Ohne Strategie geht's nicht

11. Dezember 2012, 16:54
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Gerade in den ersten drei Jahren nach der Gründung kann bei Jungunternehmern einiges schief gehen

Endlich! Der Business-Plan wurde erstellt, der Kredit von der Bank bewilligt und sämtliche Amtswege für die Gründung erledigt. Das Tagesgeschäft ist in vollem Gange. Zum Glück muss man sich jetzt nicht mehr viel mit Strategie und Papierkram herumschlagen. Richtig?

Leider nicht. "Für UnternehmerInnen ist es wichtig, einen Überblick über die Unternehmensentwicklung zu haben", sagt Karl H. Pisec, Kurator des WIFI Österreich. "Einige Untersuchungen zeigen, dass in der Unternehmensgründungsphase viel Zeit in Planung und Kalkulation investiert wird, dann aber das Alltagsgeschäft in den Vordergrund rückt. Das ist oft der Zeitpunkt, in der Planung und Controlling vernachlässigt werden."

Mehr als zwei Drittel überspringen die Drei-Jahres-Hürde

35.279 Unternehmensneugründungen gab es im Vorjahr in Österreich, vornehmlich in den Branchen Gewerbe und Handwerk, Handel sowie Information und Consulting. Fast 55 Prozent davon sind EPUs (Ein-Personen-Unternehmen). 69 Prozent der heimischen Neugründungen überleben im Schnitt das dritte Jahr, 62 Prozent das siebente Jahr. Durchschnittlich 6.100 Firmen jährlich mussten in den letzten Jahren allerdings Insolvenz anmelden, so die nackten Zahlen der WKO.

Im Rahmen einer EU-Studie wurden von Statistik Austria die Erfolgsfaktoren österreichischer Jungunternehmen, aber auch die Probleme in der Gründungsphase erhoben. Für fast die Hälfte der befragten Gründer waren die Abwicklung rechtlicher und administrativer Angelegenheiten (47,3 Prozent) und der Aufbau von Kundenkontakten (45,5 Prozent) Hauptprobleme. Auch die Finanzierung (36,7 Prozent) und das Finden von geeignetem Personal (33,4 Prozent) bereiteten den Jungunternehmern Kopfzerbrechen. Schwierig waren zudem das Festsetzen von Preisen (30,4 Prozent) und die Tatsache, alleine für alles verantwortlich zu sein (29,7 Prozent). Befragt wurden Jungunternehmen, die nach drei Jahren immer noch am Markt zu finden waren.

Fallstricke für Jungunternehmer

Doch woran scheitert es? Bei unseren deutschen Nachbarn wurde vom Wirtschaftsministerium eine Studie über die "Ursachen für das Scheitern junger Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihres Bestehens" in Auftrag gegeben. Als Hauptgründe für die Schließung wurden einerseits eine unzureichende Finanzierungslage sowie andererseits strategische Fehlentscheidungen angegeben. Zu letzteren zählen etwa ein zu kurzer Planungshorizont, Fehlinvestitionen, eine zu riskante Wachstumsstrategie oder nicht kostendeckend kalkulierte Preise. Fast zwei Drittel gaben zudem Auftrags- und Nachfragerückgänge als Gründe an. Hinweise also, auf Mängel im Controlling bzw. Probleme in der Strategie. Hat ein Jungunternehmer keinen Überblick mehr über anfallende Kosten oder seine Liquidität, kann das zu schnell zu Problemen führen.

Ein interessanter Aspekt der Studie: Die Studienautoren empfehlen, dass der tatsächlich notwendige Anfangsfinanzierungsbedarf finanziert werden sollte, und nicht der zu den vorhandenen Sicherheiten des Gründers passende. Mehrere Kredittranchen wären eine Möglichkeit, die jeweils beim Erreichen gewisser vorab definierter Ziele gewährt werden könnten. Die Banken hätten oft die notwendigen Finanzierungen nicht gewährt, so dass sich die Jungunternehmer durch die fehlenden Rücklagen immer weiter verschuldeten, was schließlich zur Schließung der Unternehmen führte.

Business-Plan als Masterplan

Finanzierung und Strategie - so könnte man also die Hauptursachen des Scheiterns zusammenfassen. Gerade in puncto Unternehmensentwicklung können Unternehmensberater weiterhelfen, da sie einen unabhängigen Blick von außen einbringen. Der Business-Plan sollte nicht nur als wichtig für Kapitalgeber betrachtet werden, sondern auch als "Masterplan" für die Entwicklung des Unternehmens, empfiehlt die WKO in ihrer Broschüre für Jungunternehmer. Gerade in den ersten drei Jahren sei es wichtig darauf zu achten, ob die getroffenen Ziele und Annahmen (v.a. bezüglich Umsatz- und Gewinnplanung) eingehalten werden, oder ob Zielkorrekturen notwendig seien.

