Nobelpreisträger Mo Yan verteidigt Zensur und schweigt zu Liu Xiaobo

6. Dezember 2012, 15:23
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Will Nobelpreisträger-Petition zugunsten des inhaftierten chinesischen Friedensnobelpreisträgers nicht unterzeichnen

Stockholm/Peking - Kurz vor der Entgegennahme des Literaturnobelpreises hat der chinesische Schriftsteller Mo Yan in Stockholm die Zensur in seiner Heimat indirekt verteidigt. Bei einer Pressekonferenz sagte der 57-Jährige am Donnerstag nach seiner Ankunft in der schwedischen Hauptstadt, es gebe Zensur in jedem Land der Welt. Unterschiedlich sei nur der jeweilige Grad. Eine diese Woche veröffentlichte Petition von 134 Nobelpreisträgern zugunsten des weiter inhaftierten chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo will Mo Yan nicht unterzeichnen.

Er sagte zur Begründung: "Wenn mich jemand zwingen will, meine Überzeugung zum Ausdruck zu bringen, dann tue ich das nicht." Auf die Frage, ob er für eine schnelle Freilassung des wegen seiner politischen Aktivitäten inhaftierten Liu Xiaobo eintrete, antwortete Mo Yan: "Lassen wir das die Zeit entscheiden." Auf wiederholte Nachfragen verwies der Preisträger auf ein kurzes Statement zugunsten der Freilassung von Liu Xiaobo, das er unmittelbar nach der Zuerkennung des Literaturnobelpreises im Oktober abgegeben habe.

Kritiker sehen Mo Yan als Mitläufer des Regimes

An der Entscheidung der Schwedischen Akademie für Mo Yan hatten sowohl namhafte exil-chinesische Intellektuelle wie unter anderem auch die deutsch-rumänische Nobelpreisträgerin Herta Müller (2009) heftige Kritik geübt. Müller warf Mo Yan unter anderem auch Befürwortung von Zensur sowie sein sehr spätes und halbherziges Eintreten für den Menschenrechtler Liu Xiaobo vor. Chinesische Kritiker stufen Mo Yan als unkritischen Mitläufer der Pekinger Parteiführung ein.

Der erste in China lebende chinesische Literaturnobelpreisträger überhaupt nahm zu diesen Stimmen in Stockholm ebenfalls nur indirekt Stellung. Er sagte: "Der Nobelpreis ist eine Auszeichnung ausschließlich für Literatur - und nicht für Politik." Die Kritiker hätten "alles Mögliche über politische Tendenzen herumspekuliert", ohne aber in der Regel seine Bücher zu kennen: "Es gibt da keine politischen Tendenzen."

Die Nobelpreise sind in diesem Jahr mit jeweils acht Millionen Kronen (925.000 Euro) dotiert und werden am Montag im Stockholmer Konzerthaus von Schwedens König Carl XVI. Gustaf überreicht. In Oslo nehmen Vertreter der EU am selben Tag den Friedensnobelpreis 2012 für die Organisation in Empfang. (APA, 06.12.2012)

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