Umweltdachverband fordert Warnhinweise auf Handypackungen

Menschen müssten zu einem bewussten Umgang mit der Mobilfunktechnologie gebracht werden. Forum Mobilkommunikation zweifelt an Studien

Der Umweltdachverband fordert einer Pressekonferenz und -aussendung vom Donnerstag zufolge das Gesundheitsministerium zu einer Vorsorge- und Schutzkampagne bezüglich Mobilfunk auf. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie würde sich demnach die Zahl der Smartphones auf 3,3 Milliarden verdreifachen und die Mobilfunkanschlüsse auf 9,4 Milliarden steigen. 

Appell an Bures

Zitiert wird vom Umweltdachverband auch die Entscheidung eines italienischen Höchstgerichts, demzufolge exzessives Telefonieren mit dem Handy "zu 80%-iger Invalidität führen" könnte. Der Umweltdachverband unterstützt aufgrund dieser Ergebnisse die Plattform Mobilfunk-Initiativen in ihrer Forderung nach mehr Schutz und Vorsorge. Konkret appelliert man hier an Bundesministerin Bures, die gesetzlich bindende Grenzwerte einführen soll, beispielsweise den "Salzburger Vorsorgewert" von einem Milliwatt pro Quadratmeter Strahlenbelastung. 

Warnhinweise auf Handyverpackungen

Argumentiert wird mit der europäiaschen Forderung, Vorsorgemaßnahmen einzuführen, sobald "der glaubwürdige Nachweis erbracht wurde, dass eine bestimmte Handlung die Umwelt oder die menschliche Gesundheit belasten könnte". Zusätzlich fordern beide Organisationen eine Informationskampagne über die Gefahren des Telefonierens für die Bevölkerung. Zwar seien erhöhte Tumorrisiken im Kopfbereich wissenschaftlich nicht bewiesen, es gebe aber ausreichend Hinweise, um "dringend einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser Technologie zu empfehlen." Gedacht wird hier beispielsweise an Warnhinweise auf den Handyverpackungen, wie man sie von Zigarettenpackungen kennt. 

10 Handyregeln

Indes fordert auch die Ärztekammer einen verantwortungsvolleren Umgang und plädiert für handyfreie Zonen im öffentlichen Raum. Dadurch soll die Strahlenbelastung minimiert werden und die Menschen zu einem bewussteren Umgang erzogen werden. Piero Lercher, Umweltmedizin-Referent der Ärztekammer Wien, fordert auch die Intensivierung von Recyclingmaßnahmen, da die Gewinnung der benötigten Rohstoffe umweltbedenklich wäre. Er schlägt die Implementierung eines Handypfandsystems vor. Die Gefährlichkeit mit Studien zu untermauern sei aber problematisch, da dieses Massenphänomen noch zu kurz andauern würde. Die vor zehn Jahren herausgegebenen "10 medizinischen Handy-Regeln" vor sechs Jahren hätten nicht an Aktualität verloren. Lercher fordert aber auch von der Industrie, auf strahlungsärmere Telefone zu setzen.

Zweifel an Studien

Das Forum Mobilkommunikation reagiert auf die Forderungen des Umweltdachverbandes und der Ärztekammer und kritisiert, dass sich der Verband auf ein Urteil eines italienischen Kassationsgerichtes für Arbeitsrecht stürzt. Zur Urteilsfindung seien Studien von Lennart Hardell herangezogen worden, die höchst umstritten seien. Seine Studien würden im Gegensatz zum allgemeinen wissenschaftlichen Kenntnisstand stehen. Kopf- und Gehirntumore seien in Österreich laut Statistik Austria sogar leicht zurückgegangen, was im Widerspruch zu Hardells Studien stehe. Seinen Aussagen zufolge müsste laut Forum Mobilkommunikation die Kopftumor-Rate in den letzten 20 Jahren um 30 Prozent gestiegen sein. Der SAR-Wert werde zudem in allen Bedienungsanleitungen bekanntgegeben, die Forderung des "Salzburger Vorsorgewertes" würde eine Forderung nach dem Abschlaten sämtlicher Funkdienste bedeuten. Die zehn medizinischen Handyregeln seien bar jedes technischen Verständnisses und würden von Ahnungslosigkeit oder bewusstem Schüren von Ängsten zeugen. (red, derStandard.at, 6.12.2012)

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