Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Berlin - Es war eine der drastischsten Gewalttaten im deutschen Amateurfußball. Am 16. September 2011 wurde in Berlin ein Schiedsrichter von einem Spieler angegriffen und schwer verletzt. Mit einem Schädel-Hirn-Trauma musste Gerald Bothe mehrere Tage im Krankenhaus bleiben, zehn Minuten war er ohne Bewusstsein, nachdem er seine Zunge verschluckt hatte. Sein "Fehler" damals: Er hatte einem Spieler die Gelb-Rote Karte gezeigt. "Das war eine Todeserfahrung", sagte er wenige Wochen nach dem Vorfall.
In den Niederlanden endete ein ähnlicher Zwischenfall am vergangenen Wochenende tödlich. Nachdem mehrere Jugendliche einen Linienrichter wegen einer vermeintlichen Fehlentscheidung angegriffen hatten, starb das Opfer wenig später im Krankenhaus. Während in den letzten Wochen und Monaten meist Ausschreitungen von Fans im Profifußball die Schlagzeilen bestimmten, steht seit dem tragischen Tod von Richard Nieuwenhuizen auch das Thema Gewalt im Amateurbereich im Blickpunkt.
"In Deutschland kann ich mich an eine Form so brutaler Gewalt mit Todesfolge nicht erinnern", sagte Hermann Korfmacher, für das Amateurwesen im DFB zuständiger Vize-Präsident des DFB. Dennnoch: Auch wenn nur ein kleiner Bruchteil der Spiele, die jedes Wochenende in ganz Deutschland über die Bühne gehen, von handgreiflichen Auseinandersetzungen bestimmt wird, sind es genau diese Vorfälle, die vor allem bei den Schiedsrichtern in Erinnerung bleiben.
Wissenschaftlich aufgearbeitet wird das Thema derzeit von Thaya Vester. Die Mitarbeiterin des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen forscht im Zusammenarbeit mit dem Württembergischen Fußballverband (WFV) derzeit im Rahmen ihrer Doktorarbeit über "Gewaltphänomene im (Amateur)fußball". Mit teilweise erschreckenden Ergebnissen.
"Ich habe 2600 Schiedsrichter befragt, ob sie sich sicher fühlen. Und es ist richtig, dass Schiedsrichter fast schon als Freiwild gesehen werden, was Beleidigungen angeht. Bedroht wurden 40 Prozent der Befragten, 17 Prozent wurden tätlich angegriffen", sagte Vester im Bayerischen Rundfunk. In zwei Jahren wären das 442 angegriffene Schiedsrichter - allein in Baden-Württemberg.
Als besonders aggressiv würden von den Schiedsrichtern Trainer und Eltern wahrgenommen, betont Vester: "Das sind ausgerechnet die Leute, die Vorbild sein sollten." Deren Benehmen übertrage sich auch auf die Spieler. Deshalb haben einige Landesverbände in den Jugendklassen einen Mindestabstand zum Spielfeld eingeführt. Die direkte Ansprache an die Kinder von außen soll dadurch unterbunden werden.
"Warum genau der Einzelne austickt, ist individuell sehr verschieden und schwierig zu beantworten. Da gibt es so vieles, da hat man als Verband keinerlei Einflussmöglichkeiten", sagt Vester. Gemeinsam mit dem WFV hat die Wissenschaftlerin aber dennoch einige Präventivmaßnahmen wie eine Coaching-Zone auch in unteren Klassen, einen verpflichtenden Handschlag vor dem Spiel und einen Ordnerdienst entwickelt.
Dem Ruf nach härteren Strafen widersprach dagegen Professor Harald Lange von der Universität Würzburg. "Strafen beinhalten immer zweierlei. Erstens will man sanktionieren, andererseits hat man die erzieherische Maßnahme im Hinterkopf", sagte Lange, der auch Gründer des Instituts für Fankultur ist: "Bei allem, was wir zum Thema Jugendkriminalität und Jugendgewalt wissen, haben Strafen diesen erzieherischen Effekt nicht." Lange sieht eher einen anderen Ansatz: Nach dem Vorfall "müsse der Umgang mit Schiedsrichtern" neu diskutiert werden. (sid, 6.12.2012)
Gerade in den unteren Ligen sollte sich das Bewusstsein durchsetzen, dass die SR hauptsächlich dazu da sind, ein Spiel ordnungsgemäß durchzuführen. Die Beteiligten sollten sich mal überlegen, wie so ein Spiel aussehen würde, wenn es keine Schiedsrichter gäbe - das würde recht schnell in Streitereien und Chaos enden.
