Eine Sonne im Embryonalstadium

  • Aufnahmen des Protosterns mit Hilfe des Spitzer-Teleskops (oben) und des Gemini North Telescope.
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    foto: john tobin, bill saxton

    Aufnahmen des Protosterns mit Hilfe des Spitzer-Teleskops (oben) und des Gemini North Telescope.

450 Lichtjahre von der Erde entfernt gleicht ein neu entdeckter junger Stern unserer Sonne in der Frühphase der Entwicklung

Washington - Um die zehn Trilliarden Sterne sind in den knapp 14 Milliarden Jahren, die seit dem Urknall verstrichen sind, in unserem Universum entstanden. Und es entstehen noch weitere. Zum Beispiel im Orion-Nebel, einer der nächstgelegenen Geburtsstätten für Sterne in 1.500 Lichtjahren Entfernung, an die 700 Sterne sollen sich dort gerade formieren.

Aber auch noch etwas näher, etwa 450 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild des Stiers, wächst gerade ein Stern heran. Das von Forschern des in Charlottesville ansässigen National Radio Astronomy Observatory entdeckte Objekt L1527 IRS ist das bisher beste Beispiele eines sogenannten Protosterns, eines Sonnensystems in der Geburtsphase.

Der nur 300.000 Jahre alte Protostern im Taurusnebel könnte zum Verständnis beitragen, wie es genau dazu kommt, wenn eine Gaswolke, die sich an einer Stelle zufällig verdichtet, unter der eigenen Gravitation kollabiert und sich nach und nach zu einem jungen Stern verdichtet, heißer wird und schließlich mit der Kernfusion startet.

Der Protostern im Taurusnebel ist noch nicht so weit. Um ihn kreist eine Keplersche Scheibe aus Gas und Staub, deren Drehimpuls sich mit dem Abstand zum Stern verändert und aus der sich später die Planeten des Sonnensystems bilden werden. Noch hat der junge Stern etwa ein Fünftel der Masse unserer Sonne, "ausgewachsen" könnte er ihr gleichen, sagen die Forscher, die Drehimpuls und Masse der Konstellation messen konnten.

Die rotierende Scheibe weist genug Masse auf, um sieben Planeten mit der Masse des Jupiters zu bilden. Sie wird von der eigenen Rotation gestützt, wobei aber auch Partikel zum Protostern hingezogen werden. "In vielen Hinsichten gleicht dieses System jener Vorstellung, die wir von unserem Sonnensystem haben, als es noch jung war", sagt John Tobin, Autor der in "Nature" veröffentlichten Studie. Unser Sonnensystem ist 4,6 Milliarden Jahre alt. (pum/DER STANDARD, 6. 12. 2012)

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