Das Remis der Umschaltbiester

8. Dezember 2012, 23:43
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Das Duell der Austria-Verfolger endet mit 1:1 und also einem Sieg der Wiener. Sturm geht durch Sukuta-Pasu in Führung, Mané kann für die Salzburger ausgleichen

Graz - Der Schnee hatte Graz weitgehend ausgelassen, die Rasenheizung bullerte brav. Die Bedingungen waren für Anfang Dezember also wohl so gut, wie sie eben sein können. Da kann sich sogar ein Winterkick beinahe als Spaßmacher behaupten, auch wenn kleine Orkanböen auf dem Tribünendach abgelegten Schnee stetig über den Plan wehen ließen.

Im Unterschied zu einigen potenziellen Zuschauern (lediglich etwa 10.000 waren erschienen) wird das die Herren Peter Hyballa (Sturm) und Roger Schmidt (Salzburg) aber kaum gekümmert haben. Beide sind gefestigte Persönlichkeiten, die, insbesonders was das Fachliche betrifft, über unerschütterliche Vorstellungen verfügen. Jung und einem durchaus emotionalen Coaching-Stil verpflichtet entsprechen beide einem Trainertypus, der gerade in der deutschen Bundesliga für Furore sorgt. Nicht unbedingt glänzende Spielerkarrieren, sondern ausgewiesene Kompetenz sowie längerer Praxisnachweis abseits der großen Bühnen und/oder im Nachwuchsbereich zeichnen ihn aus. 

Sukuta-Pasu errollt die Führung

Hyballa und Schmidt könnten, philosophisch gesehen, als Umschaltbiester bezeichnet werden. Ihre Teams werden darauf getrimmt, aktiv nach dem Ball zu streben und sodann in schnellen Zügen mit möglichst wenig Kontakten den Abschluss zu suchen. Salzburg, den Schlachtplan ordentlich befolgend, verlegte sich also ab Anpfiff auf hochstehendes Stören des Sturm'schen Aufbaus. Trotzdem musste der eigene Schlussmann als Erster tätig werden - Walke bändigte einen abgefälschten Schussversuch von Sukuta-Pasu. 

Den Grazern, dank einer Erfolgssträhne von zuletzt fünf Siegen und drei Unentschieden unübersehbar von sich selbst überzeugt, gelang es jedoch rasch, Sand ins Getriebe des Gegners zu streuen. Nach einem Corner ging Kaufmann an einer Menge unterkühlter Salzburger und zuletzt auch am zu zögerlichen Schiemer vorbei, legte herein auf den am Fünfmeterraum postierten Sukuta-Pasu, der aus nächster Nähe mühelos die Führung errollte (8.).

Nun kam Sturm die kompakte Orientierung in einem 4-4-2 mit allein Kainz, Okotie und Sukuta-Pasu als uneingeschränkten Offensivkräften so richtig zu Gute: die Rhythmuswechsel erfolgten präzise, Salzburg wurde auf ein eigentlich unbedingt zu vermeidendes Geschiebe reduziert und gleichzeitig mit seinen eigenen Mitteln immer wieder tief in der eigenen Spielhälfte in Verunsicherung getrieben.

Verjüngung - und wie!

Schmidt hatte die jüngste Elf der Red-Bull-Ära aufgeboten, das Durchschnittsalter betrug lediglich etwas über 23 Jahre. Maßgeblich trug dazu Valentino Lazaro bei. Der gerade 16 Lenze zählende Mittelfeldspieler mit GAK-Wurzeln und barockem Haarschopf, stand zum ersten Mal von Beginn an auf dem Platz. Sogar die Ausführung von Eckbällen wurde ihm gleich überantwortet. Das Salzburger 4-2-3-1 erwies sich als stürmerloses, da sich Soriano immer wieder zurückfallen ließ. 

Der Meister wusste mit seinem häufigen Ballbesitz (60 Prozent vor der Pause) nichts anzufangen, auch weil (im Gegensatz zu den Grazern) Initiative über die Flügel fehlte und die Mitte dicht zugestellt war. Eine Ausnahme bestätigte die Regel: Mané mit Zuspiel in die Tiefe auf Berisha, der den leicht hinter ihm befindlichen Soriano erspähend, ideal zurücklegte. Doch der Spanier schaffte es, unbedrängt das lange Eck zu verfehlen (17.). 

