doch ein schlaues Bürschchen, greif zur Fachliteratur oder einfach mal auf Youtube Club2 Jugoslawien eingeben.
Ein kleiner Schritt...
Ein Jugoslawien mit euch Teil 3 möchte ich mir ersparen wo die serbische Avantgarde den Ton angibt.
Im Endeffekt alles nur Wunschdenken, aber mittlerweile wenn ich so darüber Nachdenke ist es mir egal ob mich Brüssel, Zagreb oder Belgrad verarscht. Wobei vom letztgenannten noch weniger zu erwarten wäre Geschweige denn ein Vertrauen da wäre.
So soll jeder seine Suppe kochen und gut ist.
super recherchiert:
- "der Nordkosovo der einzig verbliebene Hotspot Europas" - nordirland kennen sie?
- "„der kleine Sloba", wie Dacic genannt wird" - ja, von ihnen und populistischen albanern, nicht aber von seriösen quellen... und zu denen kann man sie nicht zählen...
- "für die Kosovo-Serben ist ohnehin eine Doppelstaatsbürgerschaft vorgesehen" - von wem?
- "Die Regierung behauptet nun, die Telefonate seien gefälscht, auch wenn das selbstverständlich nicht stimmt" - haben sie selbst die authentizität dieser bänder überprüft?!
ein wirklich "toller" beitrag - von objektivität weit entfernt...
da haben sie recht... aber dieser artikel ist mmn auf niveau der "österreich" oder "heute". mit journalismus hat das wenig zu tun... eher mit tagebucheinträgen einer parteiischen person, die ereignisse nur aus der perspektive eines wirtshaustisches erkennen kann... leider...
Fairerweise muss man aber zugeben, daß sich der Standard zumindest ein wenig bemüht objektiver zu sein. Man sollte schon bei der Wahrheit bleiben.
Da gibt es viel schlimmere in der deutschen/österreichischen Medienlandschaft. Wenn zB über die Ustascha-Verbrechen berichtet wird (seeeeeeeeehr selten), dann werden die Serben als Opfer unter vielen erwähnt. Bei der Zahl der Opfer greift man gerne auf die niedrigste erfasste Zahl zurück oder auf Wörter wie "angeblich", "vielleicht" und "wahrscheinlich". Fotos werden falsch betitelt und gewisse historische Umstände schlichtweg ignoriert.
Andersrum ist alles exakt gegenteilig. Da wird alles perfekt "recherchiert" und wiedergegeben.
Ist halt so ... man gewöhnt sich daran mit der Zeit :-)
Lassen sie die Ö Medienlandschaft aus dem Spiel hier wird der Krieg aufgearbeitet im Gegensatz zu den Ex YU Balkanstaaten.
Wie wurde denn nach 1945 die Geschichte durch Tito denn aufgearbeitet?
Gar nicht weil es verboten war darüber zu sprechen, wers Maul aufgerissen hat landete auf Goli Otok oder sonst wo von den Verbrechen an den Donauschwaben ganz zu sprechen die förmlich liquidiert wurden von dem Tyrannen.
Die Serben sehen sich nur als die Guten im 2WK nur leider sehen sie die Sache nicht Objektiv genug wenn es um den Namen Nedic geht. Und nicht alle Kroaten waren Faschisten die in diesem Marionettenstaat ihr Leben lassen mussten. Viele haben sich den Partisanen angeschlossen.
na gut, wenn sie die kennen.
ich finde einfach, dass der standard sich leider immer seltener als "qualitätszeitung" beweist und immer mehr schlecht recherchierte, populistische, einseitige, ... berichte und artikel liefert/druckt.
und von wegen "da gibt es viel schlimmere" und/oder "ist halt so ... man gewöhnt sich daran" - diese ("jo mei"-) mentalität ist, meiner meinung nach, grund dafür, dass sich in Ö - wenn überhaupt - dann nur ein hauch von nichts ändert/entwickelt. (jetzt mal abgesehen vom aufblühen der korruption in den letzten jahrzehnten.) in nahezu egal welchem bereich oder belang.
Mit "Wahrheit" meine ich, daß der Standard zumindest hin und wieder versucht objektiver an das Ganze heranzugehen.
Aber 100 Jahre antiserbischer Einstellung (als Folge des ersten Weltkrieges) sowie 25 Jahre regelrechter antiserbischer Hysterie in den Medien, hinterlassen nun einmal ihre Spuren. Und sei es ein noch so aufgeklärter Journalist oder sonstwer. Nehmen wir nur den 1. Weltkrieg her. Alle Menschen in Ö wissen, daß die Serben schuld sind, weil sie - böse wie sie sind - den Thronfolger ermordet haben. Das Österreichs Feldzug gegen Serbien fast 1/3 des Gesamtbevölkerung hinwegraffte - also ein Massenverbrechen schlechthin - weiß so gut wie niemand. Schlimmer noch: Es gibt nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag dazu. Gar nichts.
Der serbische Terror begann schon im SHS Staat und unter der serbischen Königsdiktatur.
Stjepan Radic lässt grüssen.
Deswegen sollte man die Sache ruhen lassen, solange Serbien keinen Liberalen Weg einschlägt und Nationalistische Töne spuckt (siehe Regierung inkl. Nikolic) wird es keinen Frieden geben.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.