"Steinbrück tut sich mit dem Korsett der SPD schwer"

Interview | Birgit Baumann, 8. Dezember 2012, 08:28
  • Der Start verlief nicht gut. Nach seiner Nominierung zum SPD-Kanzlerkandidaten musste sich Peer Steinbrück wochenlang für seine hohen Nebeneinkünfte rechtfertigen.
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    foto: dpa/becker

    Der Start verlief nicht gut. Nach seiner Nominierung zum SPD-Kanzlerkandidaten musste sich Peer Steinbrück wochenlang für seine hohen Nebeneinkünfte rechtfertigen.

Am Sonntag kürt ein SPD-Parteitag Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten. Sein Biograf Eckart Lohse erklärt im Gespräch mit Birgit Baumann, warum die SPD darunter leidet, dass ihr Spitzenkandidat keinen Mannschaftssport mag

STANDARD: Peer Steinbrück hatte einen sehr holprigen Start als SPD-Kanzlerkandidat. War das in der Weise voraussehbar?

Lohse: Dass er sich als Abgeordneter mit größerer Begeisterung seinen Vorträgen als der parlamentarischen Arbeit widmete, war ja bekannt. Aber wie massiv ihm das nun anhängt, war schon überraschend. Dabei sehe ich das gar nicht als sein Hauptproblem an. Er tut sich mit dem Korsett der SPD schwer. Die SPD ist eine Partei mit vielen Empfindsamkeiten und Strömungen, aber er schafft es nur eingeschränkt, sich einzufügen. Selbst wenn er am Sonntag mit gutem Ergebnis nominiert wird, muss er noch seine Tonlage finden, damit die SPD wirklich fühlt und sagt: Das ist unser Mann.

STANDARD: In Ihrer Biografie beschreiben Sie, dass Steinbrück keinen Mannschaftssport mag.

Lohse: Und wenn, dann nur in einer kleinen Gruppe, die so denkt wie er selbst.

STANDARD: Warum wird so jemand Kanzlerkandidat?

Lohse: Er hat unbestritten fachliche Stärken und kennt sich auf den relevanten Politikfeldern wie Euro, Finanzen, Außenpolitik gut aus. Zudem kann die SPD mit ihm bürgerliche Wähler über die rote Klientel hinaus ansprechen.

STANDARD: Andererseits zeigen Umfragen, dass er bei weiblichen Wählern nicht gut ankommt. Warum?

Lohse: Steinbrück hat zwar in der großen Koalition gut mit Kanzlerin Merkel zusammengearbeitet, aber es gibt genug Beispiele dafür, dass er sich mit Frauen in der Politik schwertut. Bärbel Höhn, grüne Partnerin in Düsseldorf, musste das leidvoll erfahren. Politische Empathie ist nicht seine Stärke.

STANDARD: Wenn er im Wahlkampf den Softie-Kandidaten geben soll, ist das aber nicht authentisch.

Lohse: Das ist sein Dilemma. Sein Anspruch von "klarer Kante" kommt bei Männern mehr an als bei den weiblichen Wählern. Wenn er sich da verbiegt, wird er aber unglaubwürdig.

STANDARD: Sie beschreiben ihn als Projektionsfläche. Warum ist er das? Er ist nicht unfehlbar, wurde 2005 in Nordrhein-Westfalen abgewählt, er sah die Finanzkrise auch nicht voraus.

Lohse: Seine Art zu sprechen - mit diesem norddeutschen Idiom - erweckt immer den Eindruck der Schärfe. Er setzt Sätze wie Schnitte mit dem Rasiermesser. Das ist nicht so vernebelt wie bei vielen anderen Politikern. Und als Bundesfinanzminister unter Angela Merkel hat er den Haushalt schon eifrig konsolidiert. Es kam dann bloß die Finanzkrise dazwischen.

STANDARD: Was treibt ihn an? Warum tut er sich die Kandidatur an?

Lohse: Wenn man sich in so lichte Höhen wie Steinbrück geschraubt hat, dann hat man auch den Ehrgeiz, ein größeres politisches Gemeinwesen zu führen. Natürlich ist auch Lust an der Selbstdarstellung und an politischer Macht dabei. Aber das hat Angela Merkel auch. Der Dienst für die SPD ist ein eher nachgeordnetes Motiv.

