Roma brachen vor 1.500 Jahren nach Europa auf

6. Dezember 2012, 20:54
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Aktuelle Genstudie bestätigt Erkenntnisse aus linguistischen Untersuchungen und belegt Ursprung, Reiseroute und Vermischung der Emigranten aus Nordwest-Indien

New York - Die etwa elf Millionen Angehörigen der Roma, die heute verteilt über Europa leben, und das "Mosaik aus Sprachen, Religionen und Lebensstilen", das sie formen, geht auf eine "Gründerpopulation" zurück, die vor etwa 1.500 Jahren im Nordwesten Indiens beheimatet war. Die Ergebnisse bestätigen damit vorangegangene Erkenntnisse aus linguistischen Untersuchungen.

Gendaten von insgesamt 152 Menschen aus 13 Roma-Gruppen aus Nord-, West- und Osteuropa, die ein Forscherteam um David Comas von der Universitat Pompeu Fabra in Spanien und Manfred Kayer von der Erasmus Universität Rotterdam sammelten, legen nach dem Aufbruch der Roma aus Indien eine relativ zügige Migration durch den Mittleren Osten und den Kaukasus nahe.

Die Population der Gründerväter und -mütter schrumpfte auf dem Weg in Richtung Europa zunächst stark, zeigten die Analysen weiter. Die Roma blieben während ihrer Migration weitgehend unter sich. Im Erbgut fanden die Forscher nur wenige Spuren von Angehörigen anderer Völker, denen die Roma auf ihrem Weg begegnet sind, etwa aus dem Mittleren Osten, dem Kaukasus oder aus Zentralasien.

Entlang zweier Linien über Europa zu verteilt

Vor etwa 900 Jahren begann sich die Volksgruppe vom Balkan aus in einer westlichen und einer östlichen Linie über Europa zu verteilen, schreiben die Forscher im Fachblatt "Current Biology". Was die Vermischung mit Europäern angeht, zeigt sich ein heterogenes Bild: Während es bei Gruppen in Mitteleuropa und am Balkan jüngst mehr Vermischung zu geben scheint, deuten die Daten aus Litauen und von der iberischen Halbinsel auf weiter zurückliegende Vermischung und Isolation in jüngeren Zeiten hin.

Die Marginalisierung von Europas größter Minderheit scheint auch ihre Sichtbarkeit in wissenschaftlichen Studien beeinflusst zu haben, sagen die Studienautoren über die Roma. Das Verständnis ihres genetischen Erbes sei aber notwendig, um eine genetische Charakterisierung aller Europäer abzuschließen. (pum/red, DER STANDARD, 07.12.2012)

  • Historische Aufnahme einer Roma-Familie im Planwagen auf einer Landstraße im Rheinland (1935). Aktuelle Genanalysen haben nun bestätigt, dass sich ihre Vorfahren vor rund 1.500 Jahren von Indien aus auf den Weg nach 
Europa machten.
    foto: deutsches bundesarchiv, bild 183-j0525-0500-003 / cc-by-sa

    Historische Aufnahme einer Roma-Familie im Planwagen auf einer Landstraße im Rheinland (1935). Aktuelle Genanalysen haben nun bestätigt, dass sich ihre Vorfahren vor rund 1.500 Jahren von Indien aus auf den Weg nach Europa machten.

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