Und gerade in unteren Ligen kriegen SR kaum Geld für ihre Arbeit und machen das eher aus Begeisterung für den Sport. Dass 17% der Schiedsrichter schon tätlich angegriffen wurden, ist sehr traurig.
Die aggressive Einstellung gg SR zieht sich aber eh quer durch alle Ligen. Wenn wie letztens beim Tirol-Spiel eine Partie abgebrochen wird, weil SR beworfen werden, liest man nämlich von "Weicheiern" usw.
In NL haben nach diesem "Vorfall" wie es verharmlosend heißt bereits 100 ehrenamtliche Schiedsrichter ihr Mandat niedergelegt. Sollen sich die halbgaren Ghetto-Trotteln selbst schiedsrichtern und meinetwegen gegenseitig umbringen, völlig richtig gehandelt, meine Herren.
gewalt in jeglicher form ist zu verachten
eltern und betreuer ticken oft aus? ich erlebe als aktiver betreuer einer U15 eher die eltern, die austicken. wobei's bei den U8/9 am schlimmsten ist
und wenn der schiri zugibt, dass er gegen mein team pfeift, würde mir nie einfallen, irgendeine form von gewalt gegen ihn auszuüben. allerdings suche ich dann das gespräch nach dem spiel. antworten? bisher keine, außer "des is' mei sach".
gruß an Prof. Lange
dann schnappen Sie sich doch die ersten 15 Problemfälle, bilden mit ihnen einen Kreis, singen Sie mit ihnen die Fußballregeln und dann halten Sie einen Workshop zum Thema "Gewalt ist pfui und echt uncool" mit den Jungs ab. Wird sicherlich sehr erfolgreich sein.
dann schnappen Sie sich doch die ersten 15 Problemfälle, bilden mit ihnen einen Bootcamp, lassen sie während dem laufen die Fußballregeln singen und dann halten Sie eine Prügelstunde oder alternativ Einzelhaft mit den Jungs ab. Wird sicherlich sehr erfolgreich sein.
Man schnappt sich die ersten 15 Problemfälle, bringt sie, falls möglich, vor Gericht, erteilt ihnen lebenslanges Platzverbot auf allen Anlagen des Verbandes, sperrt sie für alle Zeiten. das spricht sich herum, und die Fälle werden weniger. Glauben Sie nicht? Dann sehen Sie sich die Statistiken an, wie wenige solcher Fälle es in den 80ern gab, als man diesbezüglich null Toleranz zeigte. Blöd nur, wenn man inoffizielle Weisungen vom vebrand bekommt, bei Spielerpaßkontrollen nachsichtig zu sein, vor allem, wenn es um Vereine geht, die nicht unter die Ausländerbeschrämkung fallen. Die Weisung wird übrigens damit begründet, daß Schiris, die da streng waren, ernsthaft gefährdet sind. Schöne Zeiten sind das, nicht wahr?
... man müsste "einfach" nur generell viel härter durchgreifen.
Letztlich ist es im Fussball einfach so, dass viele Vergehen die theoretisch bei strenger Regelauslegung ein Foul wären eben nicht gepfiffen werden, weil es die Mehrheit offenbar so haben will.
Ein "bisserl am Leiberl ziehen" im Strafraum ist für viele kein elferwürdiges Vergehen und es ist eben auch "normal", dass etliche Spieler bei umstrittenen Entscheidungen zum Schiri hinlaufen und ihm ihre Meinung mitteilen.
Das KÖNNTE man streng bestrafen; außer dem Kapitän hat sich eigentlich niemand dem Schiri auch nur anzunähern.
D.h. viele "Kleinigkeiten" lässt man derzeit durchgehen und darf sich dann nicht wundern, wenn manche zur nächsten Eskalationsstufe übergehen.
Natürlich, auf keinen Fall härtere Strafen.
Können diese Verrückten welche sich wie tollwütige Tiere aufführen doch nichts dafür.
Sind sie ja Opfer der bösen bösen Gesellschaft in welcher sie keinen Platz haben und sich nicht wohl fühlen.
Man könnte ja dann eigentlich jedes Wochenende Millionen von Orden verteilen, an jene welche sich nicht aufführen wie Tiere und einfach mit Niederlagen umgehen können wie zivilisierte Menschen.
Nach dem Herrn Professor sind ja dann anscheinend gelbe und rote Karten, Bestrafungen, auch völlig inakzeptabel.
Ja ja diskutieren, mit jemanden welcher einfach mal so jemanden tot oder halbtot prügelt weil er bei einem SPIEL ausgeschlossen wird.
Herr Professor, tanzen sie ihren Namen und verschonen sie uns.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.