STANDARD: Sie haben auch eine Biografie über Karl-Theodor zu Guttenberg verfasst - ebenfalls ein Ausnahmepolitiker. Gibt es Ähnlichkeiten zwischen den beiden?

Lohse: Auch Guttenberg hat seine Distanz zu Parteifunktionären und zum Parteiapparat inszeniert. Wie Guttenberg suggeriert auch Steinbrück: Ich bin unabhängig, ich bin einer aus dem Volk. Bei ihm ist es halt nicht so glanzvoll wie bei den Guttenbergs. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 7./8./9.12.2012)

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Steinbrück möchte schonmal den Investmentbanken an den Kragen. Das ist gut. Er kann Merkel wirklich herausfordern, diese Wendekanzlerin im Auftrag des Grosskapitals wirds gegen den Peer schwer haben.

Unter den konzern- und bankenhörigen Parteien in Deutschland ist die SPD der "Schmiedl" und die CDU der "Schmied".

Der Menschenfeind Steinbrück als Kandidat einer sozialen Bewegung. Die sind doch komplett hirntot.

Menschenfeind ? Ziemlich abwegig. Er ist ein gaubwürdiger, wählbarer, weil letztlich ehrilcher Kandidat. Immer geradlinig, genau das Gegenteil von Merkel. Die ist ja ein Wendehals ohnegleichen und im Sold der Finanzindustrie. Weg mit Ihr, das wäre die Losung für Europa, die sich den Finanzmärkten unterwirft. Hollande und Steinbrück könnten da sehr viel bewirken. Uns, der Bevölkerung versucht man dies
zu vermiesen...

Hr.Steinbrück ist die politische Nachgeburt Gerhard Schröders und somit ein weiterer Totengräber des Sozialismus und fest verbunden den Prinzipien des Kapitalismus und seiner Instrumente.

Stimmt nicht wirklich. Er ist glaubwürdig, die CSU willi Ihn fertigmachen da er Merkel in die Tasche steckt, bei den 1:1 Konfrontationen. So einen Gegner hatte die Deutsche Thatcher noch nie. Deshalb versucht man im Vorfeld Peer Steinbrück soviel wie möglich anzupatzen.
Wo hat dennnich merkel überall Reden gehalten ? Flossen da nicht auch ein wenig Spenden ?
Merkel muss weg !

Steinbrück ist ein guter Politiker für Deutschland aber er ist in der SPD am falschen Platz. Er passt mehr in die CDU. Er ist kompetent, durchsetzungsfähig und redet nicht um den heißen Brei.
ABER
Er hat keine Empathie für den Arbeiter am Flughafen Frankfurt der 40h-50h die Woche arbeitet und mit etwas über Hartz IV nachhause geht, befristet angestellt ist, keine Überstunden Vergütung bekommt.
Er hat 25.000 EUR in einer Stunde verdient, in den Spähren ist leicht reden das sich der Arbeiter anstrengen muss dann erreicht auch was. Wie ein zufriedener glücklicher Mensch einen Depressiven ratet: "Kopf hoch, seh das nicht so negativ". Erst wenn diese Menschen selbst in die Lage kommen, können sie Empathie für die entsprechende Person bilden.

Eigentlich die gesamte Führungsriege der SPD wäre bei der CDU besser aufgehoben.

Oder kennen Sie in der SPD einen (aktiven) Sozialdemokraten?

Eigentlich die gesamte Führungsriege der SPD wäre bei der CDU besser aufgehoben.

Oder kennen Sie in der SPD einen (aktiven) Sozialdemokraten?

Ich finde das besser, als das inhaltslose Reizwort-Geschwafel in Ö (und dass auch viel über unsere Wähler aussagt)!

Eine Dame fragt Steinbrück am Christkindlmarkt, ob er Glühwein trinke.

Er antwortet: "Was glauben Sie denn, was das ist, etwa Coca Cola?" Es ist egal, wie oft man das liest, es bleibt einfach unfaßbar schmähstad. Das ist ein W von der Waterkant.