Eine typische Falle für Jungunternehmer sind Nachbemessungen von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Die Steuervorauszahlung wird aufgrund der Gewinnschätzung des Gründers festgelegt. Übersteigt der Gewinn im ersten Jahr die Schätzung, muss der Jungunternehmer nicht nur Einkommenssteuer, sondern auch eine erhöhte Einkommenssteuervorauszahlung begleichen. Und auch bei der Sozialversicherung heißt es aufpassen. Die SVA geht in den ersten drei Jahren von einer niedrigen Bemessungsgrundlage aus. Auch dieser vorläufige Betrag wird nachbemessen, sobald der Sozialversicherungsanstalt der Einkommenssteuerbescheid vorliegt. Ab dem vierten Kalenderjahr ist Schluss mit der Begünstigung, die vorläufigen Mindestbeiträge für Krankenversicherung und Pensionsversicherung steigen. "Meist fehlt es den Jungunternehmern an liquiden Mitteln, um die neuen Forderungen zu begleichen", sagt Claudia Scarimbolo vom WIFI Unternehmerservice der Wirtschafskammern Österreich. Deshalb sei es wichtig, im Vorhinein zu planen und für den Fall einer Nachzahlung Vorsorge zu treffen. Auch die mangelnde Zahlungsmoral von Kunden kann Jungunternehmen in Schwierigkeiten bringen.

Eine typische weitere Hürde für Gründer sei das Nichtverlängern einer Kreditlinie oder die Aufnahme neuer Kredite. "Hier kann unter Umständen ein guter Business-Plan, entwickelt von Experten, sehr viel helfen", sagt Scarimbolo. Die Experten können beispielsweise Tipps geben, wie man Verhandlungsgespräche mit der Bank führt oder was man sonst noch beachten sollte. Gerade bei der Aufnahme eines Kredits ist es auch wichtig, für schlechte Zeiten vorauszuplanen.

Geförderte Beratung für Jungunternehmer

Um die Jungunternehmer gerade in den heiklen ersten Jahren nach der Gründung zu unterstützen, hat das WIFI Unternehmerservice das "Coaching für Jungunternehmer/-innen" ins Leben gerufen, das vom Wirtschaftsministerium und von den Wirtschaftskammern gefördert wird. Wer in den letzten Jahren gegründet hat und eine Unternehmensberatung in Anspruch nehmen will, bekommt für eine gewisse Anzahl an Coaching-Stunden eine Förderung zwischen 50 und 80 Prozent. Die Kosten für die Unternehmer betragen dann nur noch zwischen 20 und 40 Euro pro Stunde. "Da die einzelnen Bundesländer unterschiedliche Präferenzen in der Förderpolitik setzen, kommt es so zwangsläufig zu unterschiedlichen Fördermodellen", erklärt Scarimbolo die unterschiedlichen Fördersätze. Außerdem wird das Jungunternehmer/-innen-Coaching derzeit nur für Unternehmer aus Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol, Vorarlberg und Wien angeboten. "In den anderen Bundesländern gibt es andere Unterstützungsmodelle. In der Steiermark z.B. wird Coaching in betriebswirtschaftlichen Fragen durch MitarbeiterInnen der Wirtschafskammer durchgeführt", ergänzt sie.

Die Coaching-Themen reichen von Beratung zum Thema Marketing über Controlling bis hin zu Finanzierung. Grundsätzlich gebe es zwar einen Pool von erfahrenen Beratern. "Es besteht aber auch die Möglichkeit, einen sogenannten 'Wunschberater' in Anspruch zu nehmen." Die Serviceeinrichtungen würden aber auch weitere geförderte Beratungen anbieten, etwa zu den Themen Arbeitnehmerschutz, Finanzierung, Förderung, Innovation, Umwelt, Energie oder Sanierung. Die Unterstützung erfolgt über das österreichweite Gründerservice. "Die Wirtschaftskammern Österreich verfügen aber auch über ein sehr umfangreiches Rechtsservice. Ich empfehle im Bedarfsfall mit dem Servicecenter der jeweiligen Landeskammer Kontakt aufzunehmen. Die Mitarbeiter dort vermitteln dann zum richtigen Ansprechpartner", so die Expertin des Unternehmerservice.

Kostenlose Beratung in NÖ und für EPUs

Gut haben es übrigens Unternehmer in Niederösterreich. RIZ - die Gründer-Agentur für NÖ bietet Jungunternehmern bis zu drei Jahren nach der Gründung kostenlose Beratung, vom Konzept über Fragen zu Recht, Steuern oder Rechnungswesen bis hin zum Marketing. Weitere Förderungen gibt es auch für Ein-Personen-Unternehmen: Das Forum EPU in Wien bietet nicht nur Mini-Workshops für Einzelunternehmer an, sondern auch bis zu sechs kostenfreie Einzelcoachings innerhalb von zwei Jahren. Die Palette der Coaching-Themen reicht dabei von Buchhaltung über Marketing bis hin zum Stundensatz.

Wann man zu einer Beratung kommen sollte? "Nach dem Motto 'Vorbeugen ist besser als Heilen' so früh wie möglich", empfiehlt Scarimbolo. (Sonja Tautermann, derStandard.at, 12.12.2012)

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    Der Weg ans Ziel ist für Jungunternehmer mit so manchem unwegbaren Stein gepflastert.

  • Claudia Scarimbolo vom WIFI Unternehmerservice der WKO empfiehlt 
Jungunternehmern, so früh wie möglich zur Beratung zu kommen.
    foto: petra spiola

    Claudia Scarimbolo vom WIFI Unternehmerservice der WKO empfiehlt Jungunternehmern, so früh wie möglich zur Beratung zu kommen.

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