Gen-Testverfahren soll Brustkrebs-Patientinnen helfen

6. Dezember 2012, 10:04
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Bessere Prognose über langfristigen Krankheitsverlauf bei Hochrisiko-Patientinnen

Wien/Houston - Neue Tests mit Biomarkern beziehungsweise auf der Basis von Gen-Charakteristika sollen Mammakarzinom-Patientinnen helfen: Wiener Wissenschaftler stellten heute beim amerikanischen Brustkrebs-Meeting (SABCS) in San Antonio im US-Staat Texas Studienergebnisse vor, wonach modernste Gen-Testverfahren Hochrisiko-Patientinnen identifizieren können. Das ist wichtig für die Langzeit-Therapie und -Überwachung.

Es geht dabei um die Frage, welche Frauen mit Brustkrebs nach der Operation eine weitere begleitende medikamentöse Behandlung bekommen sollten, um Rückfälle zu vermeiden. Die Ergebnisse zweier Studien zu genetischen Testverfahren stellten Vertreter der österreichischen Studiengruppe für Brustkrebs- und Dickdarmkrebs (ABCSG) bei der Tagung mit an die 8.000 Teilnehmern vor.

So könnte das Testverfahren "PAM50" die Identifikation von Hochrisikopatientinnen mit Brustkrebs in Zukunft deutlich verbessern. Dies würde vor allem die Entscheidung pro oder contra adjuvante Therapie erleichtern. "Wir präsentieren in San Antonio Ergebnisse einer Studie, in der PAM50 auf seine Prognosesicherheit anhand von Langzeitdaten der erfolgreichen ABCSG-08 Studie untersucht wurde", berichtete ABCSG-Präsident Michael Gnant von der chirurgischen Universitätsklinik der MedUni Wien am AKH.

Verbesserte Prognose

In der "TR8-NanoString"-Studie wurde mit Hilfe des Breast Cancer Intrinsic Subtyping Tests untersucht, bei welchen Patientinnen nach der ersten Brustkrebsbehandlung das Risiko für ein Wiederauftreten der Erkrankung so gering ist, dass eine weiterführende medikamentöse Therapie nicht notwendig erscheint. Der Test basiert auf der Analyse von 50 Genen (PAM50) und einer Ableitung von Handlungsempfehlungen auf dieser Basis (Algorithmus).

Dieser Algorithmus ermöglicht eine Unterscheidung verschiedener Krebs-Subtypen. Mit dem Verfahren ist außerdem die Errechnung eines Risk of Recurrence (ROR - Risiko des Wiederauftretens) möglich. "Sowohl die Unterscheidung in die Subtypen als auch der ROR-Score tragen wesentlich dazu bei, die Prognose bezüglich der Wiedererkrankung von Brustkrebspatientinnen zu verbessern", hielt Gnant fest.

Die Studienergebnisse der ABCSG bestätigten die ursprüngliche Annahme. "PAM50 liefert signifikante prognostische Informationen", so Gnant. "Dies ermöglicht es den behandelnden Ärzten möglicherweise in Zukunft, nur jene Patientinnen adjuvant zu therapieren, bei denen dies auch wirklich notwendig ist", sagte der Wiener Chirurg.

Lange Nachuntersuchungszeiten

Peter Dubsky, Chirurg am Brustgesundheitszentrum des AKH in Wien, präsentiert ABCSG-Studienergebnisse zu einem anderen genetischen Testverfahren, das ebenfalls ausgezeichnete prognostische Daten liefert.

"In den vergangenen Jahren konnten wir bereits zeigen, dass wir bei Patientinnen mit einem Östrogen-Rezeptor positivem Mammakarzinom eine sehr große Gruppe von Patientinnen definieren können, die eine außerordentlich gute Prognose haben", beschrieb Martin Filipits, der Leiter von abcsg.research die Ergebnisse.

Aktuelle Ergebnisse mit dem genetischen Testverfahren Endopredict des deutschen Unternehmens Sividon-Diagnostic zeigen nun, dass diese gute Prognose über die ersten fünf krankheitsfreien Jahre hinausreicht: "Gerade bei diesen Patientinnen müssen wir sehr sorgfältig und sehr lange nachuntersuchen", fügte Dubsky hinzu, "denn diese Form des Mammakarzinoms kann vermehrt bis zu 15 Jahre nach der Diagnose Krankheitsrückfälle zeigen."

Mit Endopredict könnte es möglich werden, jene Gruppe von Patientinnen exakter als bisher zu identifizieren, bei denen die Erkrankung auch zehn Jahre nach der Diagnose nicht wieder auftritt. "Diese Patientinnen profitieren wohl auch nicht von einer adjuvanten Chemotherapie", sagte Dubsky. "Und vermutlich ist auch eine antihormonelle Therapie über die üblichen fünf Jahre hinaus nicht notwendig", schloss sich ABCSG-Präsident Gnant an. (APA, 6.12.2012)

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