Hand ins Feuer - aber ja!

Kolumne |

Geht es nach Bartenstein, wird die "Unschuldsvermutung" im kommenden Jahr ihre grausige Erweiterung in Form des Selbstverstümmelungsangebotes "Hand ins Feuer" finden

Die Worte und Unworte des Jahres 2012 stehen fest, Zeit also, mit dem Ansparen für das Jahr 2013 zu beginnen. Den Grundstein dazu hat dankenswerterweise ein Mann gelegt, der dessen Ende nicht mehr als Politiker erleben wird, einer der geistigen Mitbegründer der glorreichen schwarz-blauen Koalition, ihr Wirtschaftsminister und nostalgischer Paladin bis heute, Martin Bartenstein. Geht es nach ihm, dann soll die "Unschuldsvermutung" im kommenden Jahr ihre grausige Erweiterung in Form des Selbstverstümmelungsangebotes "Hand ins Feuer" finden. Ermuntert vom Korruptionsverdacht um den Kauf der Eurofighter und die ihn versüßenden Gegengeschäfte sagte er: "Für Schüssel und mich lege ich die Hand ins Feuer."

Beflügelt von der erhofften Wirkung eines partiellen Autodafés auf eine glaubensschwache Öffentlichkeit, beeilte sich der Mann, für den Bartenstein außer für sich die Hand ins Feuer zu legen bereit steht, laut Kleiner Zeitung am Dienstag nachzulegen, dafür, dass die ÖVP von EADS etc. keinen einzigen Cent erhalten habe, sei er "sogar bereit, die Hand ins Feuer zu legen". Auffallend an dieser Leidensbereitschaft, die der des heiligen Laurentius bedenklich nahekommt, ist, dass Bartenstein sie für sich und den ÖVP-Obmann, der ÖVP-Obmann sie für die ÖVP darzustellen bereit ist, alle anderen Figuren, die dieser Koalition ihren Hautgout verliehen, von ihrer heilenden Wirkung aber ausgeschlossen bleiben.

Die damit genährten Zweifel in das Personal, ohne das es eine schwarz-blaue Koalition nicht gegeben hätte, könnten entweder aus der Einsicht erwachsen sein, dass nicht jeder Feschak vom Wörthersee den spirituellen Anforderungen eines Gottesurteils gewachsen sei, der sich schon von irdischen Gerichten unschuldig verfolgt fühlt - oder aus dem verschämten Eingeständnis, man habe zur Rettung der Koalition Korruption wegschauend in Kauf genommen.

Für die zweite Möglichkeit spricht, dass Wolfgang Schüssel beim jüngsten Ansatz, sein blechernes Schweigen zu erbrechen, die Gedankenfigur der Kaum-Vorstellung in die Suche nach den Worten und Unworten des neuen Jahres einbrachte. Er könne sich "kaum vorstellen", um die Flugzeug-Gegengeschäfte könnte es zu Schmiergeldflüssen gekommen sein. Nun hat es wenig Sinn, jemandem beschränktes Vorstellungsvermögen vorzuwerfen, aber zumindest an einer die Betriebsschließung lang überdauernden Betriebsblindheit ist "kaum" zu zweifeln. Nicht nur, was die Eurofighter-Geschäfte, sondern auch, was die Verscherbelung der Buwog und andere Geschäfte betrifft.

Um der irdischen - und göttlichen - Gerechtigkeit willen sei die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, Schüssels und Bartensteins christliches Angebot, mit ihren Händen im Feuer für die Wahrheit einzustehen, sei das Mindeste, was sie zu einer Ermunterung der Justiz beitragen wollen. Kurzes Verfahren, klares Urteil, kein Verschleppen, weil Berufung zwecklos. Ein Gott, der besser in die Herzen sieht als jeder Richter, wird Märtyrer zu schätzen wissen. Und ganz Österreich die Handreliquien, wenn die Nation im internationalen Korruptionsindex vom Platz 25 vielleicht doch wieder auf Rang 16 vorrückt. (Günter Traxler, DER STANDARD, 7.12.2012)

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"für schüssel und mich lege ich die hand ins feuer"

eine hand vom schüssel oder doch eine eigene ?

is schon gut, gut...

es ist kein geld geflossen, es wurde vielmehr überwiesen...

