ÖBB: Großer Bahnhof für den Fahrplanwechsel

  • Vier Gleise des neuen Wiener Hauptbahnhofes öffnen am Sonntag ihre Bahnsteige. Der Fernverkehr kommt 2014.
    foto: apa/öbb/ zenger

    Vier Gleise des neuen Wiener Hauptbahnhofes öffnen am Sonntag ihre Bahnsteige. Der Fernverkehr kommt 2014.

Frage und Antwort: Was sich mit dem Stichtag 9. Dezember auf Österreichs Schienen alles ändert

Bei den Zugfahrplänen gibt Europa den Takt an. Am Sonntag ist wieder einmal Fahrplanwechsel. Heuer erstmals dabei: die superschnelle Verbindung zwischen Wien und St. Pölten und der Wiener Hauptbahnhof. Doch das neue Kursbuch enthält auch Nachzügler.

Frage: Warum wird der gesamte Zugfahrplan am Sonntag geändert?

Antwort: Der Fahrplanwechsel betrifft nicht nur Österreich sondern ganz Europa. Immer am zweiten Sonntag im Dezember werden die Verbindungen neu aufeinander abgestimmt. Der Regionalverkehr muss sich an den Fernverkehr anhängen. Bei dieser Gelegenheit wird auch gleich der erste Teil des neuen ÖBB-Hauptbahnhofes in Wien in Betrieb genommen.

Frage: Welche Züge bleiben ab Sonntag am Wiener Hauptbahnhof stehen?

Antwort: Vorerst werden nur vier Gleise mit Bahnsteigen und ein Durchfahrtsgleis genutzt: Die Schnellbahnlinie S80 führt nun ohne Umsteigen (der provisorische Ostbahnhof wird geschlossen) von Hirschstetten über die Pottendorfer Linie bis Wiener Neustadt. Das gilt auch für die S60 von Bruck an der Leitha nach Hütteldorf. Auch die Regionalexpresszüge von Bratislava bis Deutschkreutz werden künftig hier halten. Erst im Dezember 2014 werden auch Fernzüge den zentralen Durchgangsbahnhof beehren. 2015 soll das eine Milliarde Euro teure Prestigeobjekt mit allem Drumherum fertig sein.

Frage: Wo halten bis 2014 Fernzüge?

Antwort: Der Bahnhof Wien-Meidling (Philadelphiabrücke) bleibt vorerst Anfang bzw. Ende der Südbahn nach Graz und der Ostbahn nach Ungarn. Außerdem halten in Wien-Meidling seit dem Abriss des Südbahnhofes Eurocity-Züge nach Tschechien, Polen und Deutschland. Der Westbahnhof bleibt bis 2014 das Haupttor für Zugreisen nach Westösterreich und darüber hinaus nach Deutschland, in die Schweiz, nach Frankreich und Belgien. Ab 2014 wird die Weststrecke durch den Lainzer Tunnel direkt zum Hauptbahnhof führen, der gerade erst renovierte Westbahnhof bleibt für den Pendler- und Regionalverkehr erhalten.

Frage: Welche Verbesserungen kommen mit dem Fahrplanwechsel?

Antwort: Die neue, 2,8 Milliarden Euro teure Hochleistungsstrecke zwischen St. Pölten und Wien bringt kürzere Fahrzeiten: Wien-St. Pölten im Railjet in 25 Minuten (bisher 40), im Intercity 31 Minuten (45), in der privaten Westbahn 29 Minuten (43). Schnellere REX-Züge werden auch Pendler erfreuen (z. B. Ybbs-Wien 19 Minuten Ersparnis). Auch der aus der Pixendorfer Prärie gestampfte Bahnhof Tullnerfeld ist eine Bereicherung für Pendler. Gewöhnungsbedürftig ist, dass ÖBB-Züge nur Richtung Salzburg halten, die private Westbahn nur gen Wien.

Frage: Welche Verschlechterungen bringt das neue Kursbuch?

Antwort: Obwohl nun mit den modernsten Zügen über den Semmering gefahren wird, verlängert sich die Fahrzeit von Wien nach Graz um drei Minuten. Die letzte Abendverbindung von Graz nach Wien um 21.25 wurde zudem gestrichen, der letzte Zug geht schon um 20.25. Die Südbahnstrecke ist überhaupt der ÖBB-Nachzügler. Nach Graz und Klagenfurt zuckelt der Zug mit gerade einmal 83 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Südliche Gefilde sollen erst ab 2025 mit Koralmbahn und Semmeringbasistunnel schneller erreichbar sein. (cms, simo, DER STANDARD, 7./8./9.12.2012)

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