Letzte "FTD": "Final Times" mit schwarzer Titelseite

7. Dezember 2012, 13:22
31 Postings

Redaktion zeigt, was sie draufhatte und -hätte - Demonstration vor dem Verlag

Hamburg - Mit einer großflächig geschwärzten Titelseite ist die "Financial Times Deutschland" am Freitag nach knapp 13 Jahren zum letzten Mal erschienen. Unter dem Logo "Final Times" stehen die Worte "Endlich schwarz" - eine Anspielung auf die schwarzen Zahlen, die die Wirtschaftszeitung nie geschrieben hat. Das "Bild des Tages" auf der Website zeigt die Redaktion, die sich vor den Gesellschaftern verneigt und um Entschuldigung bittet, weil "wir so viele Millionen verbrannt haben". Das Aus hatte der Konzern Gruner + Jahr (G + J) vor zwei Wochen offiziell bekannt gegeben.

Die letzte Ausgabe - vielerorts schnell ausverkauft - versammelt eine Auswahl der besten Recherchen, Porträts und Karikaturen. Im Editorial schreibt die Chefredaktion: "Weil wir nach all den Jahren nicht einfach so aufhören können, zeigen wir Ihnen in dieser Ausgabe noch einmal, was wir so draufhatten und noch draufhätten."

Unter der Rubrik "Letzte Worte" widmete sich die "FTD" ausführlich dem Siemens-Konzern und schloss damit den Kreis zur Erstausgabe vom Februar 2000, die auf Seite eins getitelt hatte: "Siemens plant radikalen Umbau mit Konzentration auf zwei Sparten".

Eine Seite zeigte Fotos von 309 "FTD"-Mitarbeitern. An anderer Stelle stand ein riesiges Bild, auf dem sich das Team in Trauerkleidung verneigt. Man entschuldige sich, "liebe Gesellschafter, dass wir so viele Millionen verbrannt haben. Entschuldigung, liebe Anzeigenkunden, dass wir so kritisch über Eure Unternehmen berichtet haben. Entschuldigung, liebe Pressesprecher, dass wir so oft Euren Formulierungsvorschlägen nicht gefolgt sind. Entschuldigung, liebe Politiker, dass wir Euch so wenig geglaubt haben. Entschuldigung, liebe Kollegen, dass wir Euch so viele Nächte und so viele Wochenenden haben durcharbeiten lassen. Entschuldigung, liebe Leser, dass dies jetzt die letzten Zeilen der FTD sind."

In der gesamten Ausgabe begleitet die "FTD" mit viel Ironie das eigene Aus. Anstatt die Seiten durchzunummerieren, werden die Leser fortlaufend darauf hingewiesen, dass sich die Zeitung ihrem Ende nähert: "noch 42" ist etwa auf der ersten Seite zu lesen.

Webauftritt bis zur Jahreswende

Nach Auskunft des Verlages sollen am Freitagnachmittag die letzten redaktionellen Inhalte auf die Internetseite "ftd.de" gestellt werden. Der Webauftritt werde voraussichtlich noch bis zur Jahreswende erhalten bleiben.

Demo vor Verlag

Bei den G + J-Wirtschaftsmedien stehen mehr als 300 Mitarbeiter vor einer ungewissen Zukunft. Beschäftigte der "FTD" wollen am Freitag in Hamburg vor dem Verlag demonstrieren. (APA/red, derStandard.at, 7.12.2012)

  • Die letzte Titelseite der FTD.
    foto: ftd

    Die letzte Titelseite der FTD.

Share if you care.