Ombudsstelle für Kinder in Heimen wird eingerichtet

6. Dezember 2012, 19:26
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Studie über Untergebrachte in Tirol

Innsbruck - Nach dem Bekanntwerden von körperlichem, sexuellem und seelischem Missbrauch von Heimkindern zwischen den 1950er- und den 1980er-Jahren hatte der zuständige Tiroler Landesrat, Landeshauptmannstellvertreter Gerhard Reheis (SP), eine Untersuchung zu den aktuellen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen in Tiroler Einrichtungen zur Fremdunterbringung in Auftrag gegeben. Die Resultate liegen jetzt vor, samt Vorschlägen zur Verbesserung: Eine permanente Ombudsstelle soll eingerichtet werden.

Heimunterbringung als Trauma

Befragt wurden neun Mädchen und fünf Burschen zwischen zehn und 23 Jahren. Für Arthur Drexler vom studiendurchführenden Institut für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung zeigte sich, dass schon die Heimunterbringung allein für sie manchmal traumatisierend war. In einem Fall sei ein Kind von der Sozialarbeiterin von der Schule abgeholt worden. Die Koffer seien bereits gepackt gewesen. "Das Kind dachte, es fahre mit der Mutter auf Urlaub, stattdessen wurde es fremduntergebracht".

Problematisch für die Kinder sei auch der häufige Wechsel von Einrichtungen und damit Betreuungspersonen. Die Kinder seien ständigem Stress ausgesetzt und könnten sich nie mit ihrer eigenen Entwicklung auseinandersetzen. In den Einrichtungen gebe es auch kein klares Konzept zu Partnerschaften und Sexualität und damit viel "Verdrängung". Gewalterfahrungen kämen meist aus der Herkunftsfamilie.

Betont wurde die hohe Qualität der Befragungen. Diese wurden erst mit Leitfaden geführt und zwei Wochen später wiederholt. Damit sollten "Momentaufnahmen verhindert" und eine "Objektivierung" der Situation ermöglicht werden: Als Grund lage, um - so Reheis - neben der weiteren Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe auch an der Verbesserung der Situation der 449 in 22 Einrichtungen fremduntergebrachten Kindern zu arbeiten. (ver, DER STANDARD, 7./8./9.12.2012)

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