Wenn Schüssel für irgendjemand die Hand ins Feuer legt, dann wird er Brandwunden 4ten Grades (=Verkohlung) davontragen. In weiterer Folge wird diese Hand sicher nie wieder aufgehalten werden können.

"die Hand ins Feuer legen"?
Die Schlawiner haben wohlweislich nicht dazugesagt, wessen Hand sie ins Feuer legen wollen. Ich kann mir "kaum vorstellen" dass sie die eigene gemeint haben.

nein, nein, Bartenstein hat schon die eigene Hand gemeint, ganz klar - allerdings war das eben genau jene Rhetorik, welche wir auch von damals kennen: Die Wirksamkeit beim Zuhörer, auf welche man spekuliert, ist alles.

Die Korruption hat immer einen Vorlauf in den Bewußtseins-Haltungen. Nämlich darin, sich selbst die zweckdienlichen Lügen zu glauben, in der Überzeugung, dass man - was ja ganz realistisch ist - nur dann die anderen vom Wahrheitsgehalt der Lügen überzeugen wird können, wenn man auch selbst ganz, ganz fest daran glaubt, und es wirklich glaubt (und vielleicht diesen Glauben sogar daran testet, dass man das genaue Gegenteil der behauptet Wahrheit tut oder weiß... - auch das ist solchen Leuten, solchen Spielernaturen zuzutrauen).
Ich persönlich halte Bartenstein, wenn er so spricht, wie auch Schüssel und Andreas Kohl für Geistertänzer des 21.Jhdts.

Zu gut um wahr zu sein.

"Partielles Autodafé", ein herrlicher Ausdruck.

Vielen Dank für diesen Kommentar.

Danke, Herr Traxler, für Ihre Kolumne.

Inhaltlich und sprachlich immer wieder ein Genuss.

herrlich

ein genuss dies zu lesen!

Traxler, gut wie immer!!!

wer ein herz hat, schwarz und hart wie kohle,

für den sind verkohlte hände nur die logische weiterentwicklung!

ähnliche methoden könnten auch angewendet werden, um frau karl eine antwort auf die frage "wer war für die zunehmende korruption verantwortlich" zu entlocken.

peinlichstes winden.

Hat nicht Pilz bei der Diskussion daraufhin gemurmelt:

"schad um die Hand..."

Ich fand die Antwort ziemlich witzig.

Pilz wirkte überhaupt in dieser Diskussion auffällig und ungewohnt souverän. Nichts von seinem sonst eher wehleidig-raunzerisch-angriffigen-paranoiden Tonfall - sondern er verbreitete glaubhaft eine Atmosphäre, dass er genug Fakten weiß, welche sonst nur die Staatsanwalt hat, bzw. bekommt...

"Schade um die schöne Hand" - war die gelungene Schlußpointe dabei, umsomehr als Pilz kein weiteres Wort mehr dazu sagte.

Peter Pilz ist meist souverän.

Man kann ihn sympathisch finden oder auch nicht, was er sagt hat aber immer Hand und Fuß.

"schad um die Hand", die man dann beim nächsten Deal nicht mehr aufhalten kann...

Sie sind eben leicht zu unterhalten!

Was verhilft Bartenstein und Schüssel zu ihren realitätsfernen Aussagen? Phantasie:

Die Phantasie ist die schönste Tochter der Wahrheit, nur etwas lebhafter als diese.

Carl Spitteler (Pseudonym: Carl Felix Tandem)

Man sollte das gute Ritual in realitas wieder zur Anwendung bringen!
Hand ins Feuer, und wenns brutzelt ist die Schuld bewiesen;
Alternativ koennte auch der Holzhexen-Wasser-Test angewandt werden, oder die Augurenschau am offenen Herzen...

Die VP sollte sich kaum dagegen aussprechen, entspricht diese Jurisdiction doch den altverwurzelten Werten goettlicher Wahrheit & christlicher Transparenz?

warum riechts da bloß so angebrannt?

wunderbar,

vom autodafé bis zu den handreliquien.

Tränen vor Lachen. Wahnsinn, der Traxler

traxler facht die glut an, ...

in die bartenstein seine hände legt.

chapeau!

traxler facht die glut an,

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