Franz Müntefering, ehemaliger SPD Vorsitzender: "Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen"

Wolfgang Clement bezeichnete als SPD Wirtschaftsminister Arbeitslose in einer Broschüre als Schmarotzer und Parasiten. Ausserdem verbreitete er Lügen über den Mißbrauch von Sozialhilfe.
http://de.wikipedia.org/wiki/Wolf... ng_Clement

Steinbrück kassierte von einer überschuldeten öffentlichen Einrichtung für einen Plauderabend (es war nicht einmal ein Vortrag) 25 000€.

http://www.stern.de/politik/d... 22123.html

Ebenso wir Joschka Fischer als Antigrüner die Grünen übernommen hatte, so haben Antisozialdemokraten mittlerweile die SPD übernommen.

Franz Müntefering hat noch einen weiteren legendären Sager geschafft. Sinngemäß soll er, gegen Ende seiner Vizekanzlerschaft unter Merkel, gesagt haben:

'Es ist nicht fair, dass Union und SPD an ihren Wahlversprechen gemessen werden.'
http://www.derlinksbote.de/2006/08/3... zu-halten/

In einer anderen Version:
'Es ist unfair, Politiker an den Wahlversprechen zu messen'
http://www.spiegelfechter.com/wordpress... t-von-bord
(... übrigens mit einer sehr nett gemachten Neufassung der berühmten Bismarck-Karikatur "Der Lotse geht von Bord " von 1890)

Der Technokrat Steinbrück als SPD Kanzlerkandidat ist eine Schande.

Die Schande für die SPD: jemanden in die Spitzenposition zu hieven, der mit den politischen Grundsätzen der Partei absolut nix am hut hat.

Die Partei macht anscheinend

lieber irreale Politik für eine nichtexistente Parallelwelt, als erfolgreiche pragmatische Konzepte umzusetzen - zum Schaden ganz Deutschlands und seiner Arbeitnehmer.

Tja, dann wird es wohl wieder die CDU werden - gut so...

Gut nicht.

Sondern egal.

das ist das "Problem"...

bei Ihren Beiträgen - man kann leider immer nur einmal 'grün' geben.

danke.

Vielen Dank für die Blumen...

Volksverarschung auf hohem Niveau …

… denn wenn man weiß wie sehr Steinbrück den sogenannten Turbo-Kapitalismus mit ermöglicht hat, offenbar dem Filz und den Bilderbergern auch nicht sonderlich abgeneigt ist, dann gerinnt seine Aufstellung als Kanzlerkandidat zur Posse.

Seit der Finanzkrise ist die SPD sowieso nichts anderes als die fünfte Kolonne der Merkel-Junta … welchen Unterschied sollte es machen ihn zu wählen? Wer eine realistischere Darstellung der aktuellen Verhältnisse sucht, der wird hier im schwarzen Kanal fündiger:

http://qpress.de/2012/11/0... verspielt/

Scheingefechte mit Platzpatronen auf Leben und Tod des Volkes, nicht aber der Protagonisten … (°!°)

Wie mir Steinbrück und die SPD samt ihren Befindlichkeiten leidtut.

Steinbrück, der Mann der lustigerweise Reiterschwadronen gegen die Indianer (Schweiz) angaloppieren läßt. Der natürlich ein Mitschöpfer der Agenda 20 war und zur Entfesselung der Banken (Stichwort Deregulierung) massiv beigetragen hat. Und der natürlich dick dabei war als Deutschland und Frankreich die Maastricht Kriterien brachen und damit die Schleusen geöffnet haben.
Der Sozialdemokratie muß wirklich zu dieser Personenwahl gratuliert werden. Die LINKE wird es ihr danken.

die Kommunisten....

von der PDSEDieLinke sind selbst in rasantem Sinkflug begriffen - und das ist auch gut so.

:-)

Genau das bestätigen die deutschen Umfragen verschiedener Institute nicht.

Die Linke ist /leider/ stabil. Wie sich der Steinbrück-Effekt auswirkt aber noch nicht mangels Wahlen erkennbar.

zwischenzeitlich...

scheint sich der Sturzflug etwas abgeflacht zu haben, das stimmt, aber diese Truppe war mal bei 14%, jetzt dümpeln sie bei 6%.

Ja, Medienblockade sei Dank, kommt der Wähler nicht auf dumme Gedanken, sonst würden Wahlen noch was ändern.

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