Wann wird endlich das Buffet eröffnet?

Die Chefansprache gehört zur Firmenfeier einfach dazu: Rhetorik-Trainer Ingo Vogel erinnert die Festredner an Inhalte und Haltungen, die gut ankommen

Manchmal öde, manchmal an der Grenze zur Peinlichkeit, manchmal ganz gelungen, selten inspirierend - so lauten die Erfahrungen der Belegschaften mit den obligaten Weihnachtsreden ihrer Vorgesetzten oder Spitzenmanager. Rhetorik-Trainer meinen natürlich, das liege am mangelnden Rhetorik-Training. Geschickt ihre Zunft verkaufend merken sie auch an, dass es den Rednern selber ja auch meist nicht gut geht, wenn sie merken, dass jeder nur mehr zum Buffet schaut, gähnt oder irgendwas zum Anlehnen sucht. Und das Geheimnis, dass die Festrede nicht zur lästigen Pflichtübung für alle wird?

Was der Redner sagt, gilt als zweitrangig. Viel wichtiger, sagen die Fachleute, seien Aufbau und dramaturgische Gestaltung. Zuallererst aber gehe es um das Gewinnen von Sympathien. Das mag in Zeiten, in denen Chefs nicht gerade Mangel an schlechten Nachrichten für ihre Belegschaften haben, etwas schwierig sein, trotzdem: "Redner gewinnen die Sympathie der Zuhörer vor allem dadurch, dass sie authentisch wirken. Dafür muss die Rede auf den Leib geschneidert sein. Erbsenzähler, die sich als Witzbold präsentieren, sind ebenso wenig glaubwürdig wie bekannte Einzelkämpfer im verbalen Verbrüderungsakt", sagt der deutsche Rhetorik-Trainer Ingo Vogel. Also gehen die Zuhörer gleich auf Distanz.

Für alle Fälle im Advent hier die zehn Tipps zum Planen, Vorbereiten, Halten einer Rede:

  • Bereiten Sie jede Rede intensiv vor. Denken Sie auch an Ihre mentale Vorbereitung. So wie Sie sich fühlen. so verhalten Sie sich, und so wirken Sie auch.
  • Verwenden Sie besonders viel Vorbereitungszeit auf den Beginn und das Ende der Rede sowie auf die Übergänge zwischen den Passagen.
  • Halten Sie Ihre Rede möglichst frei. Formulieren Sie bei einem Stichwortmanuskript den ersten und letzten Satz aus.
  • Der Zettel als Gedächtnisstütze in Ihrer Hand sollte nicht größer als ein DIN-5-Blatt sein und aus Karton bestehen (etwa eine Karteikarte).
  • Lassen Sie Ihre Rede wie ein Feuerwerk auf das Finale zustreben, das in Erinnerung bleibt.
  • Benutzen Sie eine aktive und bildhafte Sprache, und bauen Sie möglichst kurze Sätze.
  • Suchen Sie beim Reden stets den Blickkontakt zu den Zuhörern.
  • Sprechen Sie das Auditorium immer wieder direkt an.
  • Üben Sie Ihre Rede - vor allem den Anfang und das Ende sowie die Übergänge.
  • Bewahren Sie sich ruhig einen Schuss Lampenfieber. Sie wirken dann authentischer.
  • Bedenken Sie: Eine Prise Humor würzt jede Rede. Bringen Sie sich daher vor Ihrem Auftritt möglichst in Top-Laune, zum Beispiel, indem Sie an ein schönes Erlebnis denken. (kbau, DER STANDARD, 7./8./9.12.2012)
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