Nur Mini-Wachstum für deutsche Wirtschaft erwartet

7. Dezember 2012, 11:03
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Die Prognose wurde deutlich gesenkt, erst 2014 ist mit einem "robusten Wachstum" zu rechnen

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bundesbank stimmt in den Chor der Konjunkturpessimisten ein. 2013 traut die Notenbank der deutschen Wirtschaft nur noch ein Miniwachstum zu. Die gute Nachricht: Der Arbeitsmarkt scheint robust genug, um die Schwächephase zu überstehen.

Die deutsche Wirtschaft wird 2013 nach Einschätzung der Bundesbank nur noch minimal zulegen. Die Notenbank kappte ihre Prognose aus dem Sommer deutlich von 1,6 Prozent auf 0,4 Prozent. Das Wachstum dürfte "angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Teilen des Euroraums und der weit verbreiteten Verunsicherung geringer ausfallen", begründete die Bundesbank am Freitag in ihrer halbjährlichen Konjunkturprognose.

Bundesbank pessimistischer als Regierung

Für das laufende Jahr veranschlagt die Bundesbank nun eine Zunahme des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,7 Prozent. Im Juni waren die Notenbanker noch von 1,0 Prozent Wachstum für 2012 ausgegangen. Für 2013 ist die Bundesbank damit deutlich pessimistischer als die deutsche Regierung, die ein Plus von 1,0 Prozent veranschlagt.

"Es gibt jedoch die begründete Aussicht, dass die wirtschaftliche Schwächephase nicht allzu lange anhalten wird und Deutschland bald wieder auf einen Wachstumspfad zurückkehrt", befand die Bundesbank. So könnte die globale Konjunktur wieder Fahrt aufnehmen. 2014 traut die Bundesbank der deutschen Wirtschaft 1,9 Prozent Wachstum zu.

Ähnlich fällt die aktuelle Prognose der Europäischen Zentralbank (EZB) aus: Sie stimmt den Euroraum für 2013 auf ein weiteres Rezessionsjahr ein, rechnet aber damit, dass sich die Konjunktur gegen Ende 2013 allmählich erholen und 2014 wieder wachsen wird.

Kurzarbeit als Konjunkturpuffer

Schon in den vergangenen Monaten deutete sich an, dass sich Europas größte Volkswirtschaft der Krise auf dem Kontinent auf Dauer nicht entziehen kann. Nachdem sich das Wachstum in den ersten drei Quartalen 2012 stetig verlangsamte, erwarten Ökonomen für den Zeitraum Oktober bis Ende Dezember bestenfalls Stagnation.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erklärte am Freitag: "Die gute Grundkonstitution der deutschen Wirtschaft spricht aber dafür, dass sie die vorübergehende Schwächephase ohne größere Schäden insbesondere am Arbeitsmarkt übersteht." Unter anderem Kurzarbeit dürfte demnach einmal mehr als Konjunkturpuffer dienen. Die Arbeitslosenquote in Deutschland könnte sich nach Einschätzung der Bundesbank im kommenden Jahr zwar leicht auf 7,2 Prozent erhöhen, sie sollte dann aber wieder auf 7,0 Prozent zurückgehen.

An der Preisfront erwartet die Bundesbank trotz weit geöffneter EZB-Geldschleusen keine dramatischen Entwicklungen - im Gegenteil: Der Anstieg der Verbraucherpreise könnte sich abschwächen - von 2,1 Prozent im laufenden Jahr auf 1,5 Prozent 2013 und 1,6 Prozent 2014. Damit läge die Inflation unter der EZB-Zielmarke von 2,0 Prozent, bei der die Währungshüter stabile Preise gewahrt sehen. (APA, 7.12.2012)

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