Sturm? Direkter, entschlossener und auch geistig beweglicher umgab man den Knochen der Führung im Nachhinein mit immer mehr Fleisch. Beispiele: Klem wurde zu Unrecht aussichtsreich stanglpassend wegen Abseits zurückgepfiffen (25.). Kurz danach war es erneut Klem, der auf der linken Seite Klein hinter sich ließ - und diesmal verbot ihm niemand das Passen. Empfänger Okotie rutscht erst zwar aus, die Salzburger erlaubten ihm aber gütigerweise einen zweiten Versuch. Und nach einer verunglückten Klärungsbemühung Schiemers durfte es auch Kaufmann noch versuchen (28.).

Kurz vor der Pause dann noch Aufregung auf der anderen Seite, als Mané von Ehrenreichs Hand auf seiner Schulter zu Boden gezwungen wurde. Obwohl diese dort selbstverständlich nicht hingehört, eine doch eher verblüffende Wirkmächtigkeit. Schiedsrichter Krassnitzer versagte vielleicht auch deshalb einen Elfmeter (42.).

Ein üblicher Rückfall

Nach Wiederbeginn schien zunächst alles beim Alten. Der kurzentschlossene Kainz fand Okotie in der Schnittstelle der Salzburger Abwehrreihe, der agile Stürmer gab jedoch durch eine etwas zu ausschweifende Selbstvorlage Walke noch die Gelegenheit zur Rettung ( 50.). Dann wurde aber rasch offensichtlich: Sturm rutschte zügig in seinen mittlerweile schon traditionellen Durchhänger, organisierte Formationen verwandelten sich in Haufen am Rande des Chaos.

Dazu gesellte sich jetzt auch endlich Salzburger Unbedingtheit, zusammengenommen das Rezept für deutlich zunehmende Chancendichte auf Seiten der Gäste. Nachdem Ehrenreich den Ball verloren hatte, fand sich Berisha nach endlich klappendem Direktspiel (Soriano!) völlig allein vor Tormann Focher, vollbrachte jedoch das Kunststück, den Ball an die Stange zu setzen. Abstauber Mané stand klar im Abseits (53.). Dann schupfte Soriano in den Strafraum, wo sich der kurz zuvor eingewechselte Teigl die Initiative erkämpft und schließlich Mané im Rücken der Abwehr den mittlerweile folgerichtigen Ausgleich köpfelte (66.).

Die Grazer, die sich bis zu diesem Zeitpunkt fast vollständig die Schneid hatten abkaufen lassen, versuchten nun doch ihrerseits eine rasche Antwort. Ein etwas zu hoch angetragener Weitschuss von Kapitän Madl hätte sie auch beinahe gegeben (68.). Walke rettete bei einem Schuss des auf ihn zustürmenden Okotie (75.). Kurz vor Schluss zog Klem Teigl im Strafraum den Fuß weg, das Ausbleiben eines absolut zu rechtfertigenden Elferpfiffs hatte sich der Salzburger durch sein überspanntes Abheben möglicherweise zum Teil selbst zuzuschreiben.

Hyballa versuchte mit der Hereinnahme von Bukva (77.) und Szabics (88.) seiner Offensive noch einmal mehr Gewicht zu verleihen, doch die bei nie nachlassender Intensität zunehmend fehlerhafter werdende Partie klang in Stückwerk aus. Salzburg liegt eine Runde vor der Winterpause bereits sieben Punkte hinter der Austria. (Michael Robausch, derStandard.at, 08.12.2012)

Bundesliga, 19. Runde, Samstag

SK Sturm Graz - Red Bull Salzburg 1:1 (1:0)
UPC-Arena, 10.000 Zuschauer, SR Krassnitzer

Torfolge:
1:0 ( 8.) Sukuta-Pasu
1:1 (66.) Mane

Sturm: Focher - Ehrenreich, Dudic, Vujadinovic, Klem - Madl, T. Kainz (79. Bukva), Kaufmann, F. Kainz (77. Schloffer) - Sukuta-Pasu, Okotie (88. Szabics)

Salzburg: Walke - Klein, Schiemer, Vorsah (68. Hinteregger), Ulmer - Ilsanker, Berisha - Lazaro (59. Teigl), Mané, Nielsen (77. Otubanjo) - Soriano

Gelbe Karten: Ehrenreich bzw. Vorsah, Lazaro

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    Immer voll dabei: Peter Hyballa.

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    Manchmal auf 180: Roger Schmidt

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    Immerhin intensiv: Florian Klein (Red Bull) und Florian Kainz (Sturm)

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