MI6 weigerte sich, Terroristen Al-Awlaki zu töten

7. Dezember 2012, 19:19
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Ehemaliger dänischer Doppelagent sagt, er hätte die Möglichkeiten dazu gehabt - Awlaki wurde erst später bei Drohnenangriff der CIA getötet

Im September 2011 wurde Anwar al-Awlaki, berühmter Propagandist des jemenitischen Zweiges der Al-Kaida, bei einem Drohnenangriff der USA im Jemen getötet. Die Möglichkeiten dazu hätte es schon früher gegeben, wie der ehemalige Doppelagent Morten Storm jetzt behauptet. Er hat ursprünglich für den britischen MI6 gearbeitet und es erfolgreich geschafft sich in die Terrorgruppe einzuschleusen. Deshalb hätte er auch die Chance gehabt, deren Chef al-Awlaki zu ermorden. Von den obersten Stellen des MI6 sei er jedoch angehalten worden, dies aus folgenden Gründen nicht zu tun: "Wir ermuntern weder dazu, am Jihad teilzunehmen, noch werden wir uns an Tötungen im Ausland beteiligen. Unser Ziel ist es, an geheimdienstliche Informationen zu gelangen."

Agent suchte nach Frau für Awlaki

Morten Storm wandte sich daraufhin vom MI6 ab und an die amerikanische CIA. Von der CIA wurde er damit beauftragt, eine Frau für al-Awlaki zu finden, die es dann möglich machen sollte, ihn ausfindig zu machen. Dafür bekam Storm 250.000 Dollar angeboten. Über Facebook brachte er Al-Awlaki mit "Aminah", einer muslimischen Konvertitin aus Kroatien, in Kontakt und fungierte daraufhin als Mittelsmann für deren Videobotschaften. Eines dieser Treffen, bei denen Storm Aminah eine Videobotschaft von Al-Awlaki vorgespielt haben soll, fand angeblich auch in Wien statt. Die CIA hatte geplant, einen Peilsender auf Aminahs Gepäck anzubringen, um so bei ihrem Besuch im Jemen al-Awlakis Aufenthaltsort feststellen zu können. Doch die Operation ging schief, man verlor Aminah aus den Augen.

Der gebürtige Däne Morten Storm war seit 2006 auch für den dänischen Geheimdienst (PET) tätig. Er selbst konvertierte im Gefängnis zum Islam und sagt über seine Beziehung zu Al-Awlaki: "Er war mein Mentor und Lehrer, ein guter Freund. Aber wegen des Bösen in ihm habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen."

Storm: Habe der CIA wichtige Informationen gegeben

Im September 2011 schließlich gelang es der CIA, al-Awlaki bei einem Drohnenangriff zu töten. Der US-Geheimdienst gab an, dass die nötige Information dazu von anderen Geheimdienstlern gekommen sei. Storm hingegen sagt, dass all dies ohne seinen direkten Kontakt zu Al-Awlaki nicht möglich gewesen wäre: "Die Amerikaner wollen offensichtlich nicht zugeben, dass ein Agent aus dem kleinen Land Dänemark ihnen bei dem Auffinden von al-Awlaki geholfen hat."

Al-Awlaki war einer der meistgesuchten Terroristen. In den USA aufgewachsen, soll er vor den Attentätern von 9/11 gepredigt, sowie viele weitere Terroristen mit seinen Botschaften zum "Heiligen Krieg" gegen die USA inspiriert haben. (ted/derStandard.at, 7.12.2012)

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    Archivbild vom ehemaligen Al-Kaida-Chef Awlaki.

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