"Eigentlich wollte ich nur mit dem Golfcart fahren"

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  • "An Tiger Woods fasziniert mich diese mentale Stärke, sein Biss. An McIlroy einfach sein phänomenales Spiel."
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    "An Tiger Woods fasziniert mich diese mentale Stärke, sein Biss. An McIlroy einfach sein phänomenales Spiel."

Marina Stütz spielt im neuen Jahr auf der mit rund 50 Millionen Dollar dotierten Ladies Professional Golf Association Tour in den USA

Standard: Im Sommer gewann eine 15-jährige Kanadierin ein Turnier der LPGA Tour und löste damit eine 16-jährige US-Amerikanerin als bisher jüngste Siegerin ab. Sie sind gerade 19 Jahre alt. Warum gibt es immer jüngere Siegerinnen?

Stütz: Meine Generation hat Glück. Sie profitiert von der Basis, die die Leute davor gelegt haben, was die Turniere betrifft, die Ausbildung, die Zugänglichkeit.

Standard: Sie kommen aus einer Golf-Familie. War es selbstverständlich, dass Sie auch spielen?

Stütz: Mein Großvater war Präsident des Golfclubs Tillysburg bei uns in Linz, meine Großmutter war mehrfache Staatsmeisterin. Und wir hatten ein Golfcart. Da bin ich als Kind immer mitgefahren, durfte manchmal auch lenken. Eigentlich wollte ich nur mit dem Golfcart fahren, am Spiel selbst war ich gar nicht so sehr interessiert. Aber irgendwann habe ich mich auf einen Kübel gestellt und habe die Schläger meines Vaters ausprobiert. Und dann war's bald ein Traum von mir, zu spielen.

Standard: Ist es schwergefallen, diese Karriere zu finanzieren?

Stütz: Ohne die Finanzierung durch meine Eltern wäre es natürlich niemals möglich gewesen. Sie haben das als Berufsausbildung für mich gesehen, wobei ich schon auch die Matura gemacht habe, am Aloisianum, einem Privatgymnasium. Und ich habe an der Kepler-Universität eineinhalb Jahre Wirtschaft studiert.

Standard: Sie waren als Amateurin sehr erfolgreich. Seit wann war klar, dass sie es im professionellen Golf probieren wollen.

Stütz: Nach meinem zweiten Platz bei den Europameisterschaften in Slowenien im Sommer stand fest, dass ich mich im Herbst in der Tour School der LPGA versuchen werde. Ich war ja eine gute Amateurin, ich war elffache Staatsmeisterin, ich habe im Vorjahr das American Junior Masters in Florida gewonnen. Es war logisch, diesen Weg zu versuchen.

Standard: Den kann man ja vermutlich nicht so ohne weiteres gehen. Wie verläuft der Weg, wie kommt man in die Tour School, wie funktioniert die Qualifikation?

Stütz: Man muss zuerst alle Unterlagen hinschicken, sein Handicap bekanntgeben ...

Standard: ... das da wäre?

Stütz: Es war plus 3,3. Das ist aber mit dem Wechsel in den Profibereich ja Vergangenheit, ich habe überhaupt schön geschaut wie schnell alles gestrichen wurde, alle Ergebnisse. Ich bin seit Sonntag aus allen Ranglisten draußen.

Standard: Seit Sie also die Qualifikation für die Profitour geschafft haben. Wie ist das genau gelaufen?

Stütz: Die Tour School ist ein dreistufiger Prozess, die ersten beiden Stufen gehen über vier Runden, die letzte über fünf. Angefangen haben so 250 Spielerinnen, am Schluss haben die besten 40 den LPGA-Tour-Status bekommen, die besten 20 die volle Berechtigung für alle Turniere der Tour. Ich habe den geteilten elften Rang belegt.

Standard: Was kommt da in der nächsten Saison in der höchstdotierten Serie im weiblichen Golf alles auf Sie zu?

Stütz: Ich weiß es noch gar nicht so genau. Ich habe gleich einmal eine sogenannte Rookie Orientation bekommen, eine Einschulung also. Da wird das ganze Prozedere erklärt, die Termine, die Bezahlung, die Finanzierung, die Sache mit den Caddies. Ich habe da eine dicke Mappe bekommen, die muss ich jetzt durcharbeiten.

Standard: Was kostet eine Jahr auf der LPGA Tour? Kolportiert werden 100.000 bis 150.000 Euro?

Stütz: Ehrlich, ich weiß es noch nicht.

Standard: Wie viele Turniere stehen an, wo und wann geht's los?

Stütz: Der genau Turnierplan steht gar noch nicht fest. Es werden rund 30 Turniere sein, in 17 oder 18 werde ich wohl reinkommen.

Standard: Werden Sie auch Masters spielen können?

Stütz: Beim ersten Masters bin ich sicher dabei, das ist die Kraft Nabisco Championship Anfang April in Kalifornien. Beginnen werde ich aber im Februar in Australien. Nach einer gewissen Anzahl von Turnieren wird bilanziert, ist man da unter den besten 80 der Geldrangliste, könnte man überall mitspielen. Mein Ziel muss es aber sein, die Tourkarte zu halten.

Standard: Sie werden einen Caddie brauchen, ist das eine Umstellung? Haben Sie schon einen?

Stütz: Nein, da muss man sehen, mit wem man am besten zurecht kommt. Ich werde einmal zwei, drei Turniere mit einem Caddie spielen und dann sehen. Wenn ich bisher einen gebraucht habe, ist mein Vater mit mir gegangen.

Standard: Gab es für Sie auch außerhalb der Familie Vorbilder? Wenn ja, wen?

Stütz: Ich habe immer versucht, mir die besten Dinge von diversen Leuten abzuschauen. Die aktuelle Nummer eins, Rory McIlroy, ist beeindruckend. Und Tiger Woods in sportlicher Hinsicht sowieso, oder Annika Sörenstam und Lorena Ochoa.

Standard: Was bewundern Sie an Woods, was an McIlroy?

Stütz: An Tiger Woods fasziniert mich diese mentale Stärke, sein Biss, an McIlroy einfach sein phänomenales Spiel.

Standard: Werden Sie alleine mit der LPGA Tour reisen?

Stütz: Ich fliege mit meinen Eltern am 15. Dezember in die USA, die Tour bestreite ich dann prinzipiell schon alleine, aber die Spielerinnen sind zumeist zusammen. Und ich kenne ja auch schon einige. (Sigi Lützow, DER STANDARD; 7.12.2012)

 

Zur Person:

MARINA STÜTZ (19) ist Mitglied im Golfclub Kitzbühel. Die Linzerin holte im Juli als allererste Österreicherin eine EM-Medaille. Der geteilte zweite Platz bedeutete im Vergleich zur schlaggleichen Konkurrentin nur wegen der beiden schwächeren Abschlussrunden Bronze. Seit vergangenem Sonntag ist Stütz eine professionelle Golferin.

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