Bankomaten künftig nur noch mit Gesichtserkennung?

6. Dezember 2012, 10:30
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Erst wenn die Geldmaschine das Gesicht des Karteninhabers identifiziert hat, spuckt sie Bares aus

Um die Sicherheit bei Geldgeschäften online und in der realen Welt zu steigern, hat Gesichtserkennung als PIN-Code- und Fingerabdruck-Ersatz zur Identifikation von Personen großes Potenzial. Zumindest ist das die Überzeugung der spanischen Firma F7Corporation, die als eine der ersten Physiognomie-Scans von Kundengesichtern beim Bankomaten erprobt.

Pilotphase

Mehr als sechs Jahre tüftelten die Spanier an ihrem System FacePhi, das nun in die Pilotphase bei der peruanischen Interbank - eines der größten Geldhäuser des Andenstaates startet. Dafür müssen die Gesichter der Kunden fotografiert, gescannt und nach ihren Merkmalen identifiziert werden.

"FacePhi arbeitet äußerst rasch, was auch die Annahme auf Kundenseite vereinfacht", sagt F7-Manager Javier Mira zum STANDARD. Binnen 105 Millisekunden sei ein Gesicht anhand eigens entwickelter Algorithmen über 200 Module erkannt und mit der Datenbank abgeglichen. Erhoben werden dabei etwa die Distanzen zwischen Nase, Mund und Augen. Vor wenigen Jahren dauerten derartige Prozesse noch mehr als 40 Sekunden. Einige europäische und asiatische Finanzdienstleister zeigen sich laut Mira bereits daran interessiert. Doch den interessantesten Markt sieht das Unternehmen in Lateinamerika - wegen der hohen Zahl von Betrugsfällen mit der Bankomatkarte.

"Sehr verlässlich"

Mit einer Fehlerquote von eins zu einer Million sei FacePhi "sehr verlässlich" und spiele mit biometrischer Identifikation über Fingerabdrücke, Handflächen, Iris oder Stimmerkennung "in einer Liga", sagt Mira. Zudem lasse es sich nicht durch Alterungsprozesse, Kontaktlinsen, Make-up oder Kopfbedeckungen verwirren.

Einsatz auch in Autos

Weitere Einsatzgebiete sieht er im Online-Banking als Alternative zum TAN, oder für Chipcard-Lösungen mit Passworten. "Theoretisch können wir FacePhi in Autos einbauen, und diese per Gesichtserkennung starten." Für die Installation bedürfe es lediglich einer Webcam mit 1,3 Megapixel Auflösung, die in den meisten Haushalten bereits vorhanden sei. Für Banken lägen die Kosten pro Kunden bei einem Cent.

"Wenn, dann müssten alle Banken im Verbund eine solche Umstellung vollziehen"

In Österreich, wo Skepsis gegenüber Biometrie-Sicherheitslösungen herrscht, wird man wohl nicht so schnell mit seiner Miene zu seinen Moneten kommen. "Wenn, dann müssten alle Banken im Verbund eine solche Umstellung vollziehen", heißt es aus der Bank Austria. Die aktuellen Sicherheitsvorkehrungen mit PIN am Bankomaten und der Online-Schutz seien ausreichend. Im Schadensfall würde man ohnehin, "sofern keine grobe Fahrlässigkeit des Kunden vorliegt, Schad- und Klaglosigkeit walten lassen". (Jan Marot aus Granada, Der Standard, 06.12. 2012)

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FacePhi

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    Mit Miene zu Moneten: FacePhi erkennt Gesicht der Bankkunden

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