Gentherapie soll Amputationen zukünftig verhindern

Eventuell eue Option bei schweren orthopädischen Verletzungen an den Extremitäten

Wien - Eine Gentherapie mit veränderten Stammzellen aus dem Fettgewebe und Knochenmark könnte eine neue Option für die Behandlung von schweren orthopädischen Verletzungen an den Extremitäten darstellen. Entwickelt wurde diese Therapie von Martina Hauser-Schinhan von der Universitätsklinik für Orthopädie der Medizinischen Universität inWien  während eines Research Fellowships am Center for Advanced Orthopaedic Studies der Harvard Medical School in Boston/USA. Damit könnten künftig drohende Amputationen oder massive Verkürzungen von Knochen verhindert werden.

Die neue Methode sieht vor, körpereigene Stammzellen aus Fett oder Knochenmark mit sogenannten BMP-2-Genen, die nachweislich die Knochenheilung anregen, zu manipulieren. Die mit Ad.BMP-2 genmanipulierten körpereigenen Stammzellen werden in ein Fibrin-Gel (aus Blutplasma gewonnener "Klebstoff", Anm.Red.) eingebettet, das zwischen den beiden zertrennten Knochenteilen eingebracht wird.

Schneller Heilungsverlauf

Hauser-Schinhan in einer Aussendung der MedUni Wien: "Das Ad steht für Adenovirus. Dieser Virus fungiert als Vektor, um das BMP-2-Gen in den Zellkern einzuschleusen." Die Stammzellen produzieren kontinuierlich BMP-2, wie ein Kraftwerk. Durch die Stammzellen und das BMP-2 heilt der Knochen. "Bisher waren bei gröberen Verletzungen, die wir mit der neuen Methode behandeln könnten, oft Amputationen oder Beinverkürzungen nötig", sagt Hauser-Schinhan.

Die neue Behandlungsoption wurde bereits im in-vivo-Versuch eingesetzt, klinische Studien sollen nun folgen. Die bisherigen Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Heilung binnen weniger Wochen erfolgt. Die Wissenschafterin: "Selbst bei normalen Knochenbrüchen dauert es sechs Wochen." Auch ein Einsatz bei Knochentumoren, bei denen sehr große Knochenstücke entfernt werden müssen, scheint möglich, so die MedUni-Forscherin.

Zwischen April 2011 und April 2012 forschte Hauser-Schinhan in Harvard. Das dortige Zentrum für Orthopädie unter der Leitung von Christopher Evans, der mit dem Wiener Klinikleiter Reinhard Windhager seit Jahren eng kooperiert, ist für Gentherapie und deren Einsatz für die Heilung von Defekten am Knochen bekannt. (APA, 6.12.2012)

Share if you care