Telecom Italia weist ägyptischen Investor ab

Einstieg hätte 3 Mrd. Euro in die leeren Kassen gespült

Telecom Italia verzichtet auf den Einstieg eines ägyptischen Investors, der dem hoch verschuldeten Telekommunikationskonzern 3 Mrd. Euro in die Kassen gespült hätte. Als Grund nannte das Unternehmen am Donnerstagabend Vorschläge des Milliardärs Naguib Sawiris, sein Investment mit einem Strategiewechsel bei Telecom Italia zu verbinden. Nach achstündigen Beratungen empfahl der Aufsichtsrat dem Management, stattdessen intensiver über einen möglichen Teilverkauf des Kupferleitungsnetzes an den staatlichen Fonds Cassa Depositi e Prestiti (CDP) nachzudenken.

Interesse von Geschäftsleuten aus Schwellenländern

Auch andere Konzerne der europäischen Telekommunikationsbranche hatten zuletzt das Interesse von Geschäftsleuten aus Schwellenländern geweckt. So hatte Sawiris selbst im Juni seine Beteiligung an der Telekom Austria lukrativ an den mexikanischen Milliardär Carlos Slim verkauft, der wiederum auch groß bei der niederländischen E-Plus-Mutter KPN eingestiegen ist.

Bei der Telecom Austria wollte Sawiris im Rahmen einer Kapitalerhöhung zum aktuellen Marktpreis von derzeit rund 70 Cent je Aktie einsteigen. Die Ausgabe neuer Aktien hätte die Anteile der bisherigen Großaktionäre verwässert und damit ihre Einflussmöglichkeiten geschmälert. Zu ihnen zählen die spanische O2-Mutter Telefonica, der italienische Versicherer Generali und die heimischen Banken Mediobanca und Intesa Sanpaolo.

"Die Verhandlungen sind ernsthaft. Wir müssen sehen, wohin sie führen"

Nun rückt ein möglicher Teilverkauf des Festnetzes an CDP in den Fokus. Insidern zufolge bereiten die Bewertung und künftige Leitung der Sparte dabei die größten Probleme. Geschätzt wird der Wert auf bis zu 15 Mrd. Euro. "Die Verhandlungen sind ernsthaft. Wir müssen sehen, wohin sie führen", sagte eine Person aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. Die italienische Regierung ist an einem 30-prozentigen Anteil an dem Kupfernetz interessiert, über das Telecom Italia Haushalte und Unternehmen mit Telefon- und Internet-Zugängen versorgt.

Wie auch einige andere Großkonzerne in Südeuropa ist der Deutsche-Telekom-Konkurrent in der Schuldenkrise in Bedrängnis geraten. Um seine Schulden zu drücken, will er auch seine Medienaktivitäten unter dem Dach der TV-Tochter Telecom Italia Media verkaufen. Die Verhandlungen mit den zwei Bietern würden fortgeführt, teilte der Konzern mit. Ziel sei es, einen besseren Preis auszuhandeln.(APA/Reuters, 07.12.2012)

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