Athen zittert um Gelingen des Schuldenrückkaufs

6. Dezember 2012, 19:14
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Bedingung, damit Athen das beschlossene Milliarden-Rettungspaket bekommt

Athen - Für Griechenland geht es am Freitag wieder einmal ums Ganze. Der Schuldenrückkauf muss gelingen - denn das ist die Bedingung, damit Athen das beschlossene Milliarden-Rettungspaket bekommt.

Kurz vor Ablauf der Frist für den Schuldenrückkauf Griechenlands ist der Ausgang höchst ungewiss. Es liefen intensive Verhandlungen, hieß es am Donnerstag aus nahestehenden Kreisen in Athen. Der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras wollte am Abend mit den Vorständen der griechischen Banken beraten, berichtete das staatliche Fernsehen. Athen hatte vergangenen Montag das Angebot für den Rückkauf griechischer Staatsanleihen gestartet. Es endet an diesem Freitag um 18.00 Uhr MEZ. Von dem Gelingen hängt die jüngsten Griechenland-Rettungsmaßnahmen ab.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) stufte Griechenland wegen des Schuldenrückkaufs herab, weil es dieses Vorgehen als teilweisen Zahlungsausfall bewertet.

Greifen Investoren zu?

Athen hatte vergangenen Montag den Haltern verschiedener Staatspapiere mit langen Laufzeiten Angebote von 30,2 bis 40,1 Prozent des ursprünglichen Werts gemacht. Insgesamt sollen mit zehn Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF etwa 30 Mrd. Euro an alten Schulden Griechenlands vom Markt genommen werden. Das würde den Schuldenberg Athens deutlich verringern.

Spannend ist vor allem die Frage, ob genügend private Investoren das Offert annehmen. Das Angebot ist ein wichtiger Bestandteil eines von den Euro-Ländern beschlossenen Milliarden-Pakets an Maßnahmen, um Griechenland in den kommenden Jahren zusätzlich finanziell zu unterstützen.

Zuletzt hielten Privatanleger griechische Staatsanleihen im Volumen von etwa 62 Mrd. Euro. Etwas mehr als die Hälfte davon befindet sich in den Händen von Banken und Anlegern im Ausland.

Hedgefonds pokern

Banker, die das Rückkaufprogramm aus der Nähe verfolgten, hätten Sorgen geäußert, dass Hedgefonds den Rückkauf-Deal torpedieren, berichtete die "New York Times" in ihrem Business-Blog "Dealbook". Zahlreiche Hedgefonds hätten der griechischen Regierung bereits mitgeteilt, sich nicht zu beteiligen, heißt es in dem Bericht. In Athen wurde von Anfang an befürchtet, dass ausländische Privatanleger wie Hedgefonds in Erwartung höherer Gewinne das Rückkaufangebot nicht annehmen könnten.

Viele der Finanzspekulanten sollen die Hellas-Bonds im Sommer zu Schnäppchenpreisen eingekauft haben und könnten auf weiteren Kursauftrieb oder sogar auf volle Rückzahlung zum Laufzeitende zocken. Finanzminister Ioannis Stournaras hatte für diesen Fall in der vergangenen Woche über einen "Plan B" gesprochen, dessen Details er aber nicht bekanntgab.

Arbeitsmarktlage desaströs

Vom Arbeitsmarkt kamen am Donnerstag weitere Hiobsbotschaften. Die Arbeitslosigkeit kletterte im September auf ein neues Rekordhoch. Die Arbeitslosenquote erreichte 26 Prozent nach 25,3 Prozent im August und 18,9 Prozent im September 2011, wie das Statistikamt (Elstat) bekanntgab. Insgesamt waren 1 295 203 Menschen in dem rund elf Millionen Einwohner zählenden Staat arbeitslos. Dramatisch ist die Lage vor allem für junge Menschen bis zum Alter von 24 Jahren. Jeder zweite in dieser Altersgruppe ist arbeitslos. (APA, 6.12.2012)

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