Bachelor der Korruption

Erst studieren, dann schmieren

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Der letzte Korruptionsbericht von Transparency International hat selbst dem größten Optimisten klargemacht, dass das moralische Stützgebälk der Nation kracht wie eine Kaisersemmel. Binnen sieben Jahren ist Österreich im Korruptionsranking von Platz zehn auf Platz 25 abgesackt.

Da ist es dann nur ein schwacher Trost, dass wir noch Luft nach unten haben, ehe wir endgültig auf dem Niveau von Somalia dahindümpeln. Es wäre an der Zeit, eine fette gelbe Banane ins rot-weiß-rote Staatswappen hineinzureklamieren.

Andererseits: Wozu eigentlich die Aufregung? Anstatt über den Sittenverfall zu meckern, könnte man sich ja genauso gut offensiv zu den verborgenen Lebensmotti der Republik bekennen: Nur Bares ist Wahres! Pecunia non olet! Jetzt oder nie, her mit der Marie! (Dank an die EAV, die das schon 1985 so griffig formulierte).

Was uns zu unserem Glück allerdings noch fehlt, ist eine Fachhochschule für Bestechungskunde, an der junge Schmierwillige ihre Ausbildung zum staatlich geprüften Korruptionsexperten absolvieren können (auch im Fernstudium bei Humboldt möglich).

Denn: Bestechen will gelernt sein. Unsachgemäße Schmierversuche können sich leicht als kontraproduktiv erweisen. Für den Bestochenen ist es stets beleidigend, wenn er sich vom Bestechenden frech unterbewertet fühlt (Bagatellbeträge von unter 50.000 € für einen Minister etc.).

Zu viel will der Bestechende aber auch nicht ausgeben, sodass bei der Preisgestaltung Fingerspitzengefühl gefordert ist. Gerade die aktuelle Causa "Enthüller-Ernstl" ist warnendes Beispiel dafür, was beim Bestechen schiefgehen kann: Zwei britische Aufdecker wollen arglos einen EU-Abgeordneten anfüttern, nur um draufzukommen, dass nicht sie die Enthüller sind, sondern die Enthüllten! Einfach peinlich!

Weitere Lehrveranstaltungen auf dem Weg zum Bachelor des Schmierens: " Ökonomie des Gegengeschäfts", praktische Übungen zur Parteikassapflege und "Gerichtliche Ausredenkunde" ("Wenn ich profitabel anlegen will, muss ich halt mit einem Plastiksack voll Geld nach Liechtenstein reisen" ). Und natürlich das Pflichtseminar "Intransparency International - Einführung in den korrekten Bau einer Briefkastenfirma". An kundigen heimischen Vortragenden herrscht ja zum Glück kein Mangel. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 7./8./9.12.2012)

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