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Ein malignes Gliom (unten links) im hinteren teil des Gehirns eines Patienten. Forscher aus Graz und Singapur haben nun einen Auslöser für den aggressiven Tumor entdeckt.
Graz - Forscher der Medizinischen Universität Graz haben in Kooperation mit einem Team aus Singapur den Auslöser für eine besonders aggressive Form von Hirntumoren, den malignen Gliomen, identifiziert: Die Wissenschafter konnten die Beteiligung der sogenannten MicroRNA-138 (miR-138) nachweisen. Im Tiermodell ließ sich mit einer Blockade von miR-138 das Tumorwachstum verhindern. Die Ergebnisse wurden jüngst in der Fachzeitschrift "Cell Reports" veröffentlicht.
Maligne Gliome sind die häufigsten und aggressivsten bösartigen Hirntumoren bei Erwachsenen. Betroffene haben eine mittlere Überlebenszeit von weniger als einem Jahr, selbst Operation, Bestrahlung und Chemotherapie verlängern das Leben nur um wenige Monate. Man geht heute davon aus, dass für die Entstehung spezifische Gliom-Stammzellen verantwortlich sind, die höchst resistent gegenüber den unterschiedlichen Therapieansätzen sind: Je höher die stammzellige Komponente des Tumors, desto aggressiver ist sein Wachstum und das Wiederauftreten.
Johannes Haybäck vom Institut für Pathologie der Grazer Med-Uni und seine Forscherkollegen haben untersucht, wie sich gesunde neuronale Stammzellen von Gliom-Stammzellen auf molekularer Ebene unterscheiden. Insbesondere interessierten sie sich dabei die sogenannten MicroRNAs. Diese kurzen RNA-Moleküle werden nicht in Proteine umgesetzt, sondern regulieren die Aktivität von Genen. Wird dadurch die Entstehung und Weiterentwicklung von Tumoren beeinflusst, bezeichnet man die beteiligte miR auch als OncomiR.
Am deutlichsten trat bei der Analyse ein Unterschied bei der Expression - also die Umsetzung der genetischen Information - von miR-138 zutage: Die Abschaltung von miR-138 in Gliomstammzellen hatte nämlich zur Folge, dass sich ein aggressiver Tumor entwickelte. miR funktionierte bei der Gliomentstehung also als OncomiR. "Die klinische Bedeutung liegt darin, dass die mir-138 bei Patienten mit Gliomen als prognostischer Biomarker verwendet werden können", erklärt Haybäck.
Zugleich sei miR-138 aber auch als Angriffsziel für neue Therapieansätze interessant: "miR-138 ist sicher nicht die alleinige Ursache der Tumorentstehung, aber aus unserer Sicht eine wichtige Triebfeder des aggressiven Wachstums", so der Neuropathologe. Unterstützt wird diese Annahme auch durch Tiermodelle: Dort sei bereits nachgewiesen worden, dass im Fall einer miR-138-Blockade durch eine künstliche Anti-miR sowohl das Tumorwachstum in der Zellkultur und die Tumorentstehung in vivo verhindert